bigott

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungbi-gott (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›bigott‹ als Grundform: ↗Bigotterie
eWDG, 1967

Bedeutung

abwertend übertrieben glaubenseifrig
Beispiele:
ein bigotter Sektierer
eine bigotte Jungfer
ein bigottes Land
in bigotte Frömmigkeit verfallen
eine bigotte Erziehung
scheinheilig
Beispiele:
ein bigotter Heuchler
sich bigott ereifern, entrüsten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bigott · Bigotterie
bigott Adj. ‘frömmelnd, scheinheilig’. Frz. bigot, seit dem 15. Jh. in derselben Bedeutung bezeugt und bereits im 17. Jh. als bigot ins Engl. und als bigotto ins Ital. entlehnt, gelangt um die Wende zum 18. Jh. ins Dt. und erscheint hier seit der Mitte des 18. Jhs. in der eingedeutschten Schreibung bigott. Die Herleitung des frz. Wortes, das zuerst im Afrz. (12. Jh.) als herabsetzende Charakterisierung der Normannen verwendet wird, ist ungeklärt, doch hat es seinen Ursprung wahrscheinlich in einer (der nhd. Fügung bei Gott entsprechenden) germ. Schwurformel (aengl. bī god?); vgl. dazu die Beteuerung bigott ‘wahrhaftig, fürwahr’ in obd. Mundarten. Das Substantiv span. bigote ‘Knebelbart’, das auch für die Erklärung von frz. bigot und dessen Bedeutungsentwicklung herangezogen wird (span. hombre de bigote ‘Mann mit Knebelbart’, übertragen ‘Mann von Charakter’), geht nach Corominas 1, 457 f. wohl ebenfalls auf eine solche Formel zurück. Best in: Die Neueren Sprachen N. F. 18 (1969) 497 ff. sieht dagegen in jidd. begotisch ‘fromm, gottbegnadet’ (zu mhd. got ‘Gott’) eine mögliche Quelle für das frz. Adjektiv. Bigotterie f. ‘Frömmelei, scheinheiliges Wesen’ (Ende 17. Jh.), Übernahme von gleichbed. frz. bigoterie.

Thesaurus

Synonymgruppe
bigott · ↗blindgläubig · ↗engstirnig · ↗frömmelnd · ↗frömmlerisch
Assoziationen
Synonymgruppe
bigott · ↗doppelzüngig · geheuchelt · ↗heuchlerisch · ↗hypokritisch · ↗pharisäerhaft · ↗schlangenzüngig · ↗unaufrichtig · ↗verlogen  ●  ↗scheinheilig  Hauptform · ↗falsch  ugs. · ↗hintenrum  ugs. · ↗hinterfotzig  derb, bair. · ↗link  ugs. · ↗scheißfreundlich  derb
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Biedermann Eiferer Erziehung Fanatiker Frömmigkeit Frömmler Gesellschaft Großmutter Heuchelei Heuchler Jungfer Katholizismus Kleinstadt Moral Moralvorstellung Mutter Nonne Pfarrer Priester Religiosität ebenso katholisch korrupt provinziell prüde puritanisch rassistisch spießig ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bigott‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man kann sie als konstruiert empfinden, als bigott, als falsch.
Die Zeit, 27.12.2012, Nr. 52
Die Welt ist hohl, die Kunst saturiert, die Sprache bigott.
Süddeutsche Zeitung, 10.03.1997
Vielleicht stimmte ihn die Arbeit, die oben auf ihn wartete, froher als dieses starre, bigotte Konzert.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 278
Frömmigkeit in der Realität ist zumeist so bigott wie bei dem frustrierten Blaustrumpf.
Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 245
Während der Schulwochen war der hochgestimmte und freudige Ton der Ferientage zu einer mitunter bigotten Selbstanklage verkommen.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 159
Zitationshilfe
„bigott“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bigott>, abgerufen am 16.11.2018.

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