binden

GrammatikVerb · bindet, band, hat gebunden
Aussprache
Worttrennungbin-den
Wortbildung mit ›binden‹ als Erstglied: ↗Bindeanker · ↗Bindeband · ↗Bindebogen · ↗Bindegarn · ↗Bindeglied · ↗Bindehaut · ↗Bindemittel · ↗Bindemäher · ↗Binder · ↗Binderei · ↗Bindestrich · ↗Bindewort · ↗Bindfaden · ↗Bindung
 ·  mit ›binden‹ als Letztglied: ↗abbinden · ↗anbinden · ↗aneinanderbinden · ↗aufbinden · ↗ausbinden · ↗darumbinden · ↗einbinden · ↗festbinden · ↗herumbinden · ↗hochbinden · ↗losbinden · ↗rückbinden · ↗umbinden · ↗unterbinden · ↗verbinden · ↗vorbinden · ↗zubinden · ↗zurückbinden · ↗zusammenbinden · ↗überbinden2 · ↗überbinden1
 ·  mit ›binden‹ als Grundform: ↗Gebinde · ↗entbinden · ↗gebunden
 ·  formal verwandt mit: ↗Blumenbinden · ↗Fassbinderei
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
a)
etw. Loses mit einem Faden, Seil zu etw. Festem, Einheitlichem zusammenfügen
Beispiele:
Blumen (zu einem Strauß, Kranz) binden
einen Kranz binden
Reisig (zu einem Besen) binden
das gemähte Getreide (in, zu Garben) binden
gehoben, bildlich etw., sich verbinden, zusammenschließen
Beispiele:
die bindende Kraft der gemeinsamen Sprache
Wenn die Ehe Gleiches bindet ... / Wünsch' ich Glück [Grillp.3,56]
Über dem Opferkessel banden sich die Männer zu einem Bunde [FreytagAhnen8,160]
b)
die Enden von einem Stoffstreifen in sich verknüpfen
Beispiele:
einen Schleier, Schal binden
einen Schnürsenkel zur Schleife binden
die Krawatte binden
ein Tuch, Band nach hinten, oben binden
etw. locker, fest binden
c)
etw., jmdn. an, auf, um etw. bindenetw., jmdn. an, auf, um etw. befestigen, anbinden
Beispiele:
junge Bäume an eine Stütze, einen Kahn an einen Pflock binden
die Kinder haben das Spielzeug an einen Faden gebunden
einen Sattel aufs Pferd binden
historischjmdn. aufs Rad binden
sich einen Gurt um den Leib binden (= schnallen)
ein Tuch um den Hals binden
eine Schnur, einen Faden um ein Paket binden (= ein Paket verschnüren)
bildlich
Beispiele:
seine Zukunft an ein Mädchen binden
jmd. ist an sein Haus, Geschäft gebunden
jmdn. binden Erinnerungen an alte Familienmöbel
umgangssprachlichsich [Dativ] einen Klotz ans Bein, eine Rute auf den Rücken binden (= sich mit einer lästigen Verpflichtung belasten)
sie hatte sich an die fremden Menschen gebunden [SeghersDie Toten6,125]
salopp jmdm. etw. auf die Nase bindenjmdm. etw. bereitwillig mitteilen, was er nicht unbedingt wissen müsste
Beispiel:
ich binde dir doch nicht alles auf die Nase!
jmdm. etw. auf die Seele bindenjmdm. etw. einschärfen, dringend nahelegen
Beispiel:
Ich werde den Ältesten ... auf die Seele binden, daß sie dir kein Unrecht geschehen lassen [Feuchtw.Jefta75]
veraltend jmdm. jmdn. auf die Seele bindenjmdm. jmdn. zur Fürsorge anempfehlen
Beispiel:
der Vater hatte sterbend ihm das Mädchen auf die Seele gebunden [Eichendorff3,130]
2.
jmdn., etw. fesseln
Beispiele:
jmdn. an Händen und Füßen binden
jmdn. gebunden abführen
bindet ihn
bildlich
Beispiele:
etw. bindet jmds. Aufmerksamkeit, Sinne
Schwerpunkte der Wirtschaft binden Investitionsmittel, Arbeitskräfte über lange Zeiträume
die gebundene Wärme wird bei diesem Vorgang frei
das chemisch gebundene Wasser entweicht
Die Schüchternheit, die sonst seine Zunge band [E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,189]
Er [der Torfmull] vermag ... Gerüche zu binden [CarossaGion271]
übertragen jmdm. sind die Hände gebundenjmd. kann nicht so handeln, wie er will
Beispiel:
ich kann dir leider nicht helfen, denn mir sind auch die Hände gebunden
jmd. ist (an, durch etw.) gebunden, jmdn. bindet etw.jmd. ist durch etw. verpflichtet
Beispiele:
ich bin in meinen Entscheidungen an nichts gebunden
jmd. ist an das Gesetz, an eine Abmachung gebunden
jmd. ist durch einen Vertrag gebunden
jmd. ist durch einen Eid, sein Wort gebunden
jmdn. bindet ein Gelübde, Schwur
Sie sei nach keiner Seite gebunden [BrechtDreigroschenroman368]
etw. ist an etw. gebundenetw. ist von etw. abhängig, auf etw. angewiesen
Beispiele:
manche Verkehrsmittel sind an Schienen gebunden
der Anbau von Weizen ist an bestimmte Böden gebunden
sich bindensich abhängig machen, festlegen
Beispiele:
er will sich für die Ferien noch nicht binden
ich habe nie mehr ... mich selber durch ein Wort gebunden [Hesse3,77]
jmdm. die Heirat versprechen
Beispiele:
sich zeitig binden
jmd. ist gebunden (= jmd. ist verlobt, verheiratet)
Drum prüfe, wer sich ewig bindet, / Ob sich das Herz zum Herzen findet [SchillerGlocke]
bindendverpflichtend, verbindlich
Grammatik: oft im Part. Präs.
Beispiele:
eine bindende Zusage, Verprechung
ein bindendes Abkommen, Jawort
ein bindender Auftrag, Beschluss
jmdm. etw. in bindender Form zusichern
eine bindende Entscheidung treffen
3.
(etw.) zusammenhalten
Beispiele:
Leim, Zement muss gut binden
die Farbe hat bereits gebunden
das [angerührte Ziegelmehl] muß über Nacht stehen, morgen bindet es [WelkHoher Befehl202]
etw. binden
Beispiele:
Wasser bindet den Staub
feine Wurzeln binden lockere Böden
ein mit Lehm gebundenes Mauerwerk
die durch den Nachttau gebundenen Sandkörner [SchomburgkAfrika338]
4.
fachsprachlich Sonderbedeutungen
a)
Handwerk ein Buch bindendie gehefteten Bogen mit Deckeln und Rücken versehen
Beispiele:
ein Buch in Leinen, Halbleder binden
ein sauber gebundenes Buch
Zeitschriften, Noten zum Binden weggeben
b)
Kochkunst
Beispiel:
Gemüse, Suppen, die Soße binden (= mit Mehl sämig machen)
c)
Musik
Beispiel:
Töne binden (= zusammenhängend, ohne abzusetzen, legato spielen)
d)
Wissenschaft Worte in Verse fassen
Beispiele:
sich in gebundener Rede ausdrücken
eine Dichtung in gebundener Sprache
Wörter durch einen Reim binden
e)
Wirtschaft
Beispiele:
gebundene Preise (= festgesetzte, begrenzte Preise)
die Produktion (vertraglich) binden (= Abnehmer für die Produktion sichern)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

binden · Binde · Binder · entbinden · Entbindung · verbinden · Verbindung · Verband
binden Vb. ‘durch Umwinden, Verknüpfen zusammenfügen’, insbesondere ‘fesseln’, auch allgemeiner ‘fest miteinander vereinigen’, ahd. bintan (8. Jh.), mhd. binden ‘umwinden, verknüpfen, fesseln’ führt wie die Entsprechungen asächs. aengl. got. bindan, afries anord. schwed. binda, mnd. mnl. nl. binden, engl. to bind auf germ. *bindan. Es läßt sich mit aind. badhnā́ti ‘bindet’, bandháḥ ‘Band, Fessel’, bándhuḥ ‘Verbindung, Verwandtschaft, Verwandter’, griech. pé͞isma (πεῖσμα) ‘Tau, Seil’, pentherós (πενθερός) ‘Schwiegervater’ (auf die durch Heirat entstehende Bindung bezogen), lat. offendīx ‘Kinnband der Priestermütze’ an ie. *bhendh- ‘binden’ anschließen (s. auch ↗Band m. und ↗Band n., ↗Bande, ↗Bund). Binde f. ‘um etw. herumgewundener Stoffstreifen’ (als Verband, Schmuck, Kennzeichen), ahd. binta (8./9. Jh.), mhd. binde ‘Binde, Verband’, aengl. binde, engl. bind ‘Binde, Band’. Binder m. ‘Böttcher’, ahd. bintāri (10. Jh.), mhd. binder ‘Faßbinder’, nhd. bis zur Gegenwart landschaftlich für ↗Böttcher (s. d.). entbinden Vb. ‘lossprechen, befreien’, auch ‘gebären’, ahd. intbintan ‘aufbinden, lösen, befreien, einer Verpflichtung entheben’ (8. Jh.), mhd. enbinden ‘befreien, lösen, erklären’, asächs. antbindan, aengl. onbindan, engl. to unbind, got. andbindan. Das ursprünglich ‘losbinden, von Fesseln befreien’ bedeutende Verb kommt früh und im Nhd. überwiegend in metaphorischen Verwendungen vor; es bezeichnet bereits im 14. Jh. (wohl vom Trennen der Nabelschnur ausgehend) auch den Geburtsvorgang, wobei die Frau oder das Kind als Objekt des transitiven Verbs eintreten. Jung ist dagegen der intransitive Gebrauch ‘Mutter werden, gebären’ (um 1880); dazu Entbindung f. ‘Geburt’ und ‘Befreiung, Entlastung’, anfangs für unterschiedliche Vorgänge des Befreiens, Lösens, frühnhd. enpindung, en(t)pintung ‘Trennung. Auflösung, Erklärung’ (14. Jh.), dann namentlich ‘Absolution, Lossprechung von Sünden’, vgl. mnd. entbindinge ‘Zügellosigkeit’; im Sinne von ‘Niederkunft, Geburt’ seit dem 17. Jh. verbinden Vb. ‘mit einer Binde bedecken, verknüpfen, zusammenfügen’, übertragen ‘enge Beziehungen zwischen Personen herstellen’, ahd. firbintan ‘umwickeln, zubinden’ (um 1000), mhd. verbinden ‘zusammenfügen, zubinden, einschließen, verpflichten’; westgerm. Präfixbildung (vgl. mnd. vorbinden, nl. verbinden, aengl. forbindan), im Dt. die beiden Bedeutungsstränge ‘mit einer Binde bedecken’ (schon ahd.) und ‘fest zusammenfügen’ (mhd.) entwickelnd; in einigen der sich an die zweite Bedeutung anschließenden Verwendungen schwindet die Vorstellung des Umwindens, Verknüpfens völlig; dazu Verbindung f. ‘Zusammenhang, enge Beziehung’, auch ‘Vorgang des Verbindens’, zuerst (15. Jh.) ‘Verpflichtung’, vgl. mnd. vorbindinge ‘Verbindung, Bündnis’; Verband m. ‘eine Wunde bedeckende, schützende Binde’ (18. Jh.), ‘Gruppierung, Vereinigung, Organisation’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
binden · ↗flechten · ↗winden
Assoziationen
Musik
Synonymgruppe
binden · gebunden spielen · mit Bindebogen spielen
Synonymgruppe
binden · ↗fädeln · ↗schnüren
Synonymgruppe
binden · ↗festmachen · ↗festzurren
Synonymgruppe
abbinden (Soße) · ↗abziehen · ↗andicken · binden · cremig machen · ↗eindicken · ↗legieren · sämig machen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auflage Haar Hals Hand Kapital Krawatte Kunde Pferdeschwanz Ressource Schleife Tuch Vertrag Vorgabe Weisung Währung Zopf abbinden anbinden aneinander aneinanderbinden dauerhaft einbinden eng fest festbinden langfristig umbinden vertraglich zubinden zusammenbinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›binden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dass sie längst einen Plan B haben, werden sie uns nicht auf die Nase binden ", ergänzt er.
Die Zeit, 03.10.2011, Nr. 40
Sind sie freie Wissenschaftler, gebunden nur an die Erkenntnisse ihrer Forschung?
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2004
Vielleicht will man sich bewußt nicht an eine bestimmte Religion binden.
Trillhaas, W.: Religionsphilosophie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 31678
Davon abgesehen ist mir das Buch große Hilfe, ich lasse es gleich binden.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1950. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1950], S. 36
Doch ist niemand mit peinlicher Genauigkeit an die Minute gebunden.
Schramm, Hermine [d.i. Meißner, Hermine]: Das richtige Benehmen in der Familie, in der Gesellschaft und im öffentlichen Leben. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 14699
Zitationshilfe
„binden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/binden>, abgerufen am 08.12.2019.

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