bis

Aussprache 
Wortbildung  mit ›bis‹ als Erstglied: ↗bisher · ↗bislang · ↗bisweilen
Mehrwortausdrücke bis dato
eWDG, 1967

Bedeutungen

I.
bezeichnet eine Grenze, ein Ziel, einen Endpunkt
Grammatik: präpositional, mit Akkusativ eines artikellosen Nomens oder mit einer weiteren Präposition, die den folgenden Kasus bestimmt
1.
Grammatik: zeitlich
Beispiele:
wir bleiben bis nächsten Dienstag, kommenden Sonntag
er blieb bis Montag, den vierten April, in Berlin
bis jetzt, heute, Weihnachten, Mitte Juli waren wir verreist
er hat (von acht) bis fünf Uhr gearbeitet
unser Geschäft ist von 13 bis 15 Uhr, vom ersten bis fünfzehnten Juli geschlossen
umgangssprachlich bis morgen!, bis nächste Woche!, bis Montag!, bis dann!, bis gleich! (= Gruß mit dem Hinweis auf das nächste Wiedersehen)
es sind nur noch zehn Minuten bis sieben [BöllBillard296]
mit Präposition
Grammatik: in Verbindung mit »zu«, »zum«, »zur«
Beispiele:
sie blieb bis zum Abend, zur letzten Straßenbahn, zum zehnten Mai bei uns
bis zu unserem nächsten Wiedersehen werde ich alles erledigen
der Film ist für Jugendliche bis zu 16 Jahren nicht zugelassen
bis zum Tod
gehoben, verhüllend bis zum letzten Atemzug
Grammatik: in Verbindung mit »in«
Beispiel:
er schrieb bis in die Nacht hinein
Grammatik: in Verbindung mit »gegen«
Beispiel:
ich konnte bis gegen Mitternacht nicht schlafen
Grammatik: in Verbindung mit »nach«
Beispiel:
sie aß nichts bis nach der Vorstellung
Grammatik: in Verbindung mit »über«
Beispiel:
warte bis über acht Tage
Grammatik: in Verbindung mit »vor«
Beispiel:
bis vor kurzem war er krank
Grammatik: in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
gehoben bis auf den heutigen Tag blieb alles unverändert
bis auf weiteres
2.
Grammatik: räumlich
Beispiele:
der Zug fährt nicht bis Rom, sondern nur bis München
bis hierher und nicht weiter
ich begleite dich bis dorthin
wie weit ist es bis dahin?
von hier bis dort sind es 100 Meter
er war von Kopf bis Fuß, von oben bis unten neu eingekleidet
umgangssprachlichvon A bis Z alles erzählen
mit Präposition
Grammatik: in Verbindung mit »zu«, »zum«, »zur«
Beispiele:
wir gingen bis zur nächsten Haltestelle, zur Ecke, zum Bahnhof
bis zu den Knien im Wasser stehen
salopp bis zum Hals in Arbeit stecken
Grammatik: in Verbindung mit »an«
Beispiele:
er begleitete mich bis an die Gartentür
das Wasser reicht bis an die Knie
sie errötete bis an die Haarwurzeln
die Soldaten waren bis an die Zähne bewaffnet
Grammatik: in Verbindung mit »in«
Beispiele:
wir konnten bis in seinen Garten sehen
es schmerzt mich bis in die kleine Zehe
Grammatik: in Verbindung mit »nach«
Beispiel:
wir fahren bis nach Weimar
Grammatik: in Verbindung mit »unter«
Beispiel:
der Boden ist bis unter das Dach mit Heu gefüllt
Grammatik: in Verbindung mit »auf«, »aufs«
Beispiele:
wir stiegen bis aufs Dach
das Haus ist bis auf die Grundmauern abgebrannt
einen Becher bis auf den Grund leeren
Die Ämter sind überfüllt, die Beamten sitzen bis auf die Straße [BrechtKaukas. Kreidekreis5]
3.
übertragen zielt auf den höchsten Grad eines Zustandes
Grammatik: räumlich
Grammatik: in Verbindung mit »an«
Beispiel:
wir gehen zusammen bis ans Ende der Welt (= wir gehen zusammen sehr weit)
Grammatik: in Verbindung mit »in«, »ins«
Beispiele:
es hat mich bis ins Mark getroffen (= es hat mich sehr tief getroffen)
er ist konservativ bis in die Knochen (= er ist sehr konservativ)
alles war bis ins kleinste vorbereitet (= alles war sehr genau vorbereitet)
salopper schlief bis in die Puppen (= er schlief sehr lange)
Grammatik: in Verbindung mit »über«
Beispiel:
umgangssprachlich bis über beide Ohren verliebt sein (= sehr verliebt sein)
Grammatik: in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
wir waren bis auf die Haut durchnässt (= wir waren gänzlich durchnässt)
er quälte mich bis aufs Blut (= er quälte mich bis aufs äußerste)
salopper hat sich bis auf die Knochen blamiert (= er hat sich sehr blamiert)
ein Kampf bis aufs Messer (= ein äußerst erbitterter Kampf)
4.
bis aufschließt an der äußersten Grenze etw. ein oder aus
a)
einschließlich
Beispiele:
er hat sein Geld bis auf den letzten Cent ausgegeben (= er hat sein Geld restlos, gänzlich ausgegeben)
das Kino war bis auf den letzten Platz ausverkauft
wir haben den Fleck bis auf die letzte Spur entfernt
b)
ausschließlich, ausgenommen
Beispiele:
alle waren anwesend bis auf den Redner
alle gingen unter bis auf einen
ich habe das ganze Buch bereits gelesen bis auf die Schlussbemerkungen
5.
begrenzt vor Zahlen einen nicht genau angegebenen Wert, über den etw. nicht hinausgeht
Beispiele:
das kostet 50 bis 60 Euro
der Turm ist 90 bis 100 Meter hoch, hat eine Höhe von 90 bis 100 Metern
wir sind gestern 20 bis 25 Kilometer gelaufen
wir werden 3 bis 4 Tage bleiben
wir kommen auf 2 bis 3 Tage, in 2 bis 3 Tagen
sie schreibt auf der Maschine bis zu 300 Anschläge(n) in der Minute
II.
Grammatik: konjunktional
1.
bezeichnet die zeitl. Grenze, an die das Geschehen des Hauptsatzes heranreicht
Beispiele:
er wartete, bis ich kam
du bleibst bei uns, bis der Regen aufhört
wir suchten so lange, bis wir den Schlüssel fanden
bis er ins Ausland fährt, will er sein Studium beendet haben
bevor nicht
Grammatik: bei verneintem Hauptsatz mit Vorzeitigkeit im Gliedsatz
Beispiele:
wir können nicht nach Hause gehen, bis die Arbeit fertig ist
er kam nicht eher zur Ruhe, als bis er eine Spritze bekommen hatte
umgangssprachlich
Grammatik: auch mit verneintem Gliedsatz
Beispiel:
er bekommt keinen Kredit mehr, bis er nicht gezahlt hat
veraltet bis dass
Beispiele:
Jetzt geh ich nicht mehr heim, / Bis daß der Kuckuck kuckuck schreit [Volkslied »Jäger aus Kurpfalz«]
Eine Ewigkeit dünkte ihm die Spanne Zeit, bis daß Leben in den grauen Fleck kam [LönsMümmelmann4,55]
2.
österreichisch, umgangssprachlich sobald, als, wenn
Beispiele:
ich kann die Auskunft erst geben, bis der Chef zurück ist
»Er hat geträumt, daß ihn seine Frau betrügt, und hat sie nach dem Aufwachen am Morgen mit dem Stiefelknecht erschlagen!« ... »Gleich bis er aufgewacht ist mit dem Stiefelknecht? ...« [MusilMann1217]

Mehrwortausdrücke

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bis · bisweilen · bisher · bislang
bis Adv. Präp. Konj. meist zur Anknüpfung des Endpunktes einer Erstreckung. Mhd. bitze, biʒ, das wahrscheinlich aus mhd. bī ze ‘dabei zu’ entstanden ist, tritt im 12. Jh. als Adverb, Präposition und Konjunktion an die Stelle mehrerer älterer sprachlicher Möglichkeiten, woraus sich seine unterschiedlichen Funktionen erklären. Als Adverb dient bis vorwiegend zur Charakterisierung örtlicher und zeitlicher Umstände eines Geschehens. Aus dem mit einer Präposition verbundenen Adverb (bis zu, bis nach) entwickelt sich die selbständige Präposition (bis Sonntag). Als Konjunktion leitet bis Gliedsätze zur Bezeichnung einer zeitlichen Grenze oder Erstreckung ein. Vgl. Schieb in: PBB (H) 81 (1959) 1 ff. Zusammenrückungen: bisweilen Adv. ‘manchmal’ (16. Jh.), aus (mit anderem ersten Kompositionsglied) mhd. bīwīlen. Zur Bildungsweise s. ↗zuweilen. bisher Adv. ‘bis jetzt’, mhd. biʒ her; bislang Adv. ‘bis jetzt, bis heute’, seit dem 16. Jh. aus älterem bissolang.

Thesaurus

Synonymgruppe
bis (dass) · bis (in, zu) · erst wenn
Assoziationen
  • (die) Zeit ist noch nicht reif · (noch) zu früh, um etwas dazu zu sagen · noch nicht offiziell  ●  (noch) nicht spruchreif  Hauptform · noch nicht das letzte Wort (sein)  ugs., variabel · ungelegte Eier  ugs., fig.
Synonymgruppe
bis · solange bis
Zitationshilfe
„bis“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bis>, abgerufen am 15.08.2020.

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