bitten

GrammatikVerb · bittet, bat, hat gebeten
Aussprache
Worttrennungbit-ten
Wortbildung mit ›bitten‹ als Erstglied: ↗Bitt-Tag · ↗Bittbrief · ↗Bitter2 · ↗Bittfahrt · ↗Bittgang · ↗Bittgebet · ↗Bittgesang · ↗Bittgesuch · ↗Bittgottesdienst · ↗Bittprozession · ↗Bittschreiben · ↗Bittschrift · ↗Bitttag · ↗Bittwort
 ·  mit ›bitten‹ als Letztglied: ↗abbitten · ↗ausbitten · ↗erbitten · ↗fehlbitten · ↗freibitten · ↗heraufbitten · ↗herbitten · ↗hereinbitten · ↗herunterbitten · ↗herüberbitten · ↗hinaufbitten · ↗hineinbitten · ↗hinunterbitten · ↗hinüberbitten · ↗losbitten · ↗verbitten
eWDG, 1967

Bedeutung

sich in höflicher, verbindlicher Form an jmdn. wenden, um ihn zu etw. zu veranlassen
siehe auch bitte
a)
jmdn. (um etw.) bitten
Beispiele:
jmdn. ängstlich, demütig, herzlich, inständig, stürmisch, auf den Knien bitten
jmdn. um Antwort, Auskunft, Erlaubnis bitten
jmdn. um Aufschub, Gnade, Verzeihung, Hilfe, Rat, Asyl, finanzielle Unterstützung bitten
veraltendum Almosen bitten
jmdn. um seinen Besuch, ein Interview bitten
den Direktor um Urlaub, Vorschuss, eine Unterredung, Vergünstigung bitten
ich bitte um Ihren Namen
der Redner bittet ums Wort, um Ruhe, um Gehör
einen Freund um einen Dienst bitten
um pünktliches Erscheinen wird gebeten
er bat sie um den ersten Tanz
darf ich bitten? (= Aufforderung zum Tanz)
alles Bitten war vergeblich
nachdem alle Machtmittel nicht mehr halfen, verlegte er sich aufs Bitten
gehobenjmdn. um die Hand seiner Tochter bitten
umgangssprachlichum gut(es) Wetter (= um gnädige, günstige Stimmung) bitten
gehobenIch bin ... zu sterben bereit / Und bitte nicht um mein Leben [SchillerBürgschaft]
drückt Entrüstung aus
Beispiele:
ich muss doch sehr bitten!
aber, ich bitte Sie!
eine bittende Gebärde
bittend die Hände ausstrecken
für jmdn. bittenfür jmdn. Fürbitte einlegen
Beispiele:
niemand war, der für uns bat [TraklGoldener Kelch72]
Sie kommen, um für unschuldige Bäume zu bitten [BindingUnsterblichkeit29]
b)
gehoben jmdn. zu etw. bittenjmdn. zu etw. einladen
Beispiele:
jmdn. zu Tisch, zum Abendbrot bitten
jmdn. zur Hochzeit bitten
[er habe] rasch noch eine enzyklopädische Seite heruntergeschrieben ... um sich dann ebenfalls hier zu Gaste zu bitten [Th. MannZauberb.2,558]
jmdn. auf etw. bitten
Beispiel:
jmdn. auf ein Glas Wein, ein einfaches Mittagsmahl bitten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bitten · bitte · verbitten · Bitte · Abbitte · Fürbitte · Bittschrift · Bittsteller
bitten Vb. ‘höflich auffordern’, ahd. bitten ‘(er)bitten, flehen, (an)beten’ (8. Jh.), mhd. bitten, auch ‘(vor Gericht) laden, wünschen, heißen, befehlen’, asächs. biddian, mnd. mnl. nl. bidden, afries. bidda, anord. biðja, schwed. bedja, got. bidjan (germ. *bedjan). Die Etymologie ist umstritten. Denkbar ist Verwandtschaft mit aind. bā́dhatē ‘drückt, drängt, zwingt’, für das unter Berufung auf aind. jñubā́dh- ‘die Knie beugend’ eine ältere Bedeutung ‘beugt (nieder)’ erschlossen wird. Dazu stellt man toch. B peti ‘Achtung, Verehrung’. Damit ergäbe sich für bitten Zugehörigkeit zu einer Wurzel ie. *bhedh- ‘krümmen, beugen, drücken, plagen’. Doch auch Zusammenhang mit ahd. mhd. beiten ‘vorwärtsdrängen, Zwang ausüben’, aengl. bǣdan ‘dringend bitten, drängen, zwingen’, anord. beiða ‘fordern, verlangen’, got. baidjan ‘antreiben, zwingen’ ist möglich. Dann wäre mit aslaw. běditi ‘nötigen, zwingen’, russ. (älter) bedít’ (бедить) ‘Leid antun’, russ. pobedít’ (победить) ‘(be)siegen’, griech. pé͞ithein (πείθειν) ‘überreden, überzeugen’, medial ‘(ver)trauen, sich überreden lassen’ an die Wurzel ie. *bheidh- ‘zureden, zwingen’, medial ‘sich einreden lassen, vertrauen’ anzuknüpfen. Die germ. Grundform von bitten gehört in diesem Fall zur Schwundstufe der Wurzel und wäre sekundär in die Ablautreihe anderer starker j-Präsentien (wie sitzen, liegen) übergetreten. Auf Grund der These, daß anlautendes ie. gṵh- zu b- geworden sei, tritt Seebold 93 für eine dritte Möglichkeit ein und geht von einer Kontamination der Wurzeln ie. *bheidh- (s. oben) und ie. *gṵhedh- ‘bitten, verlangen’ aus, wozu griech. pothé͞in (ποθεῖν, aus *gṵhodh-) ‘ersehnen’, air. guidid ‘bittet’, lit. gedáuti ‘wünschen, begehren, heischen’, aslaw. žędati ‘dürsten, verlangen, ersehnen’, russ. (älter) žadát’ (жадать) ‘begehren, dürsten, lechzen’, russ. žádnyj (жадный) ‘gierig, unersättlich, habsüchtig, geizig’. S. auch ↗Gebet, ↗betteln. Die adverbial gebrauchte Höflichkeitsformel bitte ist eine im 18. Jh. aufkommende (in gesprochener Sprache wohl ältere) Verkürzung aus ich bitte. verbitten Vb. ‘mit Nachdruck verlangen, daß etw. unterbleibt, entschieden zurückweisen’, besonders sich etw. verbitten (18. Jh.), zuvor ‘etw. erbitten, für jmdn. eintreten’ (16. Jh.). Bitte f. ‘inständig oder höflich vorgetragener Wunsch’, Neubildung des 15. Jhs. zum Verb, ahd. beta ‘Bitte, Gebet’ (9. Jh.), mhd. bet(e), auch ‘Gebot, Abgabe’ (wozu asächs. beda, mnd. bēde, mnl. bede, aengl. bedu, got. bida) ablösend. Abbitte f. ‘Bitte um Verzeihung’, vgl. Abbitte tun, leisten (16. Jh.). Fürbitte f. ‘Bitte (besonders im Gebet) für einen anderen’ (16. Jh.). Bittschrift f. (16. Jh.), für gleichbed. lat. supplicātio. Bittsteller m. ‘wer (an höherer Stelle) eine Bitte um Hilfe vorträgt’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anhalten · ↗auffordern · bitten · ↗einladen
Synonymgruppe
(sich) an jemanden wenden (um, wegen) · bitten · jemanden angehen (um)
Synonymgruppe
(jemanden) ersuchen (zu) · ↗(um etwas) ansuchen · ↗betteln (um) · ↗erbetteln · ↗erfragen · ↗fordern · ↗fragen (nach)  ●  bitten (um)  Hauptform · ↗heischen  veraltet · ↗(jemanden um / wegen etwas) anhauen  ugs., salopp · ↗(um etwas) angehen  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Asyl Auskunft Autogramm Brief Entschuldigung Erlaubnis Geduld Gespräch Herr Hilfe Hinweis Kasse Mithilfe Nachsicht Polizei Spende Stellungnahme Unterstützung Vergebung Verständnis Verzeihung anrufen darum deshalb dringend du er ich sie wir

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bitten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir hatten ihn gebeten, in die Kamera zu lächeln und beschäftigt zu wirken.
konkret, 1987
Wir sind auf dem Wege einer friedensstiftenden Politik und wir bitten die Sowjets, ebenfalls diesen Weg zu beschreiten.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1968]
Ich bat den Ökonomierat, sich doch sofort in Bonn telephonisch zu erkundigen.
Friedländer, Hugo: Der König der Spieler Rudolf Stallmann und Genossen auf der Anklagebank. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 3812
In diesem bat er, ihm 40 Mark zuzuwenden, damit er seine Flucht bewerkstelligen könne.
Friedländer, Hugo: Das Dynamit-Attentat bei der Enthüllungsfeier des Niederwald-Denkmals. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 6319
Ich dachte wohl daran, aber die Mädchen baten mich doch so sehr.
Friedländer, Hugo: Ein blutiges Drama. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1910], S. 929
Zitationshilfe
„bitten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bitten>, abgerufen am 17.11.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
bitte
Bittbrief
Bittag
Bitt-Tag
Bitrate
bitter
Bitter Lemon
bitter-
bitterarm
bitterböse