bittere Pille

Grammatik Mehrwortausdruck · Komparativ selten; Superlativ selten
Bestandteile bitterPille
Rechtschreibregeln § 63 (1.2)
ZDL-Vollartikel, 2020

Bedeutung

etw. (z. B. ein Geschehen, eine Maßnahme, Nachricht), das von den Betroffenen als besonders unangenehm oder nachteilig empfunden wird, sich aber nicht abwenden lässt; unvermeidbarer negativer Begleitumstand
Kollokationen:
als Prädikativ: eine, die bittere Pille sein
Beispiele:
Ein Delegierter aus Sachsen begann seinen Beitrag mit der Erklärung, er akzeptiere nicht, dass die Kanzlerin keinen Minister aus den neuen Ländern nominiert habe. Er nannte dies die »bitterste Pille« – endete aber mit der Mitteilung, dennoch zuzustimmen. [Süddeutsche Zeitung, 27.02.2018]
Ein Rentenplus ist zu 100 Prozent steuerpflichtig. »Die bittere Pille ist, dass zahlreiche Rentner nach einer Erhöhung erstmals Steuern zahlen müssen«, gibt Bernd W[…] zu bedenken, geschäftsführender Vorstand der Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer in Gladbeck. [Die Welt, 30.04.2018]
Die bitterste Pille für den Kongress ist, dass zahlreiche einflussreiche Parteibonzen und Minister nicht wiedergewählt wurden. [Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2014]
vergleichend Diese Nachricht ist wie eine bittere Pille: Jedes Jahr schluckt jeder Deutsche im Durchschnitt 1.250 Tabletten. Aber fast jeder zweite nimmt seine Medikamente falsch ein. [Bild am Sonntag, 14.11.2010, Nr. 46]
Am Dienstag will die Regierung die bittere Pille »Gesundheitsreform« nach monatelangem Streit endgültig beschließen. [Bild am Sonntag, 04.07.2010, Nr. 27]
im Bild
α)
Phrasem:
eine, die bittere Pille schlucken (müssen) (= sich (schließlich) mit etw. besonders Unangenehmem, Nachteiligem abfinden (müssen), einen negativen Begleitumstand (schließlich) akzeptieren (müssen))
Beispiele:
Deutschland ist ein Exportland und profitiert besonders von einem stabilen Euro. Auch deshalb greift unser Land noch einmal tief in die Tasche und gibt Garantien, um eine Pleite angeschlagener Länder zu verhindern. Länder, die jetzt schnelle Hilfe brauchen, müssen die bittere Pille schlucken und Reformen akzeptieren. [Bild am Sonntag, 27.03.2011, Nr. 13]
In der spanischen Bevölkerung blickt man nicht ganz ohne Bewunderung auf die französische Streikbewegung. Grund zum Protest, finden viele Spanier, gäbe es hier aber allemal mehr als bei den französischen Nachbarn. Schliesslich hatte man im Zuge einer schweren Wirtschaftskrise jüngst noch weitaus bitterere Pillen zu schlucken[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2010]
Die 2.400 Beschäftigten haben die längere Öffnungs‑ und damit Arbeitszeit am Sonnabend offenbar als bittere Pille geschluckt. [Der Tagesspiegel, 17.08.2003]
Kölner Musikfans müssen offenbar eine bittere Pille schlucken. Weil die Branchenriesen Universal und Sony jetzt in Berlin residieren, zieht auch die [Musikmesse] Popkomm in die Hauptstadt um. [Spiegel, 16.07.2003 (online)]
β)
Phrasem:
jmdm. die, eine bittere Pille versüßen (= eine für die Betroffenen unangenehme, nachteilige Regelung, Maßnahme o. Ä. durch Ausgleich oder Abmilderung annehmbarer, erträglicher machen)
Beispiele:
[…] Rund 70 Prozent der Schüler, die an […] Kursen [um in einer Nachprüfung die Versetzung zu erreichen] teilnehmen, bestehen im Anschluss die Nachprüfung. Klappt es trotz der intensiven Vorbereitung nicht, versüßt der Studienkreis den Teilnehmern die bittere Pille. Sie bekommen die Hälfte der Kursgebühr zurück. [Der Tagesspiegel, 06.07.2004]
Die bittere Pille der erhöhten Eintrittspreise in Zeiten knapper öffentlicher Kassen wird den Ausstellungsgängern versüßt. Die Karte berechtigt am gleichen Tag zum kostenlosen Besuch aller weiteren Häuser der Staatlichen Museen. [Der Tagesspiegel, 05.01.1998]
Um den Spaniern die bittere Pille der rascheren Liberalisierung im Industriebereich zu versüßen, hat die Kommission dem Ministerrat vorgeschlagen, weitere Zugeständnisse im Agrarsektor zu gewähren. [Die Zeit, 23.11.1973, Nr. 48]
γ)
Phrasem:
jmdm. die, eine bittere Pille verabreichen, zu schlucken geben (= eine für die Betroffenen unangenehme Entscheidung, Regelung, Maßnahme o. Ä. (rücksichtslos) durchsetzen)
Beispiele:
[…] [Günter] Grass gab der literarischen Welt eine weitere bittere Pille zu schlucken, nämlich die Mitteilung, dass es wohl keinen neuen Roman mehr von ihm geben werde. [Süddeutsche Zeitung, 14.01.2014]
Aufgabe der Politik wird es, statt Schmerzmitteln bittere Pillen zu verabreichen. [Süddeutsche Zeitung, 27.07.2012]
Der neue französische Premier Balladur verabreichte den Franzosen denn auch ohne Umschweife eine Menge Steuererhöhungen und andere bittere Pillen, die sie während ihres Urlaubs zu verdauen haben. [Berliner Zeitung, 14.07.1993]
Zitationshilfe
„bittere Pille“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bittere%20Pille>, abgerufen am 15.07.2020.

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