blättern

GrammatikVerb · blättert, blätterte, hat/ist geblättert
Aussprache
Worttrennungblät-tern
Wortbildung mit ›blättern‹ als Letztglied: ↗abblättern · ↗anblättern · ↗aufblättern · ↗auseinanderblättern · ↗durchblättern · ↗herumblättern · ↗hinblättern · ↗nachblättern · ↗umblättern · ↗weiterblättern · ↗zurückblättern · ↗überblättern
 ·  mit ›blättern‹ als Grundform: ↗entblättern · ↗verblättern
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
bedruckte, beschriebene Blätter flüchtig ansehen und umwenden
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
im Buch, Heft, Manuskript blättern
in Akten, Notizen, Noten, Zeitungen blättern
bildlich
Beispiele:
im Buch der Vergangenheit blättern
Geldscheine auf den Tisch blättern (= zählen)
während sie auf einer niedrigen Mauer saßen ... blätterten ihre Gedanken und Gespräche in Erinnerungen [A. ZweigBeil626]
2.
abbröckeln
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
die Farbe, der Kalk blättert von den Wänden
Schiefer, Teig blättert (= teilt sich in dünne Schichten)
3.
landschaftlich, Landwirtschaft
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
Tabak, Rüben blättern (= einzelne Blätter entfernen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Blatt · Blattschuß · blättern · abblättern · Blätterteig
Blatt n. ‘flächenförmig ausgebildetes, meist grün gefärbtes Organ höherer Pflanzen, Stück Papier’, ahd. (8. Jh.), mhd. blat, asächs. blad, mnd. mnl. blat, nl. blad, aengl. blæd, anord. blað (germ. *blada-) wird auf die Schwundstufe der unter ↗blühen (s. d.) behandelten Wurzelerweiterung ie. *bhlē-, *bhlō- ‘Blume, Blüte, Blatt, blühen, üppig sprießen’ zurückgeführt, während die verwandten Bezeichnungen griech. phýllon (φύλλον), lat. folium ‘Blatt’ zu der nicht erweiterten Wurzel ie. *bhel- (s. ↗blühen) gebildet sind. Schon in ahd. Zeit wird mit Blatt auch das ‘Papier-, Pergamentblatt’ und die ‘einzelne Seite eines Buches’ benannt. Als Bezeichnung für ‘Zeitung’ wird Blatt Anfang des 19. Jhs. allgemein üblich; früher begegnet es in der Zusammensetzung Intelligenzblatt (Mitte 18. Jh.), einer Übersetzung von engl. intelligencer ‘Nachrichtenüberbringer, Kundschafter’ (im Engl. seit 1641 als Zeitungsname). Das Wort wird auf viele einem Blatt vergleichbare, dünne, flache Gegenstände übertragen, wie Säge-, Ruder- oder Tischblatt (älter für Tischplatte); in der Jägersprache heißt Blatt die ‘Klinge vom Weidmesser, Hirschfänger’ und der ‘vordere Rumpfteil mit Schulterblatt beim Schalenwild’; dazu Blattschuß m. ‘Schuß auf das Blatt (den Bug) des Wildes’ (19. Jh.). Oft in Wendungen, deren Ursprung nicht immer deutbar ist: kein Blatt vor den Mund nehmen ‘ohne Scheu sprechen, geradeheraus reden’, vgl. schon mhd. dehein blat legen vür mīnen munt; das Blatt hat sich gewendet ‘die Lage hat sich völlig geändert’ (16. Jh.) könnte vom Umwenden der Blätter eines Buches, eines Kartenblatts beim Wahrsagen, vom Drehen der Blätter einer Pappel um den Johannistag oder von bestimmten abergläubischen Bräuchen mit Laubblättern herrühren. blättern Vb. ‘bedruckte, beschriebene Blätter flüchtig ansehen und umwenden, abbröckeln, in dünnen Schichten auseinandergehen’, mhd. bleteren ‘Blatt für Blatt umwenden’. abblättern Vb. ‘sich in dünnen Blättchen ablösen, Blätter verlieren, entfernen’ (17. Jh.). Blätterteig m. ‘Teig aus mehreren Schichten’ (Anfang 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
blättern · ↗schmökern
Computer
Synonymgruppe
Bildschirminhalt verschieben · blättern · ↗rollen · ↗scrollen  ●  (weiter) nach ... gehen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akte Aktenordner Bildband Bilderbuch Familienalbum Farbe Fotoalbum Heft Illustrierte Katalog Kataloge Lack Mappe Ordner Prospekt Putz Tisch Unterlage abblättern aufblättern blättern darin durchblättern gelangweilt herumblättern hinblättern nachblättern umblättern weiterblättern zurückblättern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›blättern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wo kann man sonst täglich von acht bis 23.30 Uhr ungestört blättern?
Süddeutsche Zeitung, 15.11.2002
Verlegen blättert er in der deutschen Ausgabe, die viel kleiner ist als das schwedische Original.
Der Tagesspiegel, 13.08.2000
Ich habe oft darinnen geblättert, weil ich wußte, daß die Bilder von Euch sind, Meister This!
Weismantel, Leo: Die höllische Trinität, Berlin: Union-Verl.1966 [1943], S. 270
Sie blätterte in dem dicken Band, konnte aber nichts mehr erkennen.
Janitschek, Maria: Die neue Eva. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 10400
Ein Mädchen mit kurzen roten Haaren setzt sich auf ihre Bank, blättert in ihrem Buch.
Dückers, Tanja: Spielzone, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2002 [1999], S. 49
Zitationshilfe
„blättern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/blättern>, abgerufen am 08.12.2019.

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