blasen

GrammatikVerb · bläst, blies, hat geblasen
Aussprache
Worttrennungbla-sen
Wortbildung mit ›blasen‹ als Erstglied: ↗Blasbalg · ↗Blasebalg · ↗Blaserei · ↗Blashorn · ↗Blasinstrument · ↗Blaskapelle · ↗Blasmusik · ↗Blasorchester · ↗Blasrohr · ↗Bläser
 ·  mit ›blasen‹ als Letztglied: ↗abblasen · ↗anblasen · ↗aufblasen · ↗ausblasen · ↗durchblasen · ↗einblasen · ↗fortblasen · ↗hineinblasen · ↗umblasen · ↗verblasen · ↗vorblasen · ↗wegblasen · ↗überblasen
 ·  mit ›blasen‹ als Grundform: ↗Geblase · ↗Gebläse
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
durch kräftiges Ausstoßen von Luft einen Luftstrom erzeugen
Beispiele:
jmdm. ins Gesicht blasen
zum Anfachen des Feuers in die Flamme blasen
zur Erwärmung in die Hände blasen
(etw.) durch ein Rohr blasen
beim Rauchen Ringe in die Luft blasen
Staub, Haare von der Kleidung blasen
Bliesen doch Fabrikschlote dichte Rauchschwaden in diesen Himmel [KischMarktplatz211]
[er] blies den Schnee aus dem Bart [WaggerlJahr277]
2.
mit dem Mund Luft in ein Instrument pressen und dadurch Töne darauf hervorbringen
Beispiele:
auf einem Instrument, ein Instrument blasen
(die) Trompete, (das) Horn blasen
auf der Flöte, Posaune blasen
mit vollen Backen in sein Instrument blasen
ein Solo blasen
das Signal, den Zapfenstreich blasen
während der Jagd das Halali blasen
Es blies ein Jäger wohl in sein Horn [Volkslied]
den Choral, welchen sie vom Turme bliesen [RaabeII 2,214]
historischdie Schloßwache blies Alarm [Wasserm.Junker Ernst158]
zu etw. blasenein Signal zu etw. geben
Beispiele:
zum Angriff, Abmarsch, Sammeln, Rückzug blasen
zur Attacke blasen
in der folgenden Nacht wurde zum Aufbruch geblasen
3.
fachsprachlich Glas blasenglühende Glasmasse durch einen Luftstrom formen
4.
heftig wehen
Beispiele:
der Wind bläst aus (dem) Osten
es blies eine frische Brise
kalt her bläst es aus dem Wetterloch [SchillerTellI 1]
5.
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
mit jmdm. in ein Horn blasen (= mit jmdm. einer Meinung sein)
saloppjmdm. was, eins blasen (= jmds. Wunsch ablehnen)
saloppjmdm. (gehörig) den Marsch blasen (= jmdm. unmißverständlich die Meinung sagen, jmdn. zurechtweisen)
saloppvon Tuten und Blasen keine Ahnung haben (= überhaupt keine Ahnung von etw. haben, nichts von einer Sache verstehen)
jmdm. etw. in die Ohren blasenjmdm. Geheimnisse erzählen
Beispiel:
Klatsch wird ihm in die Ohren geblasen [SteinbergTag367]
Trübsal blasentraurig sein
Beispiel:
sie hatte den ganzen Tag Trübsal geblasen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

blasen · abblasen · einblasen · Blase · Bläser
blasen Vb. ‘kräftig Luft ausstoßen, heftig wehen’, ahd. blāsan ‘blasen, wehen (vom Wind), atmen, schnauben’ (9. Jh.), mhd. mnd. mnl. blāsen, nl. blazen, anord. blāsa, schwed. blåsa, got. ufblēsan ‘sich aufblähen’ gehören wohl als germ. s-Bildungen (germ. *blēsan) zu ie. *bhlē- ‘aufblasen, aufschwellen’ und sind daher verwandt mit den unter ↗blähen und ↗Blatter (s. d.) behandelten Wörtern. abblasen Vb. ‘weg-, auspusten’, spätmhd. abeblāsen, ‘durch Horn-, Trompetensignal das Ende (einer Kampfhandlung, der Jagd) ankündigen’ (16. Jh.), heute allgemein ‘(geplante oder im Gange befindliche Aktionen) absagen, beenden’ (20. Jh.). einblasen Vb. ‘(Leben) einhauchen, eingeben’, ahd. īnblāsan (11. Jh.), mhd. īnblāsen ‘übermitteln, zuflüstern, vorsagen’ (16. Jh.). Blase f. ‘mit Luft oder Flüssigkeit gefüllter Hohlraum’, ahd. blāsa ‘Blase, Harnblase, Hautblase’ (10./11. Jh.), asächs. blāsa, mhd. mnd. blāse, mnl. blase. Der scherzhaft gebrauchte Ausdruck Blase für ‘Gesellschaft, Bande’ stammt aus der Studentensprache der 50er Jahre des 19. Jhs. und war Scheltwort für eine nicht farbentragende, lose studentische Verbindung. Bläser m. ‘wer ein Blasinstrument spielt’, ahd. (in Zusammensetzungen) -blāsāri, mhd. blāsære, blāser.

Thesaurus

Synonymgruppe
blasen · ↗pusten
Assoziationen
Synonymgruppe
oral befriedigen  ●  blasen  vulg. · es (jemandem) mit dem Mund besorgen  vulg. · ↗lecken  vulg. · schwanzlutschen  vulg.
Synonymgruppe
blasen (kräftiger Wind) · ↗fahren · ↗jagen · ↗pfeifen · ↗treiben  ●  (irgendwohin/irgendwoher) wehen (starker Wind)  Hauptform · ↗fegen  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Attack Aufholjagd Fanfare Flöte Gegenwind Gesicht Halali Horn Jagd Luft Marsch Posaune Rauch Rückzug Saxophon Sturm Trillerpfeife Trompete Trompeter Trübsal Wind abblasen anblasen aufblasen ausblasen einblasen entgegen entgegenblasen hineinblasen wegblasen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›blasen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zurzeit bläst uns der Wind nur so um die Ohren.
Bild, 18.06.2003
Jetzt bläst der Wind vom Meer aus quer durch den Raum.
Der Tagesspiegel, 30.11.1996
Wenn du dich sehr verspannt fühlst, blase etwas kräftiger oder seufze bei jedem Ausatmen.
Wilberg, Gerlinde M.: Zeit für uns, München: Frauenbuchverl. 1979, S. 40
Auf diesen Schlitten erscheinen Personen, zuweilen mit erhobenen Armen, manchmal mit Beilen in den Händen, manchmal Hörner blasend.
Pittioni, Richard: Der urgeschichtliche Horizont der historischen Zeit. In: Mann, Golo u. a. (Hgg.) Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 877
Noch war ich nicht eingeschlafen, da bekam ich Order, Alarm blasen zu lassen.
Liliencron, Adda Freifrau von: Krieg und Frieden, Erinnerungen aus dem Leben einer Offiziersfrau. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 45222
Zitationshilfe
„blasen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/blasen>, abgerufen am 21.11.2019.

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