bleiben
GrammatikVerb · blieb, ist geblieben
Aussprache
Worttrennungblei-ben
Wortbildung mit ›bleiben‹ als Erstglied: ↗bleibenlassen  ·  mit ›bleiben‹ als Letztglied: ↗abbleiben · ↗aufbleiben · ↗ausbleiben · ↗beibleiben · ↗beisammenbleiben · ↗bestehenbleiben · ↗dabeibleiben · ↗dableiben · ↗davonbleiben · ↗dranbleiben · ↗drinbleiben · ↗fernbleiben · ↗festbleiben · ↗fortbleiben · ↗freibleiben · ↗haftenbleiben · ↗hierbleiben · ↗hintanbleiben · ↗hinterbleiben · ↗hängenbleiben · ↗kaltbleiben · ↗klebenbleiben · ↗liegenbleiben · ↗nachbleiben · ↗offenbleiben · ↗sitzenbleiben · ↗steckenbleiben · ↗stehenbleiben · ↗untenbleiben · ↗unterbleiben · ↗wegbleiben · ↗wohnenbleiben · ↗zubleiben · ↗zurückbleiben · ↗zusammenbleiben · ↗überbleiben · ↗übrigbleiben
 ·  Ableitung von ›bleiben‹: ↗verbleiben  ·  mit ›bleiben‹ als Grundform: ↗bleibend  ·  formal verwandt mit: ↗Hinterbliebene · ↗Rückbleibsel · ↗Überbleibsel
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
in einer Handlung fortfahren, einen Zustand nicht ändern
a)
einen Ort nicht verlassen
Beispiele:
in der Stadt, im Zimmer bleiben
bei jmdm. (ein paar Tage, über Nacht) bleiben
er blieb noch eine Weile bei uns
nicht (mehr länger) bleiben können
zu Hause, zum Abendbrot bleiben
im Bett bleiben
das Geld, der Besitz blieb in der Familie
bleiben Sie bitte am Apparat!
das Stück bleibt auf dem Spielplan
auf dem Weg bleiben
etw. bleibt im Dunkeln (= unaufgeklärt)
diese Worte blieben mir im Gedächtnis (= ich habe diese Worte nicht vergessen)
bildlich
Beispiele:
auf seinem Posten bleiben
jmd., etw. muss im Rahmen, in seinen Grenzen bleiben (= jmd., etw. darf nicht über das Ziel hinausgehen)
kein Stein ist auf dem anderen geblieben (= alles wurde zerstört)
er sieht, wo er bleibt (= er sieht, wie er am besten Vorteile gewinnen kann) umgangssprachlich
auf der Strecke bleiben (= nicht weiter können) umgangssprachlich
bleib, wo der Pfeffer wächst! (= komm mir nicht zu nahe!) salopp
bis in die Puppen (= sehr lange) bleiben salopp
bleibe im Lande und nähre dich redlich sprichwörtlich
Schuster, bleib bei deinem Leisten! (= strebe nicht aus deinem Lebenskreis!) sprichwörtlich
Hier ist unsers Bleibens / Nicht mehr [SchillerBraut v. MessinaIV 5] gehoben
im Windschatten bleiben Sport den vom Wind nicht getroffenen Raum einnehmen
Beispiel:
der Fahrer, Läufer blieb im Windschatten seines Vordermannes
verhüllend umkommen
Beispiele:
er ist im Krieg geblieben
im Kampf bleiben
Ihr Vater war auf See geblieben [LeipBergung10]
b)
einen bestimmten Zustand beibehalten
Beispiele:
frei, standhaft, konsequent, gut, anständig, sachlich, schweigsam, kalt, ungerührt, wachsam bleiben
unerwähnt, ungenannt bleiben
ledig, (jmdm.) treu bleiben
lebendig, gesund, neutral bleiben
allein bleiben
ungestraft, unversehrt bleiben
jmd., etw. bleibt unbekannt
etw. ist unklar geblieben
das bleibt sich gleich
es bleibt alles, wie es war
dabei bleibt es!
ich bleibe dabei! (= ich gehe nicht davon ab!)
bestehen, erhalten bleiben
hängen, kleben, sitzen, stehen, liegen, stecken bleiben
ungeschlagen (= unbesiegt) bleiben Sport
die Zigarre blieb brennen
jmd., etw. bleibt verborgen, verschwunden, unvergesslich
das Fenster, die Tür bleibt geöffnet
das Amt, die Gaststätte, dieser Eingang bleibt heute geschlossen
eine Sache bleibt unerledigt
der Brief blieb unbeantwortet
der Schein bleibt gewahrt
etw. bleibt abzuwarten
das muss ein Wunsch bleiben
jmdm. etw. schuldig bleiben
etw. bleibt mein Eigen
von etw. verschont bleiben
die Auseinandersetzung blieb mir erspart
wir bleiben Freunde, die alten
er blieb Herr der Situation
guten Muts bleiben
es wird ein Rätsel bleiben
eine Frage bleibt offen
mir blieb keine andere Wahl
es bleibt zu hoffen, dass ...
was Recht ist, muss Recht bleiben sprichwörtlich
er kann mir gestohlen bleiben (= ich will nichts von ihm wissen) salopp
da blieb kein Auge trocken (= alle waren gerührt) salopp
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind [GoetheErlkönig]
ich werde / Ein Landsverräter ihnen sein und bleiben [SchillerWallenst. TodI 3]
mit Präposition
in Verbindung mit »am«, »an«
Beispiele:
am Leben bleiben
am Ball bleiben (= den Ball beim Spiel nicht verlieren) Sport
an der Macht bleiben
in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
jmdm. auf den Fersen, auf der Spur bleiben (= jmdn. verfolgen)
auf dem laufenden bleiben
in Verbindung mit »aus«
Beispiel:
das muss aus dem Spiel bleiben (= das darf nicht hineingezogen werden)
in Verbindung mit »außer«
Beispiel:
etw. bleibt außer Acht, außer Betracht
in Verbindung mit »bei«
Beispiele:
bei einer Ansicht, Aussage, Behauptung, der Wahrheit bleiben
bei diesem Wein können wir bleiben (= diesen Wein wollen wir weitertrinken) scherzhaft
bei der Arbeit bleiben
bei der Sache bleiben (= sich von etw. nicht ablenken lassen)
bei guter Laune bleiben
es bleibt alles beim Alten
in Verbindung mit »in«, »im«
Beispiele:
im Amt bleiben
im Gleichklang bleiben
im Rückstand bleiben
in Gang, Bewegung, Ruhe bleiben
das Schiff blieb in Fahrt
die Bestimmung blieb in Kraft
in Kontakt, Verbindung bleiben
in (der) Mode, Übung bleiben
in Gefangenschaft bleiben
Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, / Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt [SchillerTellIV 3]
in Verbindung mit »ohne«
Beispiele:
etw. bleibt ohne Folgen, Wirkung (auf jmdn.)
bleiben Sie ohne Sorge!
in Verbindung mit »unter«
Beispiel:
was ich dir gesagt habe, bleibt unter uns (= was ich dir gesagt habe, erfährt niemand)
bleibend
oft im Part. Präs.
dauernd, immerwährend
Beispiele:
ein bleibender Erfolg, Gewinn, Eindruck
das ist von bleibendem Wert
eine bleibende Erinnerung
jmdm. ein bleibendes Andenken bewahren
er hat sich mit dieser Tat ein bleibendes Denkmal gesetzt
Verhaßt sei mir das Bleibende [GoetheNatürl. TochterIII 2]
2.
übrig sein
Beispiele:
es blieb eine (letzte), keine Hoffnung
jmdm. bleibt (noch) Zeit, ein kleiner Rest
eine Stunde bleibt uns noch
da sie zu spät kamen, blieben für sie nur die hinteren Bänke
kein Kind ist ihr geblieben (= alle Kinder sind gestorben) verhüllend
es blieb keine andere Wahl
viel Geld bleibt uns nicht
ihr blieb kein Trost
Dieser Tabak war das einzige, das uns noch blieb [BrechtGuter Mensch1]
mir bleibt die Verzweiflung der Verdammten [SchillerStuartV 10]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bleiben · verbleiben · Verbleib · unterbleiben · übrigbleiben · Überbleibsel · bleibenlassen · Hinterbliebene(r) · Bleibe
bleiben Vb. ‘einen Ort nicht verlassen, einen bestimmten Zustand beibehalten, übrig sein’, ahd. bilīban ‘(weg-, unter)bleiben’ (8. Jh.), mhd. belīben, blīben, mnd. mnl. blīven, nl. blijven, aengl. belīfan sind Präfixbildungen zu einem untergegangenen Simplex germ. *līҍan, zu dem auch die Kausativa ahd. leiben ‘hinterlassen, übriglassen’, aengl. lǣfan, anord. leifa gehören. Die germ. Formen verbinden sich mit aind. limpáti ‘schmiert, klebt (an)’, griech. lípos (λίπος) ‘Fett’, lit. lìpti ‘kleben (bleiben), klebrig sein’, aslaw. prilьpěti ‘anhaften’ und führen auf ie. *leip- ‘mit Fett beschmieren, kleben’, eine Erweiterung der Wurzel ie. *lei- ‘schleimig, schmieren’ (s. ↗Leim), so daß für bleiben von ‘klebenbleiben, haften’ auszugehen ist (dazu s. auch ↗leben). Möglich ist für germ. Formen mit der Bedeutung ‘übrigbleiben, -lassen’ aber auch ursprüngliche Zugehörigkeit zur Wurzel ie. *leiku̯- (s. ↗elf und ↗leihen). verbleiben Vb. ‘an einem Aufenthaltsort oder in einem Zustand bleiben’, ferner ‘übereinkommen’, mhd. verblīben, verlīben ‘bleiben, ausbleiben’; dazu Verbleib m. ‘das Verweilen, Aufenthaltsort’ (aus der Kanzleisprache des 18. Jhs.). unterbleiben Vb. ‘nicht geschehen, nicht stattfinden’, seit frühnhd. Zeit belegt, doch vgl. spätmhd. underblībunge. übrigbleiben Vb. ‘als Rest zurückbleiben’ (15. Jh.), älter (heute umgangssprachlich, vornehmlich nordd.) überbleiben, mhd. überbelīben, mnd. ōverblīven, nl. overblijven; vgl. ahd. urbarlīban ‘übrigbleiben’ (9. Jh.); dazu Überbleibsel n. ‘kleiner Rest’ (17. Jh.); vgl. nl. overblijfsel. bleibenlassen Vb. ‘unterlassen, nicht mehr tun’, mhd. in der Fügung belīben lāʒen. Hinterbliebene(r) m. f. ‘Angehörige(r) eines Verstorbenen, Leidtragende(r)’ (18. Jh.), substantiviertes Part. Prät. zu dem heute untergegangenen Verb hinterbleiben ‘zurückbleiben’ gegenüber einem Scheidenden, Weggehenden. Bleibe f. ‘Aufenthaltsort, Unterkunft, Herberge’ (19. Jh.), bes. durch die Jugendbewegung verbreitet; älter, heute aber aufgegeben, sind gleichbed. Bleibeort m. und Bleibestätte f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) aufhalten · Zeit verbringen · ↗herumstehen · ↗verweilen  ●  Wurzeln schlagen  ugs., ironisch, fig. · ↗weilen  geh.
Unterbegriffe
  • (sich) nicht vom Fleck rühren · (sich) nicht von der Stelle bewegen · (sich) nicht wegbewegen · da bleiben, wo man ist
Assoziationen
  • (etwas) sein Zuhause nennen · (irgendwo) zu Hause sein · (sein) Zuhause haben · jemandes Zuhause sein · ↗leben  ●  ↗hausen  abwertend · ↗wohnen  Hauptform · ↗residieren  geh.
Antonyme
Synonymgruppe
ausruhen · ↗ruhen
Synonymgruppe
Synonymgruppe
(sich) behaupten · (sich) gewachsen zeigen · ↗(sich) halten · ↗durchhalten · erhalten bleiben · ↗fortbestehen · ↗fortdauern · ↗fortleben · gewachsen sein · seinen Mann stehen · ↗standhalten · weiter bestehen · ↗weiterbestehen · ↗überdauern · ↗überleben  ●  dicke Bretter bohren  ugs., fig.
Assoziationen
  • (sich) halten (an) · bleiben bei · festhalten an · nicht abgehen von · nicht aufgeben  ●  (sich) leiten lassen von  geh.
  • (eine) schwere Aufgabe  ●  hartes Brot  fig.
  • (sich) behaupten · nicht klein beigeben  ●  (sich) nicht die Butter vom Brot nehmen lassen  fig. · (sich) nicht unterbuttern lassen  fig. · (sich) nicht alles gefallen lassen  ugs.
Synonymgruppe
Synonymgruppe
(hartnäckig) bleiben (bei)  ●  seinen Stiefel durchziehen  ugs. · seinen Streifen durchziehen  ugs.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amt Frage Hause Strecke Zeit aber auch ausblieb bis da dabei dann dennoch doch er es ich lange länger nicht noch nur sie so treu unverändert weiter wir zurückbleibt übrig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bleiben‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und da die Wege hier weit sind, bleiben sie auch über Nacht.
Die Zeit, 30.03.2000, Nr. 14
Aber auch für alle anderen Länder ist die Geschichte seit 1989 nicht stehen geblieben.
Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]
Von ihren sechs Kindern waren fünf am Leben geblieben, alle zur Zeit ihres Todes noch minderjährig, also zur Übernahme der Güter noch nicht bereit.
Günter de Bruyn, Die Finckensteins: Berlin: Siedler 1999, S. 45
Solange er drinnen ist, bleibt er unberührt von der Wut des Winters.
Baus, Karl: Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1973], S. 28921
Es blieb ihm jedoch nicht die Zeit, sich zu bewähren.
o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 1872
Zitationshilfe
„bleiben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bleiben>, abgerufen am 21.11.2017.

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