Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Bedeutungsübersicht+

  1. [gehoben] seine Augen bewusst auf ein Ziel richten
    1. [bildlich] ...
    2. [übertragen] ...
eWDG

Bedeutung

gehoben seine Augen bewusst auf ein Ziel richten
Beispiele:
auf, nach, zu jmdm., etw. blicken, aus, durch, in etw. blicken
sie blickte auf das Kind, auf den Tisch, nach mir, nach unten, zu ihm, zu Boden
sie blickte aus dem Fenster, durch die Gardinen, ins Zimmer, in die Zeitung
blickt um euch!
er blickte finster, wütend, kühl, starr, ärgerlich, trübe, keck, forschend, erstaunt, wohlwollend, freundlich, ergeben, heiter (auf sie, zu ihr hin)
er blickte abwesend (vor sich hin)
seine Augen blickten belustigt, unsicher, ratlos, pfiffig, grimmig, eisig
und die Mutter blickte stumm / auf dem ganzen Tisch herum [ H. Hoffm.Struwwelpeter18]
bildlich
Beispiele:
die Sonne blickt wieder durch die Wolken, ins Zimmer
der Himmel blickt drohend
das Haus blickt durch die Bäume
die nach der Straße blickenden Fenster
die Freude blickte aus seinen Augen, blickt ihm aus den Augen
übertragen
Beispiele:
er blickt hinter die Kulissen (= durchschaut die Vorgänge)
jmdn. in sein Herz blicken lassen (= sich ihm anvertrauen)
das lässt tief blicken (= ist sehr aufschlussreich)
Er blickte … weder nach rechts noch nach links (= verfolgte unbeirrbar seinen Weg) [ BrechtDreigroschenroman354]
umgangssprachlich sich blicken lassen
Beispiele:
wo er sich blicken lässt, wird er angesprochen
sie lässt sich überhaupt nicht mehr bei uns blicken (= kommt nicht mehr zu uns zu Besuch)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Blick1 · blicken · Augenblick
Blick1 m. ‘das Richten der Augen auf etw., Ausdruck der Augen’, ahd. blic, Genitiv blicches (9./10. Jh.), mhd. blic, mnd. blick, mnl. blic, nl. blik und das Verb blicken ‘sehen, schauen’, ahd. blicken (10. Jh.), biblicken (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. blicken, nl. blikken sind verwandt mit bleich (s. d.) und auf die dort genannte Wurzel und Wurzelerweiterung zurückzuführen. Die alte Bedeutung von germ. *blikk- ‘Strahl, schnelles Glanzlicht, Blitz’ bzw. ‘glänzen, strahlen, sichtbar werden’ geht auf das plötzliche Aufleuchten, das Strahlen des Auges über und zeigt schon im Ahd. den Beginn der Weiterentwicklung zu ‘Hinschauen, Ansehen’ bei Substantiv und Verb. Augenblick m. mhd. ougenblic ist ‘der Augenstrahl, das Aufleuchten der Augen’ (so noch vereinzelt bis ins 17. Jh.), aber auch (ebenfalls schon mhd.) die kurze Zeitspanne eines schnellen Hinsehens.

Thesaurus

Synonymgruppe
angucken · anschauen · beobachten · besehen · betrachten · beäugen · blicken · gucken · mustern · schauen  ●  (jemanden / etwas) ansehen  Hauptform · glotzen  abwertend · kieken  berlinerisch · (sich etwas) reinziehen  derb · beaugapfeln  ugs. · lugen  ugs. · spannern  ugs.
Synonymgruppe
(jemandem) geht ein Licht auf · (sich einer Sache) bewusst werden · aufnehmen · begreifen · erfassen · fassen · klar sehen · verarbeiten  ●  verstehen  Hauptform · wie Schuppen von den Augen fallen  sprichwörtlich · (bei jemandem) fällt der Groschen  ugs., fig. · (etwas) blicken  ugs. · (jemandem) eingehen  geh. · (sich jemandem) erschließen  geh. · Klick machen  ugs. · checken  ugs. · dahintersteigen  ugs. · durchblicken  ugs. · durchschauen  ugs. · durchsehen  ugs. · durchsteigen  ugs. · hinter etwas steigen  ugs. · kapieren  ugs. · peilen  ugs. · raffen  ugs. · rallen  ugs., regional · schnallen  ugs. · spannen  ugs. · überreißen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) verstehen · schalten  ●  (Situation) mit einem Blick erfassen  variabel, Hauptform · (sofort) die richtigen Schlüsse ziehen  variabel · (etwas) blicken  ugs. · (etwas) checken  ugs.

Typische Verbindungen zu ›blicken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›blicken‹.

Verwendungsbeispiele für ›blicken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er wagt es noch immer nicht, mir in die Augen zu blicken. [Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 383]
Als ihm die Lider schwer wurden, blickte er auf die Uhr. [Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 66]
Wenn er aus dem Fenster seines Zimmers schaut, blickt er nach Polen. [Die Zeit, 17.02.2000, Nr. 8]
Ich blicke auf die Hände meiner beiden schlafenden Kinder, zarte Hände von wohlgenährten Kindern. [Die Zeit, 18.11.1999, Nr. 47]
Er blickte auf die leeren Bänke vor dem unbeleuchteten Altar. [Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 69]
Zitationshilfe
„blicken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/blicken>.

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