Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

blind

Grammatik Adjektiv · Komparativ: blinder · Superlativ: am blindesten
Aussprache 
eWDG

Bedeutungen

1.
ohne Sehvermögen
Beispiele:
blind sein
er war blind geboren, durch eine Krankheit, einen Unglücksfall blind geworden
starkes Sonnenlicht, Scheinwerferlicht macht anfangs blind
sein linkes Auge war blind
er war auf dem linken Auge blind
ihre Augen waren von Tränen blind
mein blinder Freund, Nachbar
einstmals hockten blinde Bettler vor den Kirchentüren
der Blinde tastete sich vorsichtig mit dem Stock an der Wand entlang, bewegte sich völlig sicher im bekannten Raum
man merkte es dem Blinden kaum an, dass er nicht sehen konnte
einen Blinden über die Straße führen
der Blinde wurde von einem Hund geführt
sprichwörtlichunter Blinden ist der Einäugige König (= eine schwache Leistung sieht unter noch schwächeren wie eine gute aus)
umgangssprachlich, sprichwörtlichdas sieht doch ein Blinder (= ist doch völlig klar)
umgangssprachlich, sprichwörtlichdu redest davon wie der Blinde von der Farbe (= redest zwar, verstehst aber nichts davon)
salopp, sprichwörtlichein blindes Huhn findet auch mal ein Korn (= auch dem Unfähigsten gelingt gelegentlich etwas)
bildlich
Beispiele:
er ist blind für ihre Reize, gegen ihre Fehler
er war blind für, gegen alle Warnungen, Gefahren (= wollte sie nicht wahrnehmen)
bist, stellst du dich blind? (= willst du nicht sehen?)
das Glück ist blind (= es verteilt seine Güter wahllos)
etw. dem blinden (= reinen) Zufall überlassen
2.
übertragen ohne Einsicht
a)
maßlos
Beispiele:
blinder Hass, Zorn, blinde Wut, Gier, Leidenschaft
ein blinder Trieb
er war von blinder Entschlossenheit erfüllt
in blinder (= kopfloser) Angst davonlaufen
sprichwörtlich blinder Eifer schadet nur
b)
kritiklos
Beispiele:
sich zum blinden Werkzeug machen lassen
seine blinden Anhänger stimmten ihm zu
er setzte blindesten Gehorsam voraus
jmdm. blind glauben, vertrauen, gehorchen, folgen, ergeben sein
jmdn. blind bewundern
einen Befehl blind ausführen
blind (= ohne Sachkenntnis) urteilen
die Liebe macht blind
er hatte sich blind verliebt
im Blinden tappen
sein blinder Glaube an die Partei [ Kellerm.Totentanz359]
Ein Mann meiner Art darf nicht ins Blinde (= Ungewisse) hinein heiraten [ BrechtDreigroschenroman203]
3.
angelaufen, trübe, undurchsichtig
Beispiele:
durch den Dampf sind die Fensterscheiben, ist das Brillenglas, der Spiegel blind geworden
die glänzende Politur war vom Alter blind
die kupferne Klinke wurde immer blinder
4.
vorgetäuscht
Beispiele:
ein blindes Fenster
ein blindes Knopfloch
eine blinde Tasche aufsetzen
unsichtbar
Beispiele:
eine blinde Naht
etw. blind annähen, ansetzen
ein blinder (= nicht zu Tage reichender) Schacht
ein blinder (= unbegründeter) Alarm, Lärm
ein blinder (= ungezielter) Schuss
eine Straße läuft blind aus (= endet in einer Sackgasse)
5.
Beispiel:
ein blinder Passagier (= ein Passagier, der sich heimlich, ohne Berechtigung eingeschlichen hat und mitfährt)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

blind · Blinddarm · blindlings · Blindschleiche
blind Adj. ‘ohne Sehvermögen, trübe’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. blint, asächs. nl. afries. aengl. engl. blind, anord. blindr, schwed. blind, got. blinds (germ. *blenda-) sowie faktitives blenden (s. d.) werden außergerm. mit aslaw. blęsti ‘irren, schwatzen’, blędь ‘Irrtum, Betrug’, lit. blandùs ‘unrein, trüb, düster, dunkel’, lett. blenzt ‘angaffen, glotzen’ auf ie. *bhlendh- ‘trübe sein oder machen, irren, schlecht sehen’ zurückgeführt, das vermutlich zur Wurzel ie. *bhel- ‘glänzen(d), weiß’ gehört. – Blinddarm m. ‘sackartiger Teil des Dickdarms’, häufig nur ‘Wurmfortsatz, Appendix’ (1. Hälfte 16. Jh.), Übersetzung von lat. intestīnum caecum, griech. typhlón énteron (τυφλὸν ἔντερον) ‘blinder, geschlossener Darm’. blindlings Adv. ‘unvorsichtig, unbedacht’ (17. Jh.); s. -lings. Vgl. ahd. blintilingon (9. Jh.), spätmhd. blindelingen, blindeslinge, mnd. blindelinge. Blindschleiche f. schlangenähnliche Eidechsenart, ahd. blint(o)slīhho, blint(o)slīh m. (9. Jh.), blintslīhha f. (Hs. 12. Jh.), alle als Glossierung von mlat. caecula, caeculus (zu lat. caecus ‘blind’; vgl. auch lat. caecilia für eine Eidechsenart), mhd. blintslīche m. f., asächs. blindslēko m., mnd. blintslīker. Eigentl. ‘blinde(r) Schleiche(r)’, zu schleichen (s. d.). Zugrunde liegt die irrtümliche, bereits in der Antike (Plinius u. a.) verbreitete Vorstellung von der Existenz blinder Schlangen. Der dt. Name hat den Fortbestand dieses Irrtums gefördert. Keinen Bezug zu blind und germ. *slīk- ‘schleichen’ zeigen aengl. slāw-wyrme, engl. slow-worm, schwed. ormslå. Die germ. -k-Formen dürfen daher als kontinentalgerm. Eigenart angesehen werden.

Thesaurus

Synonymgruppe
blind · erblindet · nicht sehend · ohne Augenlicht
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
blindlings · dem Herdentrieb folgend · gedankenlos  ●  blind  fig. · wie die Lemminge  ugs.
Assoziationen
  • (sich) selbst zugrunde richten · seinen eigenen Untergang herbeiführen  ●  (sich) sehenden Auges in den Abgrund stürzen fig. · Selbstmord begehen fig. · sein eigenes Grab schaufeln fig.
  • eingeübte Muster  ●  Trampelpfade (des Althergebrachten, bereits Bekannten o.ä.) fig. · eingefahrene Bahnen fig. · eingefahrene Gleise fig.
Synonymgruppe
aufs Geratewohl · beliebig · blind · blindlings · ins Blaue hinein · nach dem Motto "Nützt's nichts, schadet's nichts" · nach dem Motto "Wird schon gutgehen" · ohne (erkennbares) System  ●  auf gut Glück  Hauptform · auf Verdacht  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›blind‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›blind‹.

Verwendungsbeispiele für ›blind‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie kann fast blind dahinbrausen, und selbst die tollsten Stürme vermögen nicht, sie aus ihrer eisernen Bahn zu schleudern. [Rhein, Eduard: Du und die Elektrizität, Berlin: Ullstein 1956 [1940], S. 462]
Dann wird der »blinde« G. mit der Zeit dem G. aus Überzeugung weichen. [o. A.: Das Lexikon der Hausfrau, Berlin: Ullstein 1937 [1932], S. 109]
Aber auch Tradition ist, wenn sie bloße Tradition wird, blind. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 126]
Den kämpfenden Gruppen schweben partikuläre Ziele vor; von dem Ergebnis, das letzten Endes gemeint ist, haben sie kein Bewußtsein, sie kämpfen blind. [Steinbach, E.: Emanzipation. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 7624]
Wir sind doch nicht blind; wir merken, wie die großen Unternehmen versuchen, uns zu umdribbeln. [Der Spiegel, 06.04.1992]
Zitationshilfe
„blind“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/blind>.

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