blind
GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›blind‹ als Erstglied: ↗Blindbewerbung · ↗Blindboden · ↗Blinddarm · ↗Blinddruck · ↗Blindekuh · ↗Blindfenster · ↗Blindflug · ↗Blindgeschoss · ↗Blindgänger · ↗Blindholz · ↗Blindkopie · ↗Blindlandung · ↗Blindpressung · ↗Blindschacht · ↗Blindschleiche · ↗Blindschuss · ↗Blindstart · ↗Blindstrom · ↗Blindstudie · ↗Blindwelle · ↗blindgeboren · ↗blindgläubig · ↗blindlings · ↗blindschreiben · ↗blindwütig
 ·  mit ›blind‹ als Letztglied: ↗betriebsblind · ↗farbenblind · ↗halbblind · ↗kriegsblind · ↗nachtblind · ↗schneeblind · ↗stockblind · ↗taubblind · ↗tränenblind · ↗zivilblind · ↗zornblind · ↗zornesblind
 ·  mit ›blind‹ als Binnenglied: ↗Doppelblindstudie · ↗Doppelblindversuch
 ·  Ableitungen von ›blind‹: ↗Blinde · ↗Blindheit
 ·  formal verwandt mit: ↗erblinden
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
ohne Sehvermögen
Beispiele:
blind sein
er war blind geboren, durch eine Krankheit, einen Unglücksfall blind geworden
starkes Sonnenlicht, Scheinwerferlicht macht anfangs blind
sein linkes Auge war blind
er war auf dem linken Auge blind
ihre Augen waren von Tränen blind
mein blinder Freund, Nachbar
einstmals hockten blinde Bettler vor den Kirchentüren
der Blinde tastete sich vorsichtig mit dem Stock an der Wand entlang, bewegte sich völlig sicher im bekannten Raum
man merkte es dem Blinden kaum an, dass er nicht sehen konnte
einen Blinden über die Straße führen
der Blinde wurde von einem Hund geführt
sprichwörtlich unter Blinden ist der Einäugige König (= eine schwache Leistung sieht unter noch schwächeren wie eine gute aus)
umgangssprachlich, sprichwörtlich das sieht doch ein Blinder (= ist doch völlig klar)
umgangssprachlich, sprichwörtlich du redest davon wie der Blinde von der Farbe (= redest zwar, verstehst aber nichts davon)
salopp, sprichwörtlich ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn (= auch dem Unfähigsten gelingt gelegentlich etwas)
bildlich
Beispiele:
er ist blind für ihre Reize, gegen ihre Fehler
er war blind für, gegen alle Warnungen, Gefahren (= wollte sie nicht wahrnehmen)
bist, stellst du dich blind? (= willst du nicht sehen?)
das Glück ist blind (= es verteilt seine Güter wahllos)
etw. dem blinden (= reinen) Zufall überlassen
2.
übertragen ohne Einsicht
a)
maßlos
Beispiele:
blinder Hass, Zorn, blinde Wut, Gier, Leidenschaft
ein blinder Trieb
er war von blinder Entschlossenheit erfüllt
in blinder (= kopfloser) Angst davonlaufen
sprichwörtlich blinder Eifer schadet nur
b)
kritiklos
Beispiele:
sich zum blinden Werkzeug machen lassen
seine blinden Anhänger stimmten ihm zu
er setzte blindesten Gehorsam voraus
jmdm. blind glauben, vertrauen, gehorchen, folgen, ergeben sein
jmdn. blind bewundern
einen Befehl blind ausführen
blind (= ohne Sachkenntnis) urteilen
die Liebe macht blind
er hatte sich blind verliebt
im Blinden tappen
sein blinder Glaube an die Partei [Kellerm.Totentanz359]
Ein Mann meiner Art darf nicht ins Blinde (= Ungewisse) hinein heiraten [BrechtDreigroschenroman203]
3.
angelaufen, trübe, undurchsichtig
Beispiele:
durch den Dampf sind die Fensterscheiben, ist das Brillenglas, der Spiegel blind geworden
die glänzende Politur war vom Alter blind
die kupferne Klinke wurde immer blinder
4.
vorgetäuscht
Beispiele:
ein blindes Fenster
ein blindes Knopfloch
eine blinde Tasche aufsetzen
unsichtbar
Beispiele:
eine blinde Naht
etw. blind annähen, ansetzen
ein blinder (= nicht zu Tage reichender) Schacht
ein blinder (= unbegründeter) Alarm, Lärm
ein blinder (= ungezielter) Schuss
eine Straße läuft blind aus (= endet in einer Sackgasse)
5.
Beispiel:
ein blinder Passagier (= ein Passagier, der sich heimlich, ohne Berechtigung eingeschlichen hat und mitfährt)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

blind · Blinddarm · blindlings · Blindschleiche
blind Adj. ‘ohne Sehvermögen, trübe’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. blint, asächs. nl. afries. aengl. engl. blind, anord. blindr, schwed. blind, got. blinds (germ. *blenda-) sowie faktitives ↗blenden (s. d.) werden außergerm. mit aslaw. blęsti ‘irren, schwatzen’, blędь ‘Irrtum, Betrug’, lit. blandùs ‘unrein, trüb, düster, dunkel’, lett. blenzt ‘angaffen, glotzen’ auf ie. *bhlendh- ‘trübe sein oder machen, irren, schlecht sehen’ zurückgeführt, das vermutlich zur Wurzel ie. *bhel- ‘glänzen(d), weiß’ gehört. Blinddarm m. ‘sackartiger Teil des Dickdarms’, häufig nur ‘Wurmfortsatz, Appendix’ (1. Hälfte 16. Jh.), Übersetzung von lat. intestīnum caecum, griech. typhlón énteron (τυφλὸν ἔντερον) ‘blinder, geschlossener Darm’. blindlings Adv. ‘unvorsichtig, unbedacht’ (17. Jh.); s. ↗-lings. Vgl. ahd. blintilingon (9. Jh.), spätmhd. blindelingen, blindeslinge, mnd. blindelinge. Blindschleiche f. schlangenähnliche Eidechsenart, ahd. blint(o)slīhho, blint(o)slīh m. (9. Jh.), blintslīhha f. (Hs. 12. Jh.), alle als Glossierung von mlat. caecula, caeculus (zu lat. caecus ‘blind’; vgl. auch lat. caecilia für eine Eidechsenart), mhd. blintslīche m. f., asächs. blindslēko m., mnd. blintslīker. Eigentl. ‘blinde(r) Schleiche(r)’, zu ↗schleichen (s. d.). Zugrunde liegt die irrtümliche, bereits in der Antike (Plinius u. a.) verbreitete Vorstellung von der Existenz blinder Schlangen. Der dt. Name hat den Fortbestand dieses Irrtums gefördert. Keinen Bezug zu blind und germ. *slīk- ‘schleichen’ zeigen aengl. slāw-wyrme, engl. slow-worm, schwed. ormslå. Die germ. -k-Formen dürfen daher als kontinentalgerm. Eigenart angesehen werden.

Thesaurus

Synonymgruppe
blind · erblindet · nicht sehend · ohne Augenlicht
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
abgöttisch · aus tiefster Seele · ↗rasend · ↗unendlich · ↗überschwänglich  ●  blind  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
blindlings · dem Herdentrieb folgend · ↗gedankenlos  ●  blind  fig. · wie die Lemminge  ugs.
Assoziationen
  • (sich) selbst zugrunde richten · seinen eigenen Untergang herbeiführen  ●  (sich) sehenden Auges in den Abgrund stürzen  fig. · Selbstmord begehen  fig. · sein eigenes Grab schaufeln  fig.
  • Trampelpfade (des Althergebrachten, bereits Bekannten o.ä.)  fig. · eingefahrene Bahnen  fig. · eingefahrene Gleise  fig.
Synonymgruppe
auf gut Glück · blind · ↗blindlings · nach dem Zufallsprinzip · ungezielt · ↗wahllos · ↗willkürlich · ↗ziellos · zufallsgesteuert · ↗zufällig
Assoziationen
  • (etwas) entscheidet der Zufall · ↗Glückssache (sein) · dem Zufall überlassen bleiben · purer Zufall (sein)  ●  reiner Zufall (sein)  ugs.
  • auf gut Glück · aufs Geratewohl · nach dem Prinzip "wird schon gutgehen" · nach dem Prinzip Hoffnung
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktionismus Alarm Bettler Eifer Fleck Flecken Gefolgschaft Gehorsam Glauben Haß Huhn Justitia Kuh Musiker Passagier Scheich Seher Sängerin Vertrauen Wut Zerstörungswut Zufall fast gelähmt nahezu sehbehinderte sehende stumm taub vertrauen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›blind‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ausgewählt werden sie "blind", also zunächst nur nach ihrer Leistung.
Süddeutsche Zeitung, 03.11.2003
Der Mann überlebt, auf seinem linken Auge ist er seitdem blind.
Der Tagesspiegel, 08.09.2002
Wir sind doch nicht blind; wir merken, wie die großen Unternehmen versuchen, uns zu umdribbeln.
Der Spiegel, 06.04.1992
Ich bin zu alt, zu blasiert, zu blind für alles das.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1956. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1956], S. 926
Sie kann fast blind dahinbrausen, und selbst die tollsten Stürme vermögen nicht, sie aus ihrer eisernen Bahn zu schleudern.
Rhein, Eduard: Du und die Elektrizität, Berlin: Ullstein 1956 [1940], S. 462
Zitationshilfe
„blind“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/blind>, abgerufen am 20.01.2018.

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