Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

blindlings

Grammatik Adverb
Aussprache 
Worttrennung blind-lings
Wortzerlegung blind -lings
eWDG

Bedeutung

blind
a)
ohne Einsicht, ohne nachzudenken
Beispiele:
blindlings zuschlagen, davonlaufen, vorwärtsstürzen
blindlings in die Luft schießen
sie rannte blindlings in ihr Unglück, stürzte sich blindlings in das Verderben, begab sich blindlings in Gefahr, wurde blindlings in die Katastrophe getrieben
b)
kritiklos
Beispiele:
jmdm. blindlings gehorchen, folgen, ergeben sein, vertrauen
jmdn. blindlings bewundern
blindlings an jmdn. glauben
sich blindlings unterwerfen, führen lassen
sich blindlings in jmdn. verlieben
blindlings etw. tun
einen Befehl blindlings ausführen
sich blindlings in etw. verrennen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

blind · Blinddarm · blindlings · Blindschleiche
blind Adj. ‘ohne Sehvermögen, trübe’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. blint, asächs. nl. afries. aengl. engl. blind, anord. blindr, schwed. blind, got. blinds (germ. *blenda-) sowie faktitives blenden (s. d.) werden außergerm. mit aslaw. blęsti ‘irren, schwatzen’, blędь ‘Irrtum, Betrug’, lit. blandùs ‘unrein, trüb, düster, dunkel’, lett. blenzt ‘angaffen, glotzen’ auf ie. *bhlendh- ‘trübe sein oder machen, irren, schlecht sehen’ zurückgeführt, das vermutlich zur Wurzel ie. *bhel- ‘glänzen(d), weiß’ gehört. – Blinddarm m. ‘sackartiger Teil des Dickdarms’, häufig nur ‘Wurmfortsatz, Appendix’ (1. Hälfte 16. Jh.), Übersetzung von lat. intestīnum caecum, griech. typhlón énteron (τυφλὸν ἔντερον) ‘blinder, geschlossener Darm’. blindlings Adv. ‘unvorsichtig, unbedacht’ (17. Jh.); s. -lings. Vgl. ahd. blintilingon (9. Jh.), spätmhd. blindelingen, blindeslinge, mnd. blindelinge. Blindschleiche f. schlangenähnliche Eidechsenart, ahd. blint(o)slīhho, blint(o)slīh m. (9. Jh.), blintslīhha f. (Hs. 12. Jh.), alle als Glossierung von mlat. caecula, caeculus (zu lat. caecus ‘blind’; vgl. auch lat. caecilia für eine Eidechsenart), mhd. blintslīche m. f., asächs. blindslēko m., mnd. blintslīker. Eigentl. ‘blinde(r) Schleiche(r)’, zu schleichen (s. d.). Zugrunde liegt die irrtümliche, bereits in der Antike (Plinius u. a.) verbreitete Vorstellung von der Existenz blinder Schlangen. Der dt. Name hat den Fortbestand dieses Irrtums gefördert. Keinen Bezug zu blind und germ. *slīk- ‘schleichen’ zeigen aengl. slāw-wyrme, engl. slow-worm, schwed. ormslå. Die germ. -k-Formen dürfen daher als kontinentalgerm. Eigenart angesehen werden.

Thesaurus

Synonymgruppe
bedenkenlos · blindlings · gedankenlos · leichtfertig · sorglos · unbedacht · unbekümmert  ●  leichtfüßig  selten · als gäb's kein morgen mehr  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
blindlings · dem Herdentrieb folgend · gedankenlos  ●  blind  fig. · wie die Lemminge  ugs.
Assoziationen
  • (sich) selbst zugrunde richten · seinen eigenen Untergang herbeiführen  ●  (sich) sehenden Auges in den Abgrund stürzen fig. · Selbstmord begehen fig. · sein eigenes Grab schaufeln fig.
  • eingeübte Muster  ●  Trampelpfade (des Althergebrachten, bereits Bekannten o.ä.) fig. · eingefahrene Bahnen fig. · eingefahrene Gleise fig.
Synonymgruppe
aufs Geratewohl · beliebig · blind · blindlings · ins Blaue hinein · nach dem Motto "Nützt's nichts, schadet's nichts" · nach dem Motto "Wird schon gutgehen" · ohne (erkennbares) System  ●  auf gut Glück  Hauptform · auf Verdacht  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›blindlings‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›blindlings‹.

Zitationshilfe
„blindlings“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/blindlings>.

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