bloß

GrammatikAdjektiv · attributiv
Aussprache
Wortbildung mit ›bloß‹ als Erstglied: ↗bloßfüßig · ↗bloßlegen · ↗bloßliegen · ↗bloßstellen
eWDG, 1967

Bedeutung

nackt, unbedeckt, unverhüllt
Beispiele:
bloße Arme, Knie
der bloße Leib
die bloße Haut
mit bloßen Füßen laufen, bloßen Händen zufassen
mit bloßem Kopf dastehen
auf bloßen Strümpfen
er schlief auf der bloßen Erde
das Kind lag nackt und bloß da
Die Kälte der bloßen Diele [LeipBergung23]
bildlich
Beispiel:
mit dem bloßen Schwert in der Hand
attributiv
übertragen
Beispiele:
er war im bloßen Hemd (= hatte nur ein Hemd an)
mit bloßem Auge (= nur mit dem Auge, ohne Glas) kann ich das nicht erkennen
mit bloßen Worten (= nur mit Worten, ohne Taten) kann ihm nicht geholfen werden
er kam mit dem bloßen Schrecken (= nur mit dem Schrecken) davon
nach dem bloßen Augenschein (= nur nach dem Augenschein) urteilen
um bloßer Lappalien willen (= nur wegen Lappalien) werde ich mich nicht aufregen
vom bloßen Ansehen (= nur vom Ansehen) wird man nicht satt
jmdn. auf den bloßen Verdacht hin (= nur auf den Verdacht hin) verklagen
schon der bloße Gedanke (= nur der Gedanke, der Gedanke allein schon) entsetzte mich
seine bloße Anwesenheit (= nur seine Anwesenheit, seine Anwesenheit allein schon) genügte ihr
es war ein bloßer (= reiner) Zufall, eine bloße Spielerei
ein bloßes (= unbewiesenes, haltloses) Gerede
bloß Vermutungen, Versprechungen
bloße (= leere) Höflichkeit, Äußerlichkeit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bloß · Blöße · bloßstellen · entblößen
bloß Adj. ‘nackt, unbedeckt, rein, ausschließlich’. Die westgerm. Formen ahd. blōʒ (8. Jh.; wohl versehentliche Wiedergabe von lat. superbus ‘stolz’), mhd. blōʒ ‘nackt, unverhüllt, entblößt, nicht bewaffnet, frei von’, mnd. blōt ‘nackt, ungeschützt, frei von, arm’, mnl. nl. bloot ‘nackt, arm’, aengl. blēat ‘elend (?)’ sowie die unten angeführten nord. Belege betrachtet man als verwandt mit den unter ↗blöd (s. d.) genannten. Verschiedener Beurteilung unterliegt dabei allerdings das schwierige semantische Verhältnis der einzelnen Wortgruppen zueinander. Das Problem erwächst aus der Bedeutung der skandinav. Formen anord. blautr ‘weich, zart, schwach, furchtsam, geistesschwach’, meist aber ‘feucht, naß, sumpfig’, schwed. blöt ‘naß, durchnäßt’, älter ‘weich, schwach, zaghaft’. Einige vermuten eine Bedeutungsentwicklung, die von ‘weich’ über ‘durchweicht’ zu ‘naß, feucht’ führt, andere sehen umgekehrt die skandinav. Bedeutung ‘feucht, naß’ als ursprünglich an und leiten daraus die Bedeutungen ‘weich, schwach, arm, elend’ ab, verknüpfen also den gesamten Wortkomplex mit dem unten genannten ie. *bhleu-. Drittens nimmt man Zusammenfall zweier Bildungen an, von denen die eine in unmittelbarem Zusammenhang mit blöd(e) steht, die andere dagegen (mit der ursprünglichen Bedeutung ‘feucht, naß’) auf dem auch in lat. fluere ‘fließen’, griech. phlydarós (φλυδαρός) ‘durch Nässe aufgeweicht, matschig’ enthaltenen ie. *bhleu- ‘aufblasen, überwallen, fließen’ (zur Wurzel ie. *bhel-, s. ↗Ball) beruht. bloß Adv. ‘nur’ kommt vom 15. Jh. an im Anschluß an die Bedeutung des Adjektivs ‘rein, ausschließlich’ in Gebrauch. Blöße f. ‘Nacktheit, bloße Stelle, Waldlichtung’, mhd. blœʒe, Ableitung vom Adjektiv. Die Redewendung sich eine Blöße geben ‘eine schwache Stelle zeigen’ (18. Jh.) ist eine Fügung aus der Fechtersprache wie vielleicht auch das Kompositum bloßstellen Vb. ‘blamieren’ (2. Hälfte 16. Jh.). entblößen Vb. ‘bloß machen’, mhd. enblœʒen, Präfixbildung (s. ↗ent-) neben gleichbed. mhd. blœʒen.

Thesaurus

Synonymgruppe
blank · bloß · ↗kahl · ↗nackt · ↗offen · ↗unverhüllt
Synonymgruppe
allein · ↗alleinig · aus dem einzigen Grund (dass) · ↗ausschließlich · bloß · ↗einzig · einzig und allein · ↗lediglich · nichts als · nichts weiter als · ↗schier · schlicht und einfach · schlicht und ergreifend · und sei es nur  ●  ↗nur  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
bar · ↗blank · bloß · ↗frei · ↗nackt · ↗ohne
Synonymgruppe
aber · bloß · ↗dennoch · ↗doch · ↗indes · ↗indessen · ↗jedoch · trotz und allem · ↗trotzdem · zwar (...) doch  ●  ↗allein  geh., veraltend · ↗dabei  ugs. · ↗nur  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
bloß  ugs. · ↗ja (mit langgezogenem 'a')  ugs. · wehe, wenn (...)  ugs.
Synonymgruppe
bar · ↗blank · bloß · nichts als · ↗pur · ↗rein · ↗schier · ↗total (nachgestellt)  ●  (der/die/das) reinste (...)  emotional · ↗eitel  veraltend · ↗lauter  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
bloß · nichts (weiter) als · ↗rein  ●  ↗nur  Hauptform · ↗einfach  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absichtserklärung Addition Anblick Anhängsel Ankündigung Anwesenheit Aufzählung Auge Augenschein Behauptung Dasein Erwähnung Existenz Faust Fiktion Hand Lippenbekenntnis Nachahmung Nennung Oberkörper Rhetorik Schein Tatsache Verdacht Vermutung Vorhandensein Wiederholung Zufall als Überleben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bloß‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und wer die Lust voll auskosten will, würgt mit bloßen Händen.
Süddeutsche Zeitung, 03.02.2003
In der literarischen Umsetzung wirkt das leider häufig wie eine bloße Illustration der Theorie.
Der Tagesspiegel, 21.11.2001
Damals hatten jedoch bloße Veränderungen des produktiven Apparates nicht ausgereicht.
Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch - P. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 8665
Geistiges Training sollte nicht mit bloßem Lernen auf ein berufliches Ziel hin verwechselt werden.
Schwenk, Hans: Gesünder wohnen, München: König Verlag 1972, S. 86
Man sieht die Qualitäten dieses Mannes mit dem bloßen Auge.
Niebelschütz, Wolf von: Der blaue Kammerherr, Stuttgart u. a.: Dt. Bücherbund [1991] [1949], S. 296
Zitationshilfe
„bloß“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bloß#1>, abgerufen am 12.11.2019.

Weitere Informationen …

bloß

GrammatikAdverb
Aussprache
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
schließt andere(s) aus   nur, allein
Beispiele:
er denkt bloß an sich
bloß du bist schuld
er besaß bloß noch zehn Euro
er hatte bloß ein Hemd an
ich habe bloß (so) gelacht
die Tür war bloß angelehnt
du hast das bloß geträumt
sie ist nicht bloß schön, sondern auch klug
er sagt das nicht bloß, er glaubt das auch
er ist nicht bloß ein Bekannter, er ist ein Freund von mir
2.
umgangssprachlich verstärkt eine Aufforderung, Frage
Beispiele:
komm doch bloß mal her!
geh mir bloß aus dem Wege!
lass das bloß!
was will, hat er bloß?
was ist denn bloß los?
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bloß · Blöße · bloßstellen · entblößen
bloß Adj. ‘nackt, unbedeckt, rein, ausschließlich’. Die westgerm. Formen ahd. blōʒ (8. Jh.; wohl versehentliche Wiedergabe von lat. superbus ‘stolz’), mhd. blōʒ ‘nackt, unverhüllt, entblößt, nicht bewaffnet, frei von’, mnd. blōt ‘nackt, ungeschützt, frei von, arm’, mnl. nl. bloot ‘nackt, arm’, aengl. blēat ‘elend (?)’ sowie die unten angeführten nord. Belege betrachtet man als verwandt mit den unter ↗blöd (s. d.) genannten. Verschiedener Beurteilung unterliegt dabei allerdings das schwierige semantische Verhältnis der einzelnen Wortgruppen zueinander. Das Problem erwächst aus der Bedeutung der skandinav. Formen anord. blautr ‘weich, zart, schwach, furchtsam, geistesschwach’, meist aber ‘feucht, naß, sumpfig’, schwed. blöt ‘naß, durchnäßt’, älter ‘weich, schwach, zaghaft’. Einige vermuten eine Bedeutungsentwicklung, die von ‘weich’ über ‘durchweicht’ zu ‘naß, feucht’ führt, andere sehen umgekehrt die skandinav. Bedeutung ‘feucht, naß’ als ursprünglich an und leiten daraus die Bedeutungen ‘weich, schwach, arm, elend’ ab, verknüpfen also den gesamten Wortkomplex mit dem unten genannten ie. *bhleu-. Drittens nimmt man Zusammenfall zweier Bildungen an, von denen die eine in unmittelbarem Zusammenhang mit blöd(e) steht, die andere dagegen (mit der ursprünglichen Bedeutung ‘feucht, naß’) auf dem auch in lat. fluere ‘fließen’, griech. phlydarós (φλυδαρός) ‘durch Nässe aufgeweicht, matschig’ enthaltenen ie. *bhleu- ‘aufblasen, überwallen, fließen’ (zur Wurzel ie. *bhel-, s. ↗Ball) beruht. bloß Adv. ‘nur’ kommt vom 15. Jh. an im Anschluß an die Bedeutung des Adjektivs ‘rein, ausschließlich’ in Gebrauch. Blöße f. ‘Nacktheit, bloße Stelle, Waldlichtung’, mhd. blœʒe, Ableitung vom Adjektiv. Die Redewendung sich eine Blöße geben ‘eine schwache Stelle zeigen’ (18. Jh.) ist eine Fügung aus der Fechtersprache wie vielleicht auch das Kompositum bloßstellen Vb. ‘blamieren’ (2. Hälfte 16. Jh.). entblößen Vb. ‘bloß machen’, mhd. enblœʒen, Präfixbildung (s. ↗ent-) neben gleichbed. mhd. blœʒen.

Thesaurus

Synonymgruppe
blank · bloß · ↗kahl · ↗nackt · ↗offen · ↗unverhüllt
Synonymgruppe
allein · ↗alleinig · aus dem einzigen Grund (dass) · ↗ausschließlich · bloß · ↗einzig · einzig und allein · ↗lediglich · nichts als · nichts weiter als · ↗schier · schlicht und einfach · schlicht und ergreifend · und sei es nur  ●  ↗nur  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
bar · ↗blank · bloß · ↗frei · ↗nackt · ↗ohne
Synonymgruppe
aber · bloß · ↗dennoch · ↗doch · ↗indes · ↗indessen · ↗jedoch · trotz und allem · ↗trotzdem · zwar (...) doch  ●  ↗allein  geh., veraltend · ↗dabei  ugs. · ↗nur  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
bloß  ugs. · ↗ja (mit langgezogenem 'a')  ugs. · wehe, wenn (...)  ugs.
Synonymgruppe
bar · ↗blank · bloß · nichts als · ↗pur · ↗rein · ↗schier · ↗total (nachgestellt)  ●  (der/die/das) reinste (...)  emotional · ↗eitel  veraltend · ↗lauter  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
bloß · nichts (weiter) als · ↗rein  ●  ↗nur  Hauptform · ↗einfach  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absichtserklärung Addition Anblick Anhängsel Ankündigung Anwesenheit Aufzählung Auge Augenschein Behauptung Dasein Erwähnung Existenz Faust Fiktion Hand Lippenbekenntnis Nachahmung Nennung Oberkörper Rhetorik Schein Tatsache Verdacht Vermutung Vorhandensein Wiederholung Zufall als Überleben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bloß‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und wer die Lust voll auskosten will, würgt mit bloßen Händen.
Süddeutsche Zeitung, 03.02.2003
In der literarischen Umsetzung wirkt das leider häufig wie eine bloße Illustration der Theorie.
Der Tagesspiegel, 21.11.2001
Damals hatten jedoch bloße Veränderungen des produktiven Apparates nicht ausgereicht.
Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch - P. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 8665
Geistiges Training sollte nicht mit bloßem Lernen auf ein berufliches Ziel hin verwechselt werden.
Schwenk, Hans: Gesünder wohnen, München: König Verlag 1972, S. 86
Man sieht die Qualitäten dieses Mannes mit dem bloßen Auge.
Niebelschütz, Wolf von: Der blaue Kammerherr, Stuttgart u. a.: Dt. Bücherbund [1991] [1949], S. 296
Zitationshilfe
„bloß“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bloß#2>, abgerufen am 12.11.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Bloody Mary
Blondzopf
Blondschopf
blondlockig
Blondling
bloß legen
bloß liegen
bloß strampeln
Blöße
bloßfüßig