bloßstellen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbloß-stel-len
Wortzerlegungbloß1stellen
Wortbildung mit ›bloßstellen‹ als Erstglied: ↗Bloßstellung
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdn., sich blamieren
Beispiele:
ich wollte dich nicht bloßstellen
sie hat ihn vor allen, vor aller Welt mit dieser Enthüllung bloßgestellt
er hat sich selbst durch diesen unpassenden Scherz bloßgestellt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bloß · Blöße · bloßstellen · entblößen
bloß Adj. ‘nackt, unbedeckt, rein, ausschließlich’. Die westgerm. Formen ahd. blōʒ (8. Jh.; wohl versehentliche Wiedergabe von lat. superbus ‘stolz’), mhd. blōʒ ‘nackt, unverhüllt, entblößt, nicht bewaffnet, frei von’, mnd. blōt ‘nackt, ungeschützt, frei von, arm’, mnl. nl. bloot ‘nackt, arm’, aengl. blēat ‘elend (?)’ sowie die unten angeführten nord. Belege betrachtet man als verwandt mit den unter ↗blöd (s. d.) genannten. Verschiedener Beurteilung unterliegt dabei allerdings das schwierige semantische Verhältnis der einzelnen Wortgruppen zueinander. Das Problem erwächst aus der Bedeutung der skandinav. Formen anord. blautr ‘weich, zart, schwach, furchtsam, geistesschwach’, meist aber ‘feucht, naß, sumpfig’, schwed. blöt ‘naß, durchnäßt’, älter ‘weich, schwach, zaghaft’. Einige vermuten eine Bedeutungsentwicklung, die von ‘weich’ über ‘durchweicht’ zu ‘naß, feucht’ führt, andere sehen umgekehrt die skandinav. Bedeutung ‘feucht, naß’ als ursprünglich an und leiten daraus die Bedeutungen ‘weich, schwach, arm, elend’ ab, verknüpfen also den gesamten Wortkomplex mit dem unten genannten ie. *bhleu-. Drittens nimmt man Zusammenfall zweier Bildungen an, von denen die eine in unmittelbarem Zusammenhang mit blöd(e) steht, die andere dagegen (mit der ursprünglichen Bedeutung ‘feucht, naß’) auf dem auch in lat. fluere ‘fließen’, griech. phlydarós (φλυδαρός) ‘durch Nässe aufgeweicht, matschig’ enthaltenen ie. *bhleu- ‘aufblasen, überwallen, fließen’ (zur Wurzel ie. *bhel-, s. ↗Ball) beruht. bloß Adv. ‘nur’ kommt vom 15. Jh. an im Anschluß an die Bedeutung des Adjektivs ‘rein, ausschließlich’ in Gebrauch. Blöße f. ‘Nacktheit, bloße Stelle, Waldlichtung’, mhd. blœʒe, Ableitung vom Adjektiv. Die Redewendung sich eine Blöße geben ‘eine schwache Stelle zeigen’ (18. Jh.) ist eine Fügung aus der Fechtersprache wie vielleicht auch das Kompositum bloßstellen Vb. ‘blamieren’ (2. Hälfte 16. Jh.). entblößen Vb. ‘bloß machen’, mhd. enblœʒen, Präfixbildung (s. ↗ent-) neben gleichbed. mhd. blœʒen.

Thesaurus

Synonymgruppe
blamieren · bloßstellen · ↗kompromittieren · lächerlich machen · ↗vorführen · zum Gespött machen  ●  an den Pranger stellen  fig. · ↗desavouieren  geh. · mit heruntergelassener Hose dastehen lassen  ugs., fig.
Assoziationen
  • (sich) fehl am Platz fühlen · (sich) fremd fühlen · (sich) nicht zugehörig fühlen · dumm dastehen · verloren herumstehen  ●  (rumhängen) wie ein Schluck Wasser in der Kurve  ugs. · blöd aus der Wäsche gucken  ugs. · blöd dastehen  ugs. · dastehen wie Pik Sieben  ugs. · dastehen wie bestellt und nicht abgeholt  ugs. · dumm aus der Wäsche gucken  ugs. · herumlaufen wie Falschgeld  ugs. · herumlaufen wie falsch Geld  ugs.
  • auf offener Straße · vor allen Leuten · vor aller Augen · vor aller Welt · vor aller Öffentlichkeit · vor versammelter Mannschaft · ↗öffentlich  ●  auf offener Bühne  fig. · ↗coram publico  lat. · in aller Öffentlichkeit  Hauptform · vor den Augen der Menge (ältere Sprache)  geh.
  • (jemandem etwas) anhängen · ↗(jemandem etwas) nachsagen · ↗(jemandem etwas) unterstellen · (jemandem) die Ehre abschneiden · (jemanden) ins Gerede bringen · (über jemanden negative) Behauptungen in die Welt setzen · Lügen verbreiten (über) · Sünden anderer aufzeigen · ↗diffamieren · ↗diskreditieren · ↗herabsetzen · in Misskredit bringen · in Verruf bringen · schlecht reden (über) · ↗schlechtmachen · ↗schmähen · ↗verhöhnen · ↗verleumden · ↗verunglimpfen · zynisch beschreiben  ●  ↗(jemandem etwas) andichten  ugs. · (jemandem etwas) ans Zeug flicken  ugs., veraltend · ↗anschwärzen  ugs. · kein gutes Haar lassen (an)  ugs.
  • auslachen · ↗frotzeln · ↗lästern · ↗scherzen · ↗spötteln · ↗ulken · ↗verspotten · ↗witzeln  ●  ↗höhnen  negativ · ↗spotten  Hauptform · ↗verhöhnen  negativ · ↗(sich) mokieren  geh.
  • (einen) Scherz machen (über) · (jemandem) ins Gesicht lachen · (sich) auf jemandes Kosten amüsieren · (sich) ein Lachen kaum verkneifen können (angesichts) · (sich) lustig machen (über) · (sich) mokieren (über) · Scherze treiben mit · Witze machen (über) · ↗auslachen · ins Lächerliche ziehen · lächerlich machen · seinen Spaß haben (mit/bei) · ↗spotten (über) · ↗verlachen · ↗witzeln · zum Gespött machen  ●  Späße treiben (mit)  veraltend · ↗verspotten  Hauptform · (jemandem) eine lange Nase drehen  ugs., fig. · (jemandem) eine lange Nase machen  ugs., fig. · (sich) belustigen (über)  geh. · Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.  geh., Sprichwort · durch den Kakao ziehen  ugs., fig. · ↗frotzeln (über)  ugs. · ↗verhohnepiepeln  ugs.
  • bloßstellende Abstrahlung · kompromittierende Abstrahlung · kompromittierende Emission
  • (sein) Gesicht verlieren · (sich) bis auf die Knochen blamieren · ↗(sich) blamieren · (sich) lächerlich machen · (sich) nicht (gerade) mit Ruhm bekleckern · (sich) nirgendwo mehr sehen lassen können · (sich) zum Gespött machen · Hohn und Spott über sich ergehen lassen müssen · ausgelacht werden · kein Ruhmesblatt (für jemanden) sein · zum Gespött werden  ●  (sich) zum Hampelmann machen  ugs. · (sich) zum Hanswurst machen  ugs.
  • (etwas) weitergeben · ↗(jemanden / etwas) verraten · ↗denunzieren · ↗melden  ●  ↗(etwas) petzen  ugs. · ↗anscheißen  derb · ↗anschwärzen  ugs. · ↗vernadern  ugs., österr. · ↗verpetzen  ugs. · ↗verpfeifen  ugs.
  • verletzen  ●  auf den Fuß treten  fig. · auf den Schlips treten  fig. · ↗brüskieren  geh. · ↗düpieren  geh. · vor den Kopf stoßen  ugs., fig.
  • (sich) vorgeführt fühlen  ●  (sich) angepisst fühlen  derb
Synonymgruppe
(jemandem) Schande machen · ↗beschämen · ↗blamieren · bloßstellen · sehr peinlich sein · verlegen machen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anmaßung Augen Bischof Enthüllung Gegner Klasse Lehrer Lügner Schwäche Unfähigkeit Verbündeter Verlogenheit Veröffentlichung Vorurteil Weise Zitat blamieren demütigen derart entlarven gnadenlos isolieren nie schonungslos selber stellen vor aller Welt vorführen Öffentlichkeit öffentlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bloßstellen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manche Lehrer stellen die Kinder vor der ganzen Klasse bloß!
Bild, 24.11.2004
In guten Zeiten hütete er sich davor, einzelne Spieler bloßzustellen.
Die Welt, 12.04.1999
Erziehen sollte man nur zu Hause, und außerdem ist es falsch, das Kind, vor anderen bloßzustellen.
Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 34
Aber das hier war maßlos übertrieben, war geeignet, eine große, blühende Industrie des Landes in der ganzen Welt bloßzustellen.
Dominik, Hans: John Workmann der Zeitungsboy, Biberach an d. Riss: Koehler 1954 [1925], S. 214
Hat Frau v. Elbe nicht auch davon gesprochen, daß sie sich mit Journalisten in Verbindung setzen wollte, um den Grafen bloßzustellen?
Friedländer, Hugo: Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z.D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der »Zukunft« Maximilian Harden. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 4100
Zitationshilfe
„bloßstellen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bloßstellen>, abgerufen am 22.10.2019.

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