blutarm

GrammatikAdjektiv
Worttrennungblut-arm
WortzerlegungBlut-arm

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. anämisch
  2. 2. [umgangssprachlich] sehr arm
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
anämisch
Beispiel:
ein blutarmes Kind, junges Mädchen
2.
umgangssprachlich sehr arm
Beispiel:
Ich tät sie auch nehmen, wenn sie blutarm wäre [O. M. GrafUnruhe149]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Blut · Blutbank · Blutbuche · bluten · Bluter · Bluthund · blutig · blutjung · blutarm · Blutrache · Blutschande · Blutschuld · blutsverwandt · Blutsverwandtschaft
Blut n. lebenserhaltende, rote Körperflüssigkeit. Ein alter ie. r/n-Stamm zur Bezeichnung des Blutes, erhalten z. B. in griech. éar (ἔαρ) ‘Blut’, wird in einzelnen ie. Sprachen, wohl aus Tabugründen, durch neue, etymologisch oft kaum deutbare Wörter ersetzt, vgl. griech. há͞ima (αἷμα) (vgl. Hämoglobin und s. ↗Hämorrhoiden), lat. sanguis (s. ↗sanguinisch). Zu solchen Ersatzwörtern gehört auch der gemeingerm. Ausdruck für ‘Blut’ ahd. (8. Jh.), mhd. bluot, asächs. aengl. blōd, engl. blood, mnd. blōt, mnl. bloet, nl. bloed, afries. blōd, anord. blōð, schwed. blod und mit grammatischem Wechsel got. blōþ. Diese Formen setzen germ. *blōþa- (mit Betonung auf der zweiten Silbe in allen Sprachen mit Ausnahme des Got.) voraus. Dieses läßt sich deuten als Bildung zu der in ↗blühen, ↗Blume, ↗Blüte (s. d.) vorliegenden Wurzelerweiterung ie. *bhlē-, *bhlō- mit dem (auch für Verbaladjektive verwendeten) Suffix ie. -to-, germ. -þa-. Hervorquellendes Blut würde danach metaphorisch als ‘etw. üppig Gesprossenes’ vorgestellt. Oder ist in germ. *blōþa- ein vorie. Substratwort zu sehen? Blutbank f. ‘zentrale Aufbewahrungs- und Abgabestelle für Blutkonserven’ (20. Jh.). Blutbuche f. Buche mit rötlichen Blättern (18. Jh.). Vom Substantiv abgeleitet bluten Vb. ‘Blut verlieren’, ahd. (8. Jh.), mhd. bluoten, mnd. blȫden, blōden, mnl. nl. bloeden, afries. blēda, aengl. blēdan, anord. blœða. Bluter m. ‘an der Bluterkrankheit Leidender’ (18. Jh.). Bluthund m. ‘Schweißhund’ (2. Hälfte 15. Jh.). blutig Adj. ‘voll Blut’, ahd. bluotag (8./9. Jh.), mhd. bluotec. blutjung Adj. ‘sehr jung’ (17. Jh.), Analogiebildung zu älteren Adjektivkomposita wie blutarm ‘arm bis aufs Blut’ (d. i. bis aufs Leben), ‘sehr arm’ (15. Jh.), wobei das erste Kompositionsglied intensivierenden Sinn hat und auf das Vorbild mhd. bluotrōt ‘blutrot’, d. h. ‘rot wie Blut’ als verstärkender Vergleich, zurückzuführen ist; vgl. auch ahd. bluotrōtī ‘Purpurröte’ (Hs. 12. Jh.). Dagegen (ab 19. Jh.) blutarm ‘arm an Blut, blaß, schwächlich, anämisch’. Blutrache f. ‘Tötung als Vergeltung für einen getöteten Sippenangehörigen’ (17. Jh.). Blutschande f. ‘Inzest’ (1. Hälfte 16. Jh.). Blutschuld f. ‘aus Mord erwachsene Schuld’ (16. Jh.). blutsverwandt Adj. ‘durch gleiche Abstammung verwandt’ (1. Hälfte 16. Jh.), davon abgeleitet Blutsverwandtschaft f. (1. Hälfte 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
blass · blutarm · ↗kraftlos · ↗saftlos  ●  ↗schlaff  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›blutarm‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›blutarm‹.

Verwendungsbeispiele für ›blutarm‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Andererseits darf sie dabei die ohnehin blutarme amerikanische Wirtschaft nicht zusätzlich schwächen.
Die Zeit, 28.10.2013, Nr. 43
Dasselbe wurde von blutarmen Personen verschiedenen Alters gerne genommen, wegen des guten Geschmacks.
Kropeit, Richard: Die Reklame-Schule, Berlin-Schöneberg: Kropeit 1907 [1906], S. 647
Wie schwer ihm dabei die Konzentration fällt, demonstriert das hypernervöse Spiel mit dem Kugelschreiber, vor allem aber das beängstigend blutarme Äußere.
Der Tagesspiegel, 30.04.2002
Nur in einzelnen Fällen ist, namentlich bei blutarmen Leichen, ein verspätetes Auftreten auch erst nach 10 - 15 Stunden beobachtet worden.
Kratter, Julius: Leichenwesen einschließlich der Feuerbestattung. In: Weyl, Theodor (Hg.), Handbuch der Hygiene II. Band, 2. Abteilung, Leipzig: Barth 1912, S. 109
Bei nervösen, blutarmen Personen kommt es manchmal zu einem förmlichen Gähnkrampf.
o. A.: Das Lexikon der Hausfrau, Berlin: Ullstein 1937 [1932], S. 378
Zitationshilfe
„blutarm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/blutarm>, abgerufen am 02.04.2020.

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