bockig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungbo-ckig
Wortbildung mit ›bockig‹ als Erstglied: ↗Bockigkeit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
störrisch, halsstarrig
Beispiele:
ein bockiges Tier, Kind, bockiger Mensch
ein bockiges Gesicht machen
bockig aussehen, antworten, stehenbleiben
2.
landschaftlich, salopp langweilig
Beispiel:
ein bockiger Vortrag
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bock · bocken · verbocken · bockig · bockbeinig · Bockshorn
Bock m. Bezeichnung für das männliche Tier bei verschiedenen geweih- oder gehörntragenden Säugern, vornehmlich ‘Ziegenbock’. Ahd. boc, buc (9. Jh.), mhd. boc, aengl. buc, engl. buck, mnd. buk, bok, mnl. boc, buc, nl. bok, anord. bukkr, bokkr, schwed. bock, dän. buk führen auf germ. *bukkaz. Dies weist Konsonantengemination auf, wie sie zumindest teilweise auch für die kelt. Formen mir. bocc, ir. boc, korn. boch vorausgesetzt wird. Fraglich ist, wieweit es sich dabei um eine Entlehnung des Germ. aus dem Kelt. oder umgekehrt handelt. Offen bleibt, ob germ. bzw. kelt. -kk- auf affektischer Konsonantenschärfung beruht oder auf eine Ausgangsform ie. *bhug̑nós ‘Bock’ hinweist. Aus ie. *bhū̌g̑- leiten sich auch die ostie. Bezeichnungen ab wie awest. būza- ‘Ziegenbock’, armen. buc ‘Lamm’. Im Nhd. wird das Wort im Hinblick auf die Steifbeinigkeit eines störrischen Bockes auf ein hölzernes Gestell (15. Jh.; vgl. Sägebock), eine Belagerungsmaschine (16. Jh.), den Kutschersitz (16. Jh.?, vgl. Kutschbock), das Turngerät für Sprungübungen (19. Jh.) übertragen. In der Sprache der Schützengilden (16. Jh.) bedeutet Bock ‘Fehlschuß’, im 18. Jh. wird es in die Allgemeinsprache für ‘Fehler’ übernommen und ist in der Wendung einen Bock schießen ‘einen großen Fehler machen’ geläufig. Beim Preisschießen der Schützengilden gewann zuweilen der schlechteste Schütze als Verhöhnung (im Hinblick auf den Bocksgeruch) einen Ziegenbock (wie später ein Holz- oder Spielzeuggewehr). In der Jugendsprache steht Bock für ‘Appetit, Lust, innerer Antrieb’ (2. Hälfte 20. Jh.), vgl. (keinen) Bock, Null-Bock haben, wohl anknüpfend an rotw. Bock ‘Hunger’ und geil (‘sexuell erregt’) wie ein Bock. bocken Vb. ‘steifbeinig, bockig sein, nicht gehorchen’ (19. Jh.), ahd. bockōn, bucken (9. Jh.), mhd. bocken ‘wie ein Bock stoßen’. verbocken Vb. ‘etw. falsch machen, verpfuschen’, gebildet (19. Jh.) wohl in Anlehnung an die Wendung einen Bock schießen (s. oben). bockig Adj. ‘störrisch’ (19. Jh.), älter bockicht (16. Jh.). bockbeinig Adj. ‘steifbeinig wie ein Bock’, (16. Jh.), im übertragenen Sinne ‘störrisch, widerspenstig’ im 18. Jh. in die Literatursprache aufgenommen, eigentlich ‘sich mit gespreizten Beinen sträubend wie ein Bock’. Bockshorn n. nur in der phraseologischen Wendung jmdn. ins Bockshorn jagen ‘einschüchtern’ (1. Hälfte 16. Jh.) geläufig; zunächst (1478) jmdn. in ein Bockshorn stoßen (dann auch treiben, zwingen), wofür alle Herleitungsversuche unsicher bleiben (vgl. Heinermann in: PBB 67 (1945) 248 ff.). Vielleicht hat ein Erklärungsversuch am ehesten an die älteste Bezeugung von Bockshorn als Pflanzenname anzuknüpfen, vgl. mhd. bokishorn ‘Röhrenkassie’ (13. Jh.). Die Fruchthülsen können wegen ihrer Form und ihrer paarweisen Anordnung an die Hörner eines Bockes erinnern. Doch bleibt die Entstehung der Redensart ungewiß.

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) sturer Bock (sein) · ↗bockbeinig · bockig · ↗dickköpfig · ↗dickschädelig · stur wie ein Bock · stur wie ein Esel · ↗trotzig · unfügsam · ↗widerborstig · ↗widersetzlich · ↗widerspenstig  ●  ↗störrisch  Hauptform · ↗unduldsam  geh.
Assoziationen
Zoologie
Synonymgruppe
bockig (Schaf & Ziege) · ↗brunftig · ↗brünstig · ↗bullig (Kühe) · ↗fiebrig · ↗heiß · ↗hitzig · ↗läufig · ochselig (Kühe) · rammelig · ↗raunzig (Katze) · ↗rauschig (Schwein) · rinderig (Kühe) · ↗rollig (Katzen) · ↗rossig (Stuten) · ↗stierig (Kühe)  ●  ↗paarungsbereit  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
bockig · ↗eigensinnig · ↗halsstarrig · ↗hartnäckig · ↗rechthaberisch · ↗renitent · ↗starrköpfig · ↗starrsinnig · ↗störrisch · ↗unbelehrbar · ↗unbeugsam · ↗uneinsichtig · ↗unnachgiebig · ↗unverbesserlich · ↗widerspenstig  ●  ↗stur  Hauptform · ↗beratungsresistent  ugs. · ↗dickköpfig  ugs. · ↗nickelig  ugs. · stur wie ein Panzer  ugs. · sturköpfig  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Esel Haltung Kind Pferd anstellen fast geradezu reagieren sofort stur störrisch trotzig verhalten verweigern weigern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bockig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bockig wollte ich durchstarten, doch das schwere Auto zog nicht mit.
Die Zeit, 25.01.2010, Nr. 04
Allein schon, wie der Mann bockig auf der Bank saß, als er mal ausgewechselt wurde.
Der Tagesspiegel, 31.03.2000
Er legt sich keinerlei Zwang auf, schimpft, lacht, weint, ist bockig, widersetzt sich - je nach Bedürfnislage.
Werner, Reiner: Das verhaltensgestörte Kind, Berlin: Dt. Verl. d. Wiss. 1973 [1967], S. 85
Aber der Zeck, bockig, stur und eklig, bleibt hocken und lebt und wartet.
Süskind, Patrick: Das Parfum, Zürich: Diogenes 1985, S. 22
Nein, wenn ich schon sein bockiges Gesicht sehe, da gehe ich lieber gleich selbst.
Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand, Berlin: Neues Leben 1974, S. 275
Zitationshilfe
„bockig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bockig>, abgerufen am 19.02.2019.

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