brüderlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungbrü-der-lich
WortzerlegungBruder-lich
Wortbildung mit ›brüderlich‹ als Erstglied: ↗Brüderlichkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

in der Art eines guten Bruders
Beispiele:
eine brüderliche Hilfe, Zuneigung
ein brüderliches Angebot
es war seine brüderliche Pflicht
jmdm. die brüderliche Hand reichen
in brüderlicher Verbundenheit, Liebe
scherzhaft meine brüderliche Liebe (= mein Bruder)
das brüderliche Du
sich etw. brüderlich teilen
etw. brüderlich untereinander teilen
brüderlich zusammenstehen
sich brüderlich helfen, unterstützen
er legte brüderlich den Arm um sie
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bruder · brüderlich · Brüderlichkeit · Brüderschaft · Bruderschaft · Gebrüder · verbrüdern · Verbrüderung
Bruder m. ‘männliches Geschwister’, ahd. (8. Jh.), mhd. bruoder. Allgemeine Verbreitung des Substantivs im Germ. (asächs. brōðar, mnd. brōder, aengl. brōþor, engl. brother, mnl. nl. broeder, afries. brother, anord. brōðir, schwed. dän. broder, got. brōþar, germ. *brōþēr-) und das Vorhandensein außergerm. Entsprechungen wie aind. bhrā́tā (Stamm bhrā́tar-) ‘Bruder’, griech. phrā́tēr (φράτηρ), phrā́tōr (φράτωρ) ‘Mitglied eines Geschlechterverbands’, lat. frāter ‘Bruder’, aslaw. bratrъ, bratъ, russ. brat (брат) ‘Bruder’ zeugen für ein (auch bei anderen Verwandtschaftsbezeichnungen, z. B. bei ↗Mutter, ↗Schwester, ↗Sohn, ↗Tochter, ↗Vater, s. d., nachzuweisendes) hohes Alter. Als gemeinsame Ausgangsform ergibt sich ie. *bhrāter-, älter vielleicht *bhrātor-, ‘Bruder, Blutsverwandter’, wofür Trier Holz (1952) 88 f. Anschluß an eine Wurzel ie. *bher- ‘flechten, weben’ vorschlägt. Verwendung als Anrede zwischen Mönchen (nach lat. frāter) und Übertragung im Sinne von ‘Vertrauter, Freund’ sind bereits ahd. geläufig. brüderlich Adj. ‘nach Art eines guten Bruders’, ahd. bruoderlīh (9. Jh.), mhd. bruoderlich, brüederlich; dazu Brüderlichkeit f. ‘brüderliche Gesinnung’, frühnhd. bruder-, brüderlicheit, bruderlichkeit nur im 15. Jh. belegt; im jüngeren Nhd. von den 70er Jahren des 18. Jhs. an (Lavater, Campe) für frz. fraternité, engl. fraternity in Gebrauch kommend. Brüderschaft f. ‘brüderliches Verhältnis, enge Freundschaft’, Bruderschaft f. ‘christliche Vereinigung’; die semantische Differenzierung zwischen umgelauteter und nicht umgelauteter Form ist jedoch erst in neuerer Zeit erkennbar und gilt auch in der Gegenwart nicht streng (noch im 20. Jh. z. B. Bruderschaft, Brüderschaft trinken); zunächst ahd. bruoderscaf(t) ‘christliche Brüderlichkeit, brüderliche Liebe’ (9. Jh.), mhd. bruoderschaft, brüederschaft ‘geistliche Vereinigung, brüderliches Verhältnis’, spätmhd. und frühnhd. (wie mnd. brȫderschop, brōderschop) auch als Bezeichnung für nach geistlichem Muster gebildete Gesellenverbände und Handwerkervereinigungen, nhd. dann häufig überhaupt ‘Bund, Gemeinschaft Zusammenschluß’. Gebrüder Plur. ‘Gemeinschaft mehrerer, meist zweier Brüder’ (seit dem 19. Jh. besonders im Geschäftsverkehr), Kollektivbildung zu Bruder wie ↗Geschwister (s. d.) zu Schwester; ahd. gibruoder m. (9. Jh.) ‘Bruder in der christlichen Gemeinschaft’ (als Nebenform zu bruoder), mhd. gebruoder, gebrüeder Plur. ‘Brüder’. verbrüdern Vb. reflexiv ‘mit jmdm. Brüderschaft, ein enges Bündnis schließen’ (17. Jh.); voraus geht gleichbed. mhd. sich gebruodern (hingegen mhd. sich verbruodern ‘sich unter Brüder verteilen’, vom Erbe); dazu Verbrüderung f. ‘das Schaffen eines brüderlichen Verhältnisses, Vereinigung’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
brüderlich · ↗einhellig · ↗einig · ↗einmütig · ↗einstimmig · ↗einträchtig · ↗einvernehmlich · ↗einverständlich · ↗friedlich · ↗geschlossen · ↗gleichgesinnt · ↗harmonisch · im Einklang · im Gleichklang
Assoziationen
  • einvernehmlich · im Konsens · in gegenseitigem Einvernehmen · in gegenseitigem Einverständnis · ↗konsensual · übereinstimmend

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beistand Beziehungen Eintracht Freundschaft Gesinnung Grüße Hilfe Hilfeleistung Kampfesgrüße Liebe Solidarität Teilen Umarmung Verbundenheit Waffenhilfe Zurechtweisung Zusammenhalten Zusammenleben Zusammenwirken Zwist aufrichtige freundschaftlichen gutnachbarlichen herzlichen internationalistische kameradschaftlichen schwesterlichen umarmen verbundenen väterliche

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›brüderlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Falls sie das Geld gewinnen sollten, wollen sie es brüderlich durch sechs teilen.
Bild, 21.02.2006
Denn sie wagte sich immer weiter ins Meer der brüderlichen Schulden hinaus.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 71
So wird nun hoffentlich wieder etwas lebendig von der großen Tradition jener brüderlichen Solidarität der Sozialisten aller Länder.
Die Zeit, 05.07.1951, Nr. 27
Untrennbar verbunden mit dem allen ist wieder die brüderliche Handreichung für die selbständig werdenden Kirchen jener Gebiete.
Bolewski, H.: Ökumenische Bewegung. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 13879
Unter den 4 Schriften gegen Luther aus dem Jahre 1520 ist vor allem seine »Christliche und brüderliche Ermahnung« zu nennen.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 7077
Zitationshilfe
„brüderlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/brüderlich>, abgerufen am 22.05.2018.

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