brüderlich

Grammatik Adjektiv · Komparativ: brüderlicher · Superlativ: am brüderlichsten
Aussprache  [ˈbʀyːdɐlɪç]
Worttrennung brü-der-lich
Wortzerlegung  Bruder -lich
Wortbildung  mit ›brüderlich‹ als Erstglied: Brüderlichkeit
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
zwischen leiblich verwandten Brüdern (1) (herrschend)
Kollokationen:
in Koordination: brüderlich und schwesterlich
Beispiele:
Mike und Bob bekamen [Tennis-]Schläger von Papa und Unterricht von Mama, sie waren talentiert, beide, doch die Eltern fürchteten brüderliche Konkurrenz. Also stellten sie eine Regel auf: Keine Spiele gegeneinander! [Süddeutsche Zeitung, 03.09.2009]
Auf Zürcher Seite hatten [die Eishockeyspieler] Tim und Arne Ramholt [bei einem Eishockeyspiel] in brüderlicher Eintracht [in der Defensive] Spalier gestanden. [Neue Zürcher Zeitung, 22.01.2003]
Besonders die Schilderung des brüderlichen Zwistes [in einem Jugendroman] ist beeindruckend nah an der Wirklichkeit von Geschwister‑Konflikten. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.1999]
Daß der wortgewaltige Junge aus dem Pütt [dem Ruhrgebiet] den leichten Schiefstand seiner Nase brüderlichen Auseinandersetzungen zu verdanken hat, wußten bis Samstag nur Personen aus seinem Privatkreis. [Süddeutsche Zeitung, 22.04.1996]
[…] der Reichtum bekommt dem Familienzusammenhalt nicht, die brüderlichen Streitigkeiten arten in geschäftliche Auseinandersetzungen aus. [die tageszeitung, 01.10.1992]
Martin Luther war vom Grafen Albrecht VII. von Mansfeld ersucht worden, seine Autorität bei der Schlichtung brüderlicher Zwistigkeiten in die Waagschale zu werfen, denn die Mansfelder Grafen waren wegen gemeinschaftlicher Hoheitsrechte in Streit geraten. [Neues Deutschland, 31.12.1988]
2.
in der Art eines guten Bruders; kameradschaftlich, einträchtig, solidarisch, demselben Ziel verbunden; zwischen eng (wie Brüdern) Verbundenen (herrschend)
Im offiziellen Sprachgebrauch der DDR (und anderer sozialistischer Länder) vor allem zur – häufig floskelhaften – Charakterisierung der Beziehungen zu sozialistischen bzw. kommunistischen Staaten, Völkern, Parteien, Einrichtungen usw.
Kollokationen:
als Adjektivattribut: brüderliche Freundschaft, Verbundenheit, Solidarität, Umarmung; brüderliche Hilfe, Beziehungen, Zusammenarbeit
mit Adverbialbestimmung: wahrhaft, geradezu, fast brüderlich
als Adverbialbestimmung: brüderlich verbunden, vereint; brüderlich teilen
Beispiele:
Ja, es gibt sie noch, die Menschen, die gemeinsamen Besitz haben und den Ertrag brüderlich (= gerecht, zu gleichen Teilen) teilen. [Die Zeit, 19.07.2012]
Brüderliche Liebe zu allen Kreaturen predigte einst der heilige Franz von Assisi, der in den Vierbeinern, Vögeln und Fischen beseelte Mitgeschöpfe sah. [Der Spiegel, 07.12.1992]
Der Text der Nationalhymne lautet: Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland! Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand! [web.archive.org, 2017, aufgerufen am 17.06.2020]
Zur 40jährigen erfolgreichen Entwicklung des Sozialismus in der DDR, so hob er hervor, gehöre die Einheit der Arbeiterklasse, ihr zuverlässiges Bündnis mit allen anderen Klassen und Schichten des Volkes sowie die brüderliche Verbundenheit mit der Partei Lenins und den Völkern der Sowjetunion. [Neues Deutschland, 13.10.1989]
Auf der Fahrt zum Strand teilten mein Dackel und er sich brüderlich den Rücksitz des Autos. [Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 106]
Der so entstandene Orden (weißes Habit) hielt sich weitgehend an das »Ora et labora« der Benediktiner, betonte jedoch die Kontemplation und entwickelte eine für ihn typische Form von Eremitendasein in brüderlicher Gemeinschaft. [Kartäuser. In: Aktuelles Lexikon 1974–2000. München: DIZ 2000 [1984]]
[…] Er bat, allen Werktätigen [der DDR] die brüderlichsten Grüße und besten Wünsche der Kommunisten Westberlins zum weiteren erfolgreichen Voranschreiten auf dem Wege des Sozialismus zu übermitteln. [Neues Deutschland, 30.10.1982]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bruder · brüderlich · Brüderlichkeit · Brüderschaft · Bruderschaft · Gebrüder · verbrüdern · Verbrüderung
Bruder m. ‘männliches Geschwister’, ahd. (8. Jh.), mhd. bruoder. Allgemeine Verbreitung des Substantivs im Germ. (asächs. brōðar, mnd. brōder, aengl. brōþor, engl. brother, mnl. nl. broeder, afries. brother, anord. brōðir, schwed. dän. broder, got. brōþar, germ. *brōþēr-) und das Vorhandensein außergerm. Entsprechungen wie aind. bhrā́tā (Stamm bhrā́tar-) ‘Bruder’, griech. phrā́tēr (φράτηρ), phrā́tōr (φράτωρ) ‘Mitglied eines Geschlechterverbands’, lat. frāter ‘Bruder’, aslaw. bratrъ, bratъ, russ. brat (брат) ‘Bruder’ zeugen für ein (auch bei anderen Verwandtschaftsbezeichnungen, z. B. bei Mutter, Schwester, Sohn, Tochter, Vater, s. d., nachzuweisendes) hohes Alter. Als gemeinsame Ausgangsform ergibt sich ie. *bhrāter-, älter vielleicht *bhrātor-, ‘Bruder, Blutsverwandter’, wofür Trier Holz (1952) 88 f. Anschluß an eine Wurzel ie. *bher- ‘flechten, weben’ vorschlägt. Verwendung als Anrede zwischen Mönchen (nach lat. frāter) und Übertragung im Sinne von ‘Vertrauter, Freund’ sind bereits ahd. geläufig. brüderlich Adj. ‘nach Art eines guten Bruders’, ahd. bruoderlīh (9. Jh.), mhd. bruoderlich, brüederlich; dazu Brüderlichkeit f. ‘brüderliche Gesinnung’, frühnhd. bruder-, brüderlicheit, bruderlichkeit nur im 15. Jh. belegt; im jüngeren Nhd. von den 70er Jahren des 18. Jhs. an (Lavater, Campe) für frz. fraternité, engl. fraternity in Gebrauch kommend. Brüderschaft f. ‘brüderliches Verhältnis, enge Freundschaft’, Bruderschaft f. ‘christliche Vereinigung’; die semantische Differenzierung zwischen umgelauteter und nicht umgelauteter Form ist jedoch erst in neuerer Zeit erkennbar und gilt auch in der Gegenwart nicht streng (noch im 20. Jh. z. B. Bruderschaft, Brüderschaft trinken); zunächst ahd. bruoderscaf(t) ‘christliche Brüderlichkeit, brüderliche Liebe’ (9. Jh.), mhd. bruoderschaft, brüederschaft ‘geistliche Vereinigung, brüderliches Verhältnis’, spätmhd. und frühnhd. (wie mnd. brȫderschop, brōderschop) auch als Bezeichnung für nach geistlichem Muster gebildete Gesellenverbände und Handwerkervereinigungen, nhd. dann häufig überhaupt ‘Bund, Gemeinschaft Zusammenschluß’. Gebrüder Plur. ‘Gemeinschaft mehrerer, meist zweier Brüder’ (seit dem 19. Jh. besonders im Geschäftsverkehr), Kollektivbildung zu Bruder wie Geschwister (s. d.) zu Schwester; ahd. gibruoder m. (9. Jh.) ‘Bruder in der christlichen Gemeinschaft’ (als Nebenform zu bruoder), mhd. gebruoder, gebrüeder Plur. ‘Brüder’. verbrüdern Vb. reflexiv ‘mit jmdm. Brüderschaft, ein enges Bündnis schließen’ (17. Jh.); voraus geht gleichbed. mhd. sich gebruodern (hingegen mhd. sich verbruodern ‘sich unter Brüder verteilen’, vom Erbe); dazu Verbrüderung f. ‘das Schaffen eines brüderlichen Verhältnisses, Vereinigung’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
brüderlich · einhellig · einig · einmütig · einstimmig · einträchtig · einvernehmlich · einverständlich · friedlich · geschlossen · gleichgesinnt · harmonisch · im Einklang · im Gleichklang
Assoziationen
  • einvernehmlich · im Konsens · in gegenseitigem Einvernehmen · in gegenseitigem Einverständnis · konsensual · übereinstimmend

Typische Verbindungen zu ›brüderlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›brüderlich‹.

Zitationshilfe
„brüderlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/br%C3%BCderlich>, abgerufen am 26.07.2021.

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