brauchen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbrau-chen
Wortbildung mit ›brauchen‹ als Erstglied: ↗Brauchwasser · ↗brauchbar  ·  mit ›brauchen‹ als Letztglied: ↗abbrauchen · ↗anbrauchen · ↗aufbrauchen · ↗ausbrauchen · ↗missbrauchen · ↗verbrauchen
 ·  mit ›brauchen‹ als Grundform: ↗gebrauchen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. nötig haben
a)
etw., jmdn. benötigen, einer Sache, jmds. bedürfen
Beispiele:
der Weitsichtige braucht eine Brille zum Lesen
zu einem, für einen Rock braucht man zwei Meter (Stoff)
Geld, Zeit, Ruhe, Hilfe, Rat, Trost, eine Kur, jeden Cent brauchen
das neue Unternehmen braucht seine Zeit (= muss sich in Ruhe entwickeln können)
er braucht früh lange (Zeit), um fertig zu werden
wie lange braucht man bis dahin?
ich hole mir, was ich brauche
was ich nicht brauche, bringe ich zurück
spöttischdas könnte ich so brauchen! (= das wäre mir lästig!)
ich brauche dich
er braucht dringend jemanden, der sich um ihn kümmert
ich brauche keinen Vormund
dich brauchen wir gerade (= du kommst wie gerufen)
spöttischdich brauchen wir gerade (= du störst uns)
ich kann dich jetzt nicht brauchen (= du störst mich jetzt)
gehoben
Grammatik: mit Genitiv, unpers.
Beispiele:
es braucht keines Beweises, keines weiteren Wortes mehr
braucht es noch vieler Beteuerungen?
b)
etw. nicht zu tun brauchenetw. nicht tun müssen
Grammatik: verneint, in Verbindung mit »zu« + Inf.
Beispiele:
morgen brauche ich nicht zu kommen
eine solche Behandlung brauche ich mir nicht gefallen zu lassen (= muss ich mir nicht gefallen lassen)
das hättest du ihm nicht zu sagen brauchen! (= hättest du ihm besser nicht gesagt!)
du brauchst gar nicht zu lachen! (= solltest lieber nicht lachen!)
niemand braucht es zu wissen (= niemand soll es wissen)
es braucht nicht gleich zu sein (= es hat Zeit)
umgangssprachlich
Grammatik: ohne »zu«
Beispiele:
du brauchst dich nicht darum bemühen
das hättest du ihm nicht sagen brauchen
man braucht nicht mehr heizen
Grammatik: in Verbindung mit »nur« + »zu« + Inf.
Beispiele:
du brauchst es nur zu sagen
er brauchte nur zu rufen
2.
etw. verwenden, gebrauchen
Beispiele:
könntest du diese Jacke brauchen?
er ist zu allem zu brauchen
er weiß seine Feder, Zunge wohl zu brauchen (= schreibt, spricht gut)
er brauchte seine Fäuste (= er schlug zu)
er brauchte seine Beine (= er lief davon)
sie brauchte ein Fremdwort, das mir unbekannt war
etw. anwenden
Beispiele:
alle Vorsicht brauchen
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt [GoetheErlkönig]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

brauchen · Brauch · Brauchtum · brauchbar · Brauchbarkeit · gebrauchen · Gebrauch · mißbrauchen · Mißbrauch · verbrauchen · Verbrauch · Verbraucher
brauchen Vb. ‘nötig haben’, ahd. brūhhan, brūhhen ‘genießen, nutzen, ausüben’ (8. Jh.), mhd. brūchen, asächs. brūkan, mnl. brūken ‘brauchen, genießen’, afries. brūka ‘nötig haben’, aengl. brūcan ‘nützlichen Anteil haben’, engl. to brook ‘gebrauchen’, got. brūkjan ‘genießen, sich erfreuen, gebrauchen’ (germ. *brūk-) zeigen unterschiedliche Flexionsweisen (stark im Aengl., schwach im Got., sonst starke Präsens- und schwache Präteritalformen). Verwandtschaftlich nahe steht wohl lat. fruī ‘genießen, Nutzen ziehen’ und frūx, frūctus (s. ↗Frucht). Das nur aus dem Germ. und Ital. zu erschließende ie. *bhrūg- ‘Frucht, genießen, gebrauchen’ ist vielleicht Gutturalerweiterung des in ↗Brosame (s. d.) und seinen Verwandten mit s-Erweiterung vorliegenden ie. *bhrē̌u-, *bhrū̌- ‘abschaben, abstreifen, zerschlagen, zerbrechen’ (zur Wurzel ie. *bher- ‘mit einem scharfen oder spitzen Werkzeug bearbeiten, schneiden’). Für ie. *bhrūg- könnte daher eine älteste Bedeutung ‘sich Früchte zum Genuß abbrechen oder abstreifen’ erschlossen werden. Die semantische Entwicklung des dt. Verbs führt von ‘nützlichen Anteil haben, genießen’ über ‘nutzen, gebrauchen’ zu seit dem 17. Jh. üblichem ‘nötig haben’. Brauch m. ‘Gewohnheit, Sitte’, ahd. brūh (10./11. Jh.), mhd. brūch. Brauchtum n. ‘volkstümliche Sitten und Gebräuche’ (20. Jh.). brauchbar Adj. ‘geeignet’, spätmhd. brūchbar; dazu Brauchbarkeit f. (18. Jh.). gebrauchen Vb. ‘benutzen, verwenden’, ahd. gibrūhhan, gibrūhhen (11. Jh.), mhd. gebrūchen; Gebrauch m. ‘Verwendung’, mhd. gebrūch. mißbrauchen Vb. ‘in unstatthafter Weise gebrauchen’, ahd. missabrūhhan (9. Jh.), mhd. missebrūchen (s. ↗miß-); Mißbrauch m. (16. Jh.; vgl. ahd. missibrūhhida, 9. Jh.). verbrauchen Vb. ‘völlig verwenden, abnutzen, verschleißen’, ahd. firbrūhhen (10./11. Jh.), mhd. verbrūchen; Verbrauch m. (18. Jh.); Verbraucher m. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bedarf haben · ↗bedürfen · ↗benötigen · brauchen · haben müssen
Assoziationen
Synonymgruppe
erfordern  ●  brauchen  ugs. · nötig haben  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(Zeit) erfordern · (Zeit) in Anspruch nehmen · (eine Zeit) brauchen · ↗(eine Zeit) dauern  ●  ↗(eine Zeit) währen  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) brauchen · (etwas) gebrauchen können · (etwas) vertragen können · (etwas) wird mir guttun

Typische Verbindungen
computergeneriert

Geld Hilfe Land Mensch Minute Stunde Unterstützung Zeit aber also auch da dafür dann dringend du er es gar ich jetzt lange mehr nicht noch nur sie unbedingt wir wirklich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›brauchen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber die meisten brauchen auf Dauer irgend etwas, wodurch das legitimiert wird.
Regener, Sven: Herr Lehmann, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2006 [2001], S. 272
Sie brauchen zum Spielen etwas, worauf sie sich beziehen können.
Die Zeit, 10.12.1998, Nr. 51
Von mir brauchten sie erst gar nicht mehr wach zu werden.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 21.06.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Was sagst Du da, ich brauchte nicht zwölf Jahre dienen?
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 20.04.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Ich freue mich doch so und brauch auch Deine Briefe.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 25.01.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„brauchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/brauchen>, abgerufen am 12.12.2019.

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