breiten

Grammatik Verb · breitet, breitete, hat gebreitet
Aussprache 
Worttrennung brei-ten
Wortbildung  mit ›breiten‹ als Letztglied: ↗ausbreiten · ↗auseinanderbreiten · ↗darüberbreiten · ↗hinbreiten · ↗unterbreiten
 ·  mit ›breiten‹ als Grundform: ↗verbreiten
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben
1.
etw. Zusammengelegtes entfalten und in seiner ganzen Breite auf, über etw. decken, unter etw. legen
Beispiele:
jmdm. eine Decke auf, über, unter die Füße breiten
sie breitete ein Laken über das Bett
ein Nussbaum breitete seine Äste über das Häuschen
bildlich
Beispiele:
die Dämmerung breitete ihre Schatten
Aber von jener Stunde an war eine Traurigkeit über Lenore gebreitet wie erster Nebel des Herbstes über eine schöne Landschaft [ Wasserm.Gänsemännchen244]
2.
die Arme, Flügel breitendie Arme, Flügel nach beiden Seiten ausstrecken, spreizen
Beispiele:
die Henne breitet schützend ihre Flügel (über die Kücken)
gebreitete Schwingen
der Baum breitet seine Äste (= streckt sie nach allen Seiten)
Da breitete er in seiner Verlegenheit ... die Arme [ AndresPortiuncula78]
3.
sich breitensich weithin erstrecken
Beispiele:
eine Ebene, Landschaft, das Meer breitet sich vor dem Wanderer
Nebel breiten sich über den, über dem See
ein Laubdach breitet sich vor dem Haus
eine Schneedecke hatte sich gebreitet
das wehende Grün in den Tälern, / es hat sich für dich nicht gebreitet [ G. Hauptm.HanneleI]
bildlich
Beispiel:
ein Lächeln breitete sich über ihr Gesicht (= wurde sichtbar) [ Feuchtw.Tag61]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

breit · Breite · Breitseite · breiten · verbreiten · verbreitern · breitschlagen
breit Adj. ‘seitlich ausgedehnt, geräumig’, ahd. (um 800), mhd. breit, asächs. brēd, mnd. brēt, mnl. breet, nl. breed, afries. brēd, aengl. brād, engl. broad, anord. breiðr, got. braiþs ist ohne sichere Etymologie. Trier Lehm (1951) 43 versucht, das Adjektiv germ. *braida- zu ie. *bhrei- zu stellen, der Erweiterung einer „Zaun- und Hegewurzel“ ie. *bher-. Er sieht in breit eine alte Bezeichnung für die Weite innerhalb eines umzäunten Raumes, die sich aus der Bedeutung ‘Zaun’ ableite. Breite f. ‘seitliche Ausdehnung’, ahd. breitī(n) (um 800), mhd. breite, aengl. brǣd, got. braidei. Breitseite f. ‘Längsseite eines Schiffes, das Abfeuern aller auf einer Seite befindlichen Geschütze eines Kriegsschiffes’ (16. Jh.). breiten Vb. ‘weit ausstrecken, ausdehnen’, ahd. (um 800), mhd. breiten, asächs. brēdian, aengl. brǣdan, anord. breiða, got. (us)braidjan; nhd. häufiger aus-, verbreiten. verbreiten Vb. ‘bekanntmachen’ (18. Jh.), zunächst verstärktes breiten. verbreitern Vb. ‘breiter machen’ (18. Jh.), Ableitung vom Komparativ breiter. breitschlagen Vb. ‘breit klopfen’, auch ‘Getreidekörner zerschlagen’, bildlich ‘durch Kritik vernichten, überreden’ (18. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›breiten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›breiten‹.

Verwendungsbeispiele für ›breiten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Während der Regisseur das sagt, beugt er sich von hinten über die vier und breitet väterlich seine Arme um sie.
Der Tagesspiegel, 13.08.2001
Bei einer solch zentralen Frage brauchen wir eine breite gesellschaftliche Mehrheit.
Bild, 18.08.1999
In Frieden gebreitet, mit üppigen Feldern glänzte das Land, ein ahnungsloses Kind.
Braun, Lily: Lebenssucher. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 2950
Rot und dunkel breitete sich geronnenes Blut über das Pflaster.
Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 214
Den drei Männern hatte man weiße, große Tücher über die Steine gebreitet.
Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 371
Zitationshilfe
„breiten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/breiten>, abgerufen am 30.11.2020.

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