Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

buhlen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung buh-len
Wortbildung  mit ›buhlen‹ als Erstglied: Buhldirne · Buhler · Buhlerei
 ·  mit ›buhlen‹ als Letztglied: umbuhlen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [abwertend] ⟨um etw. buhlen⟩ sich um etw. schmeichlerisch bewerben
    1. [veraltet] ⟨um jmdn. buhlen⟩ um jmdn. werben
  2. 2. ...
    1. [veraltet, dichterisch] ⟨mit jmdm. buhlen⟩ mit jmdm. kosen
    2. [abwertend] mit jmdm. ein Liebesverhältnis haben
eWDG

Bedeutungen

1.
abwertend um etw. buhlensich um etw. schmeichlerisch bewerben
Beispiele:
um die Gunst der Massen, die Anerkennung der Kritiker, des Publikums buhlen
um Mitleid, Beifall buhlen
veraltet um jmdn. buhlenum jmdn. werben
Beispiel:
mein Töchterchen, ist es denn nicht schön, daß solche schmucke Leute um dich buhlen [ E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,566]
2.
veraltet, dichterisch mit jmdm. buhlenmit jmdm. kosen
Beispiele:
die Winde buhlen mit den Wellen
Leda soll vor euren Augen mit ihrem Schwan buhlen [ Hofmannsth.Gedichte104]
abwertend mit jmdm. ein Liebesverhältnis haben
Beispiel:
Weil die Lindenthal mit dem Fliegergeneral buhlte [ K. MannMephisto313]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Buhle · Nebenbuhler · buhlen
Buhle m. ‘Geliebter’, mhd. buole m. f., mnd. bōle, mnl. nl. boel ‘nahe(r) Verwandte(r), Geliebte(r), Liebhaber’. Herkunft ungewiß. Das Ahd. kennt Buolo, das Aengl. Bōla nur als Männername. Unwahrscheinlich ist eine Verbindung zu balt. l-Ableitungen wie lit. brólis, lett. brālis ‘Bruder’ und ie. *bhrātor-, *bhrāter- (s. Bruder) Vielleicht kann anord. bōl ‘Lagerstätte, Schlafplatz’ als verwandt angesehen werden. Oder Buhle ist (wie vielleicht auch Bube, s. d.) eine der Kindersprache entstammende Koseform. Buhle ist ursprünglich Anrede für einen nahestehenden vertrauten und geliebten Menschen; erst im 15. Jh. erhält es einen pejorativen Beigeschmack (ein bule oder eyn vnrecht weyp oder ein vnrecht man für lat. amāsia bzw. amāsius), doch im alten Sinne von der Dichtung des 18. Jhs. wieder aufgenommen. Buhle mit mask. Genus kann bis ins 17. Jh. sowohl den Geliebten wie auch die Geliebte bezeichnen. Daneben (weniger geläufig) Buhler m. und Buhlerin f. (beide 15. Jh.). Nebenbuhler m. ‘Mitbewerber, Rivale’ (17. Jh.). buhlen Vb. ‘aufdringlich um etw. werben’ (15. Jh.), mhd. buolen ‘lieb haben’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden) hofieren · (sich) bemühen um (jemanden) · (sich) heranmachen (an) · nachlaufen · nachrennen · nachstellen · umschmeicheln · umwerben · werben (um)  ●  (eine) Charmeoffensive (starten)  fig., variabel · (jemandem) den Hof machen  fig. · (sich) ranschmeißen  ugs., salopp · (ständig) herumschleichen (um)  ugs., salopp · buhlen (um)  geh., veraltet · freien (um)  geh., veraltet · hinter jemandem her sein  ugs.
Assoziationen
  • (jemanden) haben wollen · (jemanden) kriegen wollen · (sein) Interesse zeigen · (sich) interessieren für · (sich) interessiert zeigen an · Lust auf (jemanden) · interessiert an  ●  geil auf (jemanden)  derb · heiß auf (jemanden)  ugs. · hinter jemandem her  ugs. · scharf auf (jemanden)  ugs.
  • (einer Frau) nachsteigen · fensterln
  • (eine) Charmeoffensive (starten)  ●  es auf die nette Tour versuchen  ugs. · versuchen, freundlich rüberzukommen  ugs.
  • (sich jemandem) an den Hals werfen · (sich jemandem) aufdrängen  ●  (sich) ranschmeißen (an)  ugs.
Synonymgruppe
(etwas) zu gewinnen suchen · (sich) bemühen (um) · (sich) bemühen, (etwas für sich) zu gewinnen · gewinnen wollen · wetteifern (um)  ●  (etwas) zu gewinnen versuchen  variabel · konkurrieren (um)  Hauptform · buhlen (um)  geh.

Typische Verbindungen zu ›buhlen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›buhlen‹.

Verwendungsbeispiele für ›buhlen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie hatte sich nicht zu bewerben, man buhlte um sie. [Die Zeit, 13.01.2000, Nr. 3]
Inzwischen muß er nicht mehr um das Interesse eines Regisseurs buhlen, er kann sich die Partner aussuchen, mit denen er zusammenarbeiten will. [Die Zeit, 16.02.1996, Nr. 8]
Er buhle nicht um Titel, sondern strebe nur nach der Führung. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1932]]
Der Club hat eine Zeit lang immer darum gebuhlt, geliebt zu werden. [Die Zeit, 26.12.2011, Nr. 52]
Und wenn die Ferkelherde von Kindern nicht um sie buhlen würde! [Bauer, Josef Martin: So weit die Füße tragen, Frankfurt a.M: Fischer 1960 [1955], S. 189]
Zitationshilfe
„buhlen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/buhlen>.

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