bummeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbum-meln
Wortbildung mit ›bummeln‹ als Erstglied: ↗Bummelant · ↗Bummelbahn · ↗Bummelfritze · ↗Bummelleben · ↗Bummelliese · ↗Bummelzug · ↗bummelig · ↗bummlig
 ·  mit ›bummeln‹ als Letztglied: ↗abbummeln · ↗durchbummeln · ↗herumbummeln · ↗losbummeln · ↗rumbummeln · ↗umherbummeln
 ·  mit ›bummeln‹ als Grundform: ↗verbummeln
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich langsam, ziellos spazieren gehen
Beispiele:
ein wenig bummeln
sie wollten durch die Stadt bummeln und Schaufenster ansehen
wir bummelten langsam durch die Gassen zwischen den Buden [BöllWort135]
bummeln gehenausgehen, sich in Lokalen vergnügen
Beispiel:
heute abend wollen wir bummeln gehen
2.
umgangssprachlich eine Tätigkeit in langsamem Tempo ausführen, trödeln
Beispiel:
bummle, bummele nicht so, beeile dich ein bisschen!
3.
salopp faulenzen, nichts tun
Beispiele:
er bummelt, statt zu lernen
er [Wagner] liebte das Bummeln und das Leben an den Stammtischen [BrugschArzt81]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bummeln · Bummel1 · Bommel · Bummel2 · Bummelzug · Bummler · Schlachtenbummler · Bummelant
bummeln Vb. ‘langsam schlendern, nichts tun’. Iterative Bildung in Anlehnung an bim-bam-bum des Glockenschlags, zuerst im Hinblick auf die schwingende Glocke ‘hin und her schwanken, baumeln’ (Anfang 17. Jh.), woraus sich im Nd. im 18. Jh. ‘schlendern, nichts tun’ entwickelt; in der 2. Hälfte des 19. Jhs. bereits allgemein üblich. Zu bummeln ‘baumeln’ gehört Bummel1 f. auch (westd. nordd.) Bommel f. ‘Troddel, Quaste’ (Ende 17. Jh.); zu ↗bummeln ‘schlendern, nichts tun’, ↗baumeln ‘hin und her schaukeln’ (s. d.), Bummel2 m. ‘erholsamer Spaziergang’ (19. Jh., Stadt-, Schaufensterbummel). Bummelzug m. ‘Personenzug’ im Gegensatz zum Eil- oder Schnellzug (2. Hälfte 19. Jh.). Bummler m. ‘umherschlendernder Müßiggänger, wer langsam und träge ist’ (19. Jh.); auch (um 1848) ein leichtfertiges, vom äußeren Schein ausgehendes Schlagwort für den Arbeitslosen. Seit etwa 1870 Schlachtenbummler m. wer als Zuschauer (offiziell als Krankenpfleger oder Berichterstatter) in den Krieg geht, um ihn aus Neugier oder Abenteuerlust mitzuerleben, übertragen auf Sportbegeisterte, die ihre Mannschaft auf fremde Spielplätze begleiten (20. Jh.). Bummelant m. ‘Nichtstuer, Faulpelz’, scherzhaft latinisierende Bildung der Studentensprache (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(Zeit) vertrödeln · (es) langsam angehen lassen · (sich) Zeit lassen · bummeln · die Mühlen der (Justiz/Bürokratie/...) mahlen langsam · langsam sein · ↗trödeln · ↗vertändeln · ↗zögern  ●  vor sich hin trödeln  variabel · ↗(he)rumtrödeln  ugs. · (sich) lange aufhalten mit  ugs. · ↗klüngeln  ugs., veraltend, rheinisch
Assoziationen
  • halbherzig · ↗unentschlossen · ↗unsicher · ↗verhalten · zaudernd · ↗zögerlich · zögernd  ●  ↗zaghaft  Hauptform · ↗schüchtern  geh., fig.
  • (sich) nicht aufraffen könnnen · (sich) zu nichts aufraffen können · in Lethargie verharren · in Untätigkeit verharren · nicht aktiv werden · nicht in die Gänge kommen  ●  (den) Arsch nicht hochkriegen  ugs., fig. · nicht aus dem Quark kommen  ugs., fig. · nicht in die Puschen kommen  ugs., fig.
  • (etwas) geschehen lassen · den Dingen ihren Lauf lassen · nicht aktiv werden (in einer Sache) · nichts machen · nichts tun · nichts unternehmen  ●  (die) Dinge treiben lassen  negativ · (die) Hände in den Schoß legen  fig. · keinen Finger rühren  fig. · tatenlos zusehen  negativ · untätig bleiben  Hauptform
  • (sich irgendwo) herumdrücken · ↗(sich) herumtreiben · ↗herumlungern · ↗herumstehen  ●  ↗(sich) rumtreiben  ugs. · ↗abhängen  ugs. · ↗herumgammeln  ugs. · ↗rumstehen  ugs.
  • (sich) die Zeit vertreiben · Zeit verschwenden · ↗vertrödeln (Zeit) · ↗vertun (seine Zeit) · ↗vertändeln (Zeit)  ●  Zeit totschlagen  ugs.
  • (ganz) gelassen · ↗(ganz) gemütlich · im Schlendergang · in gemütlichem Tempo · in langsamem Tempo · in lässiger Gangart · ↗langsam · ohne (jede) Hektik · ohne die geringste Spur von Eile · ohne die mindeste Eile  ●  ganz entspannt  ugs. · gemessenen Schrittes  geh. · in chilligem Tempo  ugs. · ↗tiefenentspannt  ugs., ironisch
  • (sich) nicht aus der Ruhe bringen lassen · Ruhe bewahren · die Ruhe selbst (sein) · nicht die Nerven verlieren · ruhig bleiben · ↗tiefenentspannt (sein)  ●  cool bleiben  ugs. · die Contenance wahren  geh. · die Ruhe weghaben  ugs., regional · ein starkes Nervenkostüm haben  ugs. · einen kühlen Kopf behalten  ugs. · ruhig Blut bewahren  ugs.
  • bummelig · herumtrödelnd · ohne Eile · ↗saumselig
  • Nachzügler  ●  ↗Bummelant  ugs. · ↗Bummler  ugs. · Zu-spät-Kommer  ugs.
  • bummelig  ugs. · ↗herumtrödeln(d)  ugs. · ↗saumselig  geh., veraltend · ↗säumig  geh. · trödelig  ugs. · verbummelt  ugs.
Synonymgruppe
bummeln · ↗tingeln · ↗tändeln
Assoziationen
Synonymgruppe
bummeln · gemütlich gehen · langsam gehen · ↗schlendern · ↗trollen · ↗trotten · ↗zotteln
Assoziationen
  • (gemütlich) hinterhergeschlendert kommen · (in aller Ruhe) hinterhertrollen · hinterhergeschlichen kommen · ↗hinterhertrotten · langsam hinterherkommen  ●  hinterhergezottelt kommen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Altstadt Arkade City Einkaufsstraße Flohmarkt Friedrichstraße Fußgängerzone Gasse Jungfernstieg Kurfürstendamm Reeperbahn Schaufenster Stadtverkehr Viktualienmarkt Weihnachtsmarkt Wochenmarkt abbummeln durchbummeln entlang entlangbummeln flanieren gemütlich herumbummeln hinunter hinüber shoppen stöbern umher vorbei vorbeibummeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bummeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn die Probleme des Landes wirklich so drängend sind, wie ihr behauptet, dann dürft ihr selbst nicht bummeln!
Der Tagesspiegel, 05.02.2003
Nach dem Kampf werden wir vielleicht noch durch die Stadt bummeln.
Bild, 02.02.1998
Am Nachmittag ging ich etwas in die Stadt bummeln, denn ich hatte weiter nichts zu tun.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1930], S. 374
Ein paar Minuten bummelte ich noch zwischen den schiefen Wänden meiner Stube umher.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26340
Jedenfalls aber glaube ich, daß es für Sie besser und passender wäre, sich irgendwo festzusetzen, statt so durch die Welt zu bummeln.
Kafka, Franz: Amerika. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914], S. 8641
Zitationshilfe
„bummeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bummeln>, abgerufen am 22.05.2019.

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