charakterisieren

GrammatikVerb · charakterisierte, hat charakterisiert
Aussprache
Worttrennungcha-rak-te-ri-sie-ren (computergeneriert)
HerkunftGriechisch
WortzerlegungCharakter-isieren
Wortbildung mit ›charakterisieren‹ als Erstglied: ↗charakterisierbar  ·  mit ›charakterisieren‹ als Letztglied: ↗übercharakterisieren
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdn., etw. in seiner Eigenart treffend schildern
Beispiele:
einen Menschen, eine Persönlichkeit genau, richtig, treffend charakterisieren
der Dichter hat die Gestalten in seinem Roman gut charakterisiert
er charakterisierte ihn als Lügner
jmds. Wesen, Aussehen, Handlungsweise charakterisieren
eine Geschichtsepoche, einen Baustil charakterisieren
eine Situation mit wenigen Worten charakterisieren
Sprachwissenschaft das charakterisierende Beiwort
ein Tier, eine Pflanze charakterisieren (= bestimmen)
2.
etw. charakterisiert etw., jmdn.etw. kennzeichnet etw., jmdn., etw. ist ein typisches Merkmal von etw., jmdm.
Beispiele:
zahlreiche Seen charakterisieren das Landschaftsbild
die Stadt ist durch mittelalterliche Bauwerke charakterisiert
polemische Schärfe charakterisiert das Werk des Dichters
diese Eigenschaft charakterisiert ihn, sein ganzes Wesen
diese Handlungsweise charakterisiert ihn als einen ehrlichen Menschen
[Mißtrauen] das ihn ehrt, da es den echten Künstler charakterisiert [E. T. A. Hoffm.1,513]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Charakter · charakterisieren · charakteristisch · Charakteristik · Charakteristikum
Charakter m. ‘Gesamtheit der Wesenszüge, Eigenart eines Menschen oder einer Sache’, mhd. karacter ‘Buchstabe, Zauberschrift, Merkmal’, von lat. charactēr, griech. charaktḗr (χαρακτήρ) ‘Werkzeug zum Graben, Gravieren, eingeritzter Buchstabe, körperliche und sprachliche Eigenart, Merkmal’, im Lat. auch ‘das den Tieren (auch Sklaven) eingebrannte Erkennungszeichen, der Stempel’, zu griech. charássein (χαράσσειν) ‘spitzen, ritzen, eingraben, prägen’. Die Bedeutung ‘Buchstabe, Zauberzeichen’ ist noch im 18. Jh. nachzuweisen. Die bis ins 19. Jh. bezeugte Verwendung im Sinne von ‘Merkmal, Zeichen’ wird seit dem Ende des 17. Jhs. auf Stand und Rang einer Person (den Charakter eines Sekretärs erhalten) und in zunehmendem Maße seit der 1. Hälfte des 18. Jhs. auf die Gesamtheit ihrer Wesenszüge, auf ihre Eigenart bezogen. Der Charakter ist also im wesentlichen das dem Menschen ‘Eingeritzte, Eingeprägte’ an psychischen und geistigen Eigenarten. Diese Bedeutung liegt bereits im Griech. vor, wird aber im Dt., wohl unter Einfluß von frz. caractère, erneut entwickelt. Auch die Verwendung von Charakter bei Sachobjekten entsteht in der 1. Hälfte des 18. Jhs. charakterisieren Vb. ‘mit einem Zeichen, Merkmal versehen’ (17. Jh.), ‘einen Rang, Titel verleihen’ (17. Jh., anfangs häufig im Part. Prät.), ‘jmdn. oder etw. gemäß seiner Eigenart schildern, darstellen’ (18. Jh.), aus frz. caractériser entlehnt. charakteristisch Adj. ‘kennzeichnend, typisch’ (18. Jh.; unklarer Frühbeleg bei Paracelsus), im 18. Jh. daneben gelegentlich charakterisch. Charakteristik f. im 17. Jh. von frz. caractéristique (subst. Adj.) übernommen, ‘Kennzeichen, Merkmal’ (17. bis 19. Jh.), meist aber ‘Schilderung der Wesenszüge, Merkmale einer Person oder Sache, Charakterisierung’ (seit 18. Jh.). Die Bedeutung ‘Kennzeichen, Merkmal’ wird im 20. Jh. ausschließlich durch Charakteristikum n. ausgedrückt, eine nlat., seit dem 19. Jh. bezeugte Bildung (im 18. Jh. vereinzelt mit griech. Endung Characteristicon).

Thesaurus

Synonymgruppe
beschreiben · charakterisieren · ↗kennzeichnen
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) eigen sein · ↗(jemandem) zukommen · ↗(jemanden) auszeichnen · (jemanden) charakterisieren · ↗(jemanden) kennzeichnen
Synonymgruppe
(ganz gut) charakterisieren · auf einmal erkennbar werden · schlaglichtartig verdeutlichen  ●  ein bezeichnendes Streiflicht werfen auf  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adjektiv Attribut Begriff Eigenart Eigenschaft Epoche Figur Mentalität Merkmal Nichts Persönlichkeit Satz Schaffen Schlagwort Situation Stichwort Stil Strich Typus Verhältnis Wesen Wort Worten als folgendermaßen prägnant selbst treffend trefflich zutreffend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›charakterisieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Allein die Beschreibung der Proben würde die damalige Zeit hinlänglich charakterisieren.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 450
Zugleich muss man den Nutzen des Screenings aber auch als bescheiden charakterisieren.
Der Tagesspiegel, 01.04.2002
Das Stück aber ist charakterisiert durch so reine Dichtung, daß man an ihm nicht vorübergehen sollte.
Die Zeit, 15.01.1962, Nr. 03
Wodurch ist nun die adäquateste Situation gegenüber den anderen charakterisiert?
Goldstein, Kurt: Der Aufbau des Organismus, Den Haag: Nijhoff 1934, S. 227
Durch keinen dieser Modi des Endens läßt sich der Tod als Ende des Daseins angemessen charakterisieren.
Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen: Niemeyer 1986 [1927], S. 237
Zitationshilfe
„charakterisieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/charakterisieren>, abgerufen am 21.03.2019.

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