Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

chillen

Grammatik Verb · chillt, chillte, hat gechillt
Aussprache  [ˈʧɪlən]
Worttrennung chil-len
Herkunft aus gleichbedeutend to chill (out)engl

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [umgangssprachlich] ⟨jmd. chillt⟩ sich entspannen, etw. entspannt genießen
  2. 2. [Jugendsprache, umgangssprachlich] ⟨jmd. chillt (sich, sein Leben)⟩ von einem unangemessenen, innerlich erregten Zustand runterkommen, sich abregen, beruhigen; Ruhe und Gelassenheit in eine Sache hereinbringen
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich jmd. chilltsich entspannen, etw. entspannt genießen
Beispiele:
[Von der Dachterrasse des Bürogebäudes hat man einen wunderschönen Blick über die Stadt.] Außerdem kann man dort frische Luft schnappen und ein bisschen chillen. [Badische Zeitung, 17.12.2021]
Diese [die Planer des Hauses] legen sehr viel Wert auf gemeinschaftliche Räume, wo man zusammen chillen und kochen kann. [Neue Westfälische, 14.12.2021]
Wer arbeiten muss, kann in Coronazeiten nicht einfach chillen. [Äußerung zu Müßiggang in Pandemie, 24.09.2020, aufgerufen am 03.12.2020]
Am Vorsatz »Mehr Sport« wird dennoch eisern festgehalten. Ist doch ganz einfach, Leute: Legt man sich schön gechillt auf die Couch und guckt Vierschanzentournee. [Mittelbayerische, 31.12.2016]
[Früher verbrachte ich laue Sommerabende oft am Hafen]. Manchmal wurde auch der Grill ausgepackt, aber hauptsächlich ging es darum, unter freiem Himmel zu chillen. [Allgemeine Zeitung, 22.12.2016]
Gut, dass wenigstens auf seine beste Freundin Kat […] Verlass ist, mit der er gechillt abhängen und rumalbern kann. [Neue Osnabrücker Zeitung, 12.11.2016]
Sie talken im Gottesdienst, chillen beim Jugendtreff oder falten an den Stränden Griechenlands und Italiens die Hände – die Jugend in der Esterau hat keine Probleme mit der Kirche und die Kirche keine mit ihr. [Rhein-Zeitung, 19.12.2008]
Wenn einem […] alles zu viel wird, chillt man eben mal ne Runde, ehemals hieß das »die Seele baumeln lassen«. [Hamburger Abendblatt, 25.04.2002]
[…] rund um die Schwimmbecken, war die Welt noch in Ordnung: Ausgelassen tanzte, planschte und chillte man zur Musik der Top‑DJs […]. [Bild, 07.09.1998]
Man kann zu ihren [der Band] Tracks klasse headbangen, man kann grooven, man kann Pogo tanzen und schwofen, nur chillen kann man bestimmt nicht. [die tageszeitung, 10.10.1997]
Es ist Open‑End angesagt, […] es kann [also] bis lange in den Sonntag hinein im Freien gechillt, geliebt und getanzt werden. [Berliner Zeitung, 10.07.1997]
2.
Jugendsprache, umgangssprachlich jmd. chillt (sich, sein Leben)von einem unangemessenen, innerlich erregten Zustand runterkommen (3), sich abregen, beruhigen (2); Ruhe und Gelassenheit in eine Sache hereinbringen
Beispiele:
Jetzt chill ich erst mal mein Leben. [Fränkischer Tag, 01.09.2021]
»Nein, jetzt chill mal dein Leben, Mama«, ruft mir mein Spross in feinster jugendlicher Endgelassenheit über den Hörer zu […]. [Allgemeine Zeitung, 11.03.2020]
Alder, chill mal! [Allgemeine Zeitung, 19.09.2019]
Vergesst »chill mal« und bekommt euren Hintern hoch! [Berliner Morgenpost, 01.07.2019]
»Chill mal«, würde mein Sohn jetzt sagen und »Reg dich nicht auf« meinen. [Norddeutsche Neueste Nachrichten, 07.04.2015]
Die Einwände des Erzeugers kontern die Kids, wenn überhaupt, mit einem genervten »Papa, chill doch mal dein Leben!« [Neue Westfälische, 22.03.2016]
Wenn ich »jetzt« sage, meine ich: Alles liegen lassen, aufspringen, los – sofort. Bei meinen Jungs dagegen heißt das: Mal gucken, chill dich mal, das wird schon, geht klar … [Kinsky, Margie: Ich bin so wild nach deinem Erdbeerpudding: Mein Familienleben mit 7 Kerlen. [o. O.]: Albrecht Knaus 2014]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
(es sich) bequem machen · (sich) einen (faulen) Lenz machen · (sich) entspannen · (sich) erholen · ausruhen · faulenzen · herumlungern · nichts tun · untätig sein  ●  (die) Beine hochlegen  auch figurativ · (die) Füße hochlegen  fig. · (ein) Lotterleben (führen)  scherzhaft · (sich) auf die faule Haut legen  ugs. · (sich) festhalten an  ugs., scherzhaft-ironisch · Däumchen drehen  ugs., sprichwörtlich · abchillen  ugs., jugendsprachlich · abflacken  ugs. · abhängen  ugs. · ablockern  ugs. · abschalten  ugs. · abschimmeln  derb · absicken  ugs., jugendsprachlich · chillen  ugs. · flacken  ugs., österr., süddt. · flohnen  ugs., schweiz. · gammeln  ugs. · herumgammeln  ugs. · herumhängen  ugs. · lungern  ugs. · nichts zu tun haben  ugs. · rumfaulenzen  ugs. · rumgammeln  ugs. · rumlungern  ugs.
Assoziationen
  • nichts überstürzen  ●  Eile mit Weile.  Sprichwort · Aus der Ruhe kommt die Kraft.  ugs., Sprichwort · In der Ruhe liegt die Kraft.  ugs., Sprichwort · Nur ned hudle.  ugs., schwäbisch
  • (sich) keinen Zwang antun · (sich) wie zu Hause fühlen · es sich gemütlich machen
  • bequem · entspannt · formlos · gelöst · launig · leger · locker · lässig · unbeschwert · unförmlich · ungezwungen · unverkrampft · zwanglos  ●  chillig  ugs. · geschmeidig  ugs. · relaxed  ugs., engl. · relaxt  ugs. · tiefenentspannt  ugs., ironisch
  • (sich) Zeit nehmen · keine Eile haben (mit) · kleinschrittig vorgehen  ●  (sich) Zeit lassen  Hauptform · (sich) nicht überschlagen  ugs. · eine ruhige Kugel schieben  ugs., Redensart · es ruhig angehen lassen  ugs., Hauptform
  • (etwas) geschehen lassen · den Dingen ihren Lauf lassen · nicht aktiv werden (in einer Sache) · nichts machen · nichts tun · nichts unternehmen  ●  (die) Dinge treiben lassen  negativ · (die) Hände in den Schoß legen  fig. · keinen Finger rühren  fig. · tatenlos zusehen  negativ · untätig bleiben  Hauptform
  • (sich) hängenlassen · (sich) zu nichts aufraffen (können) · darauf warten dass ein Wunder geschieht · darauf warten, dass die Zeit vergeht · nichts tun  ●  (irgendwie) die Zeit rumkriegen  ugs.
  • (sich irgendwo) herumdrücken · (sich) herumtreiben · herumlungern · herumstehen · rumhängen  ●  (sich) rumtreiben  ugs. · abhängen  ugs. · herumgammeln  ugs. · rumlungern  ugs. · rumstehen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›chillen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›chillen‹.

Zitationshilfe
„chillen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/chillen>.

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