dämmern
GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungdäm-mern (computergeneriert)
Wortbildung mit ›dämmern‹ als Erstglied: ↗Dämmerdunkel · ↗Dämmerlicht · ↗Dämmerschein · ↗Dämmerschlaf · ↗Dämmerschoppen · ↗Dämmerstunde · ↗Dämmerung · ↗Dämmerzustand · ↗dämmerdunkel · ↗dämmergrau · ↗dämmerhell · ↗dämmerig · ↗dämmrig
 ·  mit ›dämmern‹ als Letztglied: ↗aufdämmern · ↗dahindämmern · ↗eindämmern · ↗heraufdämmern · ↗hindämmern · ↗hinüberdämmern · ↗wegdämmern
 ·  Ableitung von ›dämmern‹: ↗verdämmern  ·  formal verwandt mit: ↗Abenddämmern · ↗Frühdämmern · ↗Morgendämmern
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
es dämmertes wird allmählich hell oder dunkel
Beispiele:
sie weckte mich am Morgen, als es kaum dämmerte
es dämmerte bereits, als sie von ihrem Spaziergang zurückkehrten
der Tag, Morgen, Abend dämmert (= bricht an)
der dämmernde (= halbdunkle) Garten, Wald
Im Osten tastet sich ein erstes, unwirkliches Dämmern hoch [Hausm.Lampioon51]
2.
übertragen
es dämmert (bei) jmdm. umgangssprachlich eine Erinnerung, Erkenntnis erwacht langsam
Beispiele:
dämmert es (bei) dir jetzt?
es dämmert mir wieder, langsam
etw. dämmert jmdm.etw. erwacht bei jmdm.
Beispiele:
ihm dämmerte eine Ahnung, die Erinnerung
mir dämmert manches
In Kitty dämmerte jetzt allmählich eine außerordentliche Erfahrung [KlugeKortüm222]
3.
in einem Dämmerzustand sein
Beispiele:
der Kranke dämmerte schon wieder
der alte Mann dämmerte vor sich hin
sie schlief nicht, sie dämmerte nur
bildlich
Beispiel:
Landschaften, die vor einem Menschenalter noch selig frei im Namenlosen dämmerten [St. ZweigSternstunden56]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Dämmerung · dämmern · Dämmer · dämmerig · dämmrig · Götterdämmerung
Dämmerung f. ‘Halbdunkel kurz nach Untergang oder vor Aufgang der Sonne’, seit Mitte des 18. Jhs. auch ‘schwaches, gedämpftes Licht’, ahd. themarunga (11. Jh.), mhd. demerunge, wohl abgeleitet (zur Möglichkeit denominativer -ung-Bildungen in älterer Zeit vgl. Henzen Wortbildung ³179 und Kurth in: PBB (H) 78 (1956) 310 f.) von dem früh untergegangenen gleichbed. Substantiv ahd. themar n. (9. Jh.), wozu noch mhd. gedemer n. neben demere f. Die Substantivbildungen sind verwandt mit asächs. thim ‘dunkel’, ahd. thinstar (8. Jh.; auch ahd. finstar, s. ↗finster), mnl. deemster ‘finster’ und wohl auch nhd. ↗diesig (s. d.); sie gehören wie aind. támaḥ, lat. tenebrae, air. temel, aslaw. tьma, russ. t’ma (тьма) ‘Finsternis, Dunkel’, lat. temere ‘blindlings’ zur Wortgruppe der Wurzel ie. *tem(ə)- ‘dunkel’. Nicht direkt an ahd. themar anzuschließen, sondern vielleicht zu (als deverbative Ableitung aufgefaßtem?) Dämmerung gebildet ist das erst in der 1. Hälfte des 17. Jhs. nachweisbare dämmern Vb. ‘allmählich hell oder dunkel werden’ (übertragen von Erkenntnissen, Erinnerungen ‘hervortreten, Gestalt annehmen’, 18. Jh.), das seinerseits Grundlage wird für das postverbale, nicht mit ahd. themar identische Substantiv Dämmer m. n. ‘Dämmerung’ (70er Jahre des 18. Jhs., wie Dämmerung und dämmern häufig in der Dichtung des Sturm und Drang und der Empfindsamkeit) und für dämmerig, dämmrig Adj. ‘halbdunkel’ (Mitte 18. Jh., die heute ungebräuchlichen älteren Formen dämmericht und dämmerlich, beide 17. Jh., verdrängend). Götterdämmerung f. ‘Untergang der Götter und Weltbrand’ (nach der germanischen Mythologie), durch Wagners Operntitel (1853) bekannt gewordene, zuerst bei Denis (1772) vorkommende Übersetzung von anord. ragnarøkkr (anord. røkkr ‘Dunkel’), einer in der Lokasenna und in der Prosa-Edda belegten Umdeutung von anord. ragnarǫk Plur. ‘Götterschicksal’ (anord. regin ‘Götter, Beratende’, rǫk ‘Grund, Verlauf, Schicksal’).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ahnung Dornröschenschlaf Einsicht Erkenntnis Grünen Halbschlaf Horizont Letzten Morgen Verantwortlichen allmählich aufdämmert dahin dahindämmert draußen dösen eindämmern entgegendämmert herandämmert herauf heraufdämmert hin hindämmert hinwegdämmert hinüberdämmert irgendwann langsam umdämmert vordämmert wegdämmert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dämmern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber die sind vorbei; nur dämmert das immer noch nicht allen.
Der Tagesspiegel, 11.02.1998
Es dämmert schon, so daß man die Hand kaum vor Augen sehen kann.
Süddeutsche Zeitung, 31.05.1997
Es dämmerte, als wir endlich fähig waren, uns voneinander zu lösen.
Hein, Christoph: Horns Ende, Hamburg: Luchterhand 1987 [1985], S. 142
Trauliche Winkel dämmern, stille Gänge laufen fort, weite Zimmer schimmern im Raum.
Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8915
Der lebende Morgen aber ist nicht nur sehnend, sondern tätig dämmernd.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 3, Berlin: Aufbau-Verl. 1956, S. 78
Zitationshilfe
„dämmern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dämmern>, abgerufen am 21.04.2018.

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