dämpfen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungdämp-fen
Wortbildung mit ›dämpfen‹ als Erstglied: ↗Dämpfeinsatz · ↗Dämpferei  ·  mit ›dämpfen‹ als Letztglied: ↗abdämpfen · ↗aufdämpfen · ↗ausdämpfen · ↗eindämpfen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Nahrungsmittel im Dampf gar machen
Beispiele:
Fisch, Gemüse, Kartoffeln dämpfen
gedämpftes Fleisch
2.
etw. mit Dampf behandeln
Beispiel:
Kleidungsstücke, Stoffe, Holz dämpfen
3.
Technik
Beispiel:
einen Hochofen dämpfen (= zeitweise außer Betrieb setzen)
4.
einen starken Sinneseindruck mildern
a)
etw. leiser machen
Beispiele:
den Lärm dämpfen
seine Stimme, den Schall dämpfen
dicke Teppiche dämpften den Schritt
gedämpftleise
Grammatik: häufig im Part. Prät.
Beispiele:
sich gedämpft unterhalten
mit gedämpfter Stimme sprechen
ein gedämpftes Lachen
gedämpfte Schmerzenslaute
die Geräusche dringen nur gedämpft herein
Es geht bei gedämpfter Trommel Klang [Chamisso3,186]
b)
Beispiele:
gedämpfte (= matte) Farben
in der Kirche herrschte gedämpftes Licht
Über dem Mittelgang hingen drei elektrische Birnen, die hinterste brannte, von einer blauen Tüte gedämpft [A. ZweigErziehung357]
c)
übertragen etw. abschwächen
Beispiele:
die Schmerzen, das Fieber dämpfen
jmds. Begeisterung, Übermut, Vorwitz, Aufregung, Zorn, Heiterkeit dämpfen
etw. dämpft jmds. Freude, Leidenschaft, Zuversicht, Erwartung
veraltendeinen Aufruhr, den Aufstand dämpfen (= eindämmen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Dampf · dämpfen · dampfen · Dämpfer · Dampfschiff · Dampfer · Dampfmaschine
Dampf m. ‘Dunst, Nebel’. Das westgerm. Substantiv ahd. thamph (10. Jh.), mhd. dampf, tampf ‘Dampf, Dunst, Rauch’ (daneben mit anderer Stammbildung ahd. thampho, 11. Jh., thempho, Hs. 13. Jh., mhd. dampfe ‘schwerer Katarrh, krankhafter Erstickungszustand’, im Nhd. in Form und Flexion mit Dampf zusammenfallend; s. auch ↗dumpf) und gleichbed. mnd. mnl. nl. afries. engl. damp (westgerm. *damp-) gehört als ablautende Bildung zu einem in mhd. frühnhd. dimpfen ‘dampfen, rauchen’ erhaltenen starken Verb, das sich (mit p-Erweiterung im Germ.) zu der auch für ↗dunkel (s. d.) sowie für aind. dhámati ‘bläst’, mir. dem ‘dunkel, schwarz’, aslaw. dǫti ‘blasen, fauchen’, russ. dut’ (дуть) ‘blasen, wehen’ oder das erste Kompositionsglied von griech. themerṓpis (θεμερῶπις) ‘finster blickend, mit ernstem Gesicht’ vorauszusetzenden Wurzel ie. *dhem(ə)- ‘blasen, dampfen, rauchen, dunkel’ stellt. dämpfen Vb. ‘abschwächen, mildern’, auch ‘mit Dampf behandeln, gar machen’, ahd. themphen (8. Jh.), mhd. dempfen ‘würgen, ersticken, unterdrücken, auslöschen’ (spätmhd. außerdem ‘abschwächen, mildern’) ist eine Kausativbildung zu dem in mhd. frühnhd. dimpfen (s. oben) vorliegenden Verb; in der jüngeren Bedeutung ‘mit Dampf, Rauch behandeln’ (15. Jh.) schließt es sich an das Substantiv Dampf an, von dem auch dampfen Vb. ‘Dampf entwickeln, abgeben’ (Mitte 17. Jh.) abgeleitet ist. Dämpfer m. ‘Vorrichtung zum Abschwächen des Tones und zur Veränderung des Klanges bei Musikinstrumenten’ (2. Hälfte 18. Jh.), als Gerätebezeichnung zu dämpfen ‘abschwächen, mildern’ gebildet (zuvor Nomen agentis im Sinne von ‘Unterdrücker, Bezwinger’, 16./17. Jh.), übertragen in der Wendung einen Dämpfer aufsetzen ‘in die Schranken weisen, mäßigen’. Dampfschiff n. ‘mit Dampf betriebenes Schiff’ (um 1815), nach engl. steamship; dazu (wie engl. steamer) die Kurzform Dampfer m. (Mitte 19. Jh.), anfangs auch Dämpfer, so später noch vereinzelt im Obd., während sich die umlautlose Form unter nd. Einfluß durchsetzt. Dampfmaschine f. ‘mit Wasserdampf betriebene Kraftmaschine’ (Lichtenberg 1775), Übersetzung von engl. steam-engine; schon vorher (seit Mitte 18. Jh.) gelegentlich Bezeichnung für andere technische Hilfsmittel.

Thesaurus

Synonymgruppe
abmildern · ↗abschwächen · ↗drosseln · dämpfen · ↗mildern · ↗neutralisieren · ↗schwächen
Synonymgruppe
dämpfen · ↗schmälern · ↗trüben
Synonymgruppe
(etwas) herunterfahren · ↗absenken · dämpfen · ↗einschränken · ↗ermäßigen · ↗erniedrigen · ↗herabsetzen · herunterfahren mit · heruntergehen mit · ↗heruntersetzen · ↗kürzen · ↗mindern · ↗nachlassen · ↗reduzieren · ↗schmälern · ↗senken · ↗unterbieten · ↗verkleinern  ●  ↗zurückfahren  fig. · herunter schrauben  ugs. · ↗herunterschrauben  ugs. · runterfahren  ugs. · ↗runtergehen  ugs.
Assoziationen
  • (stark) einbrechen  fig., variabel · (stark) sinken (Kurse, Preise)  Hauptform · ↗abstürzen  fig. · in den Keller rauschen  fig. · in den Keller gehen  ugs., fig.
  • (durch gewaltsamen Eingriff) stark vermindern · ↗dezimieren · ↗verringern
Synonymgruppe
dämpfen · ↗dünsten · ↗garen · ↗kochen · ↗schmoren
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anstieg Aufprall Aufregung Befürchtung Begeisterung Erwartung Euphorie Freude Geräusch Hoffnung Inflation Kauflust Konjunktur Konsum Nachfrage Optimismus Preisanstieg Preisauftrieb Reiselust Rentenanstieg Schall Schwingung Spekulation Stimmung Unmut Wirtschaftswachstum Zinserhöhung Zinssenkung abdämpfen Ölpreis

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dämpfen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Insgesamt blickt das Unternehmen gedämpft optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Jahr.
Die Welt, 17.04.2002
Und den werden nicht alle bestehen können, dämpft Lotz eventuelle Erwartungen.
Der Tagesspiegel, 18.11.1996
Entsprechend der Geschwindigkeit, mit der dies geschieht, bezeichnet man den Raum als mehr oder weniger stark gedämpft.
o. A.: N. In: Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 7041
Der ständige Zwang, sich zu beherrschen, dämpft, kühlt ab, unterkühlt.
Beckenbauer, Franz: Einer wie ich, München: Wilhelm Heyne Verlag 1977, S. 250
Er setzte blau gegen rot und dämpfte nur hin und wieder mit einem matten Braun.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 1020
Zitationshilfe
„dämpfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dämpfen>, abgerufen am 16.12.2019.

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