Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

dünkelhaft

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung dün-kel-haft
Wortzerlegung Dünkel -haft
Wortbildung  mit ›dünkelhaft‹ als Erstglied: Dünkelhaftigkeit
eWDG

Bedeutung

abwertend eingebildet, hochmütig
Beispiele:
ein dünkelhafter Mensch, Gelehrter, Künstler
jmd. hat ein dünkelhaftes Auftreten, Benehmen, einen dünkelhaften Ton
er wurde in seinen letzten Lebensjahren immer dünkelhafter
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dünken · Dünkel · dünkelhaft
dünken Vb. ‘scheinen, den Anschein haben’ (mir, mich dünkt), (reflexiv) ‘sich halten für, sich vorkommen als’, ahd. thunken (8. Jh.), mhd. dunken ‘scheinen’, asächs. thunkian, mnd. dünken, mnl. nl. dunken, afries. thinza, aengl. þyncan, anord. þykkja ‘dünken, scheinen, gefallen’, schwed. tycka, got. þugkjan ‘dünken, meinen’ steht als schwundstufige Bildung (germ. *þunkjan) neben dem unter denken (s. d.) genannten Verb. Wie bei denken zeigt das Präteritum in alter Zeit n-Ausfall und Ersatzdehnung des Vokals, vgl. ahd. thūhta, mhd. dūhte, im Nhd. dagegen, ausgeglichen nach dem Präsens und Infinitiv, dünkte, bereits mhd. dunkte, dünkte neben dūhte (um 1300). Dünkel m. ‘eingebildeter Stolz, vermeintliche Überlegenheit’ (1. Hälfte 16. Jh., geläufig seit Mitte 18. Jh.), anfangs auch ‘subjektive Meinung, Vorstellung’. Das wahrscheinlich von Luther gebildete Substantiv ersetzt mhd. dunc ‘das Bedünken’. dünkelhaft Adj. ‘überheblich, eingebildet’ (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
angeberhaft · angeberisch · aufschneiderisch · dünkelhaft · großmundig · großsprecherisch · großspurig · großtuerisch · nicht gerade schüchtern · prahlerisch · protzig · prätentiös · vollmundig · wichtigtuerisch  ●  dick aufgetragen  ugs. · großkotzig  ugs. · großmäulig  derb · großschnauzig  derb
Assoziationen
Synonymgruppe
anmaßend · arrogant · eingebildet · hochmütig · hochnäsig · hält sich für sonst wen · sehr von sich (selbst) eingenommen · stolz · vermessen · versnobt · überheblich  ●  auf dem hohen Ross sitzen  fig., Redensart · dünkelhaft  veraltet · hoffärtig  veraltet · aufgeblasen  ugs. · blasiert  geh. · breitspurig  ugs. · hybrid  geh. · hält sich für Gott weiß wen  ugs. · hält sich für den Größten  ugs., männl. · hält sich für die Größte  ugs., weibl. · hält sich für was Besonderes  ugs. · hält sich für was Besseres  ugs. · kennt (auch) keine kleinen Leute mehr  ugs., scherzhaft-ironisch · trägt die Nase hoch  ugs., fig.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›dünkelhaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihr Bild von sich selbst ist also zugleich unterentwickelt und äußerst dünkelhaft. [Süddeutsche Zeitung, 10.06.1998]
Das sei ein wahrhaft modernes Konzept, weit weg von der dünkelhaften Haltung großer Museen. [Süddeutsche Zeitung, 27.09.1996]
Er möchte diese Tagträumer retten, aber sie lassen es, dünkelhaft und dumm, nicht zu. [Süddeutsche Zeitung, 26.07.1995]
Diese führt, so zornig wie selbstgerecht und dünkelhaft, weg von den Vorfahren. [Die Zeit, 07.05.2003, Nr. 19]
Und die, wohlhabend und dünkelhaft, hielten das Kind von dem in ihren Augen unwürdigen Zufallserzeuger fern. [Süddeutsche Zeitung, 03.08.1996]
Zitationshilfe
„dünkelhaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/d%C3%BCnkelhaft>.

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