dünken

GrammatikVerb · dünkt, dünkte, hat gedünkt
Nebenform veraltend dünken · Verb · dünkt, deuchte, hat gedeucht
Aussprache
Worttrennungdün-ken
Wortbildung mit ›dünken‹ als Grundform: ↗bedünken  ·  formal verwandt mit: ↗Gutdünken
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben
1.
es dünkt mich, mires scheint mir
Beispiele:
mich, mir dünkt, es wird schon herbstlich
es dünkte ihn, ihm gut, in der Ordnung, hier zu helfen
Ein alter Mann, der neben ihm stand, sah ihn an – haarscharf, wie ihm dünkte [SeghersSiebtes Kreuz4,205]
Hier lieg ich, mich dünkt es der Gipfel der Welt [Hofmannsth.Gedichte14]
Dieser Sonntag deuchte ihm unerhört festlich [H. MannUntertan4,21]
veraltet
Grammatik: »deucht« im Präs.
Beispiele:
Mir deucht, man nannt' Euch mir [SchillerTellIV 1]
Auch dir ist schaurig, wie mich deucht [BeethovenFidelioI 10]
2.
abwertend sich etw. dünkensich etw. einbilden, eine übertrieben hohe Meinung von sich selbst haben
Beispiele:
sich etw. Besseres, besser, unentbehrlich, weise dünken
sie dünkt sich zu fein zu dieser, für diese Arbeit
Er dünkte sich was Wunder, wenn er als Stadtvater und Parteiführer mit Schulden abschnitt [H. MannUntertan4,411]
Das Weib dünkt sich groß zu sein [MozartZauberflöteII 1]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dünken · Dünkel · dünkelhaft
dünken Vb. ‘scheinen, den Anschein haben’ (mir, mich dünkt), (reflexiv) ‘sich halten für, sich vorkommen als’, ahd. thunken (8. Jh.), mhd. dunken ‘scheinen’, asächs. thunkian, mnd. dünken, mnl. nl. dunken, afries. thinza, aengl. þyncan, anord. þykkja ‘dünken, scheinen, gefallen’, schwed. tycka, got. þugkjan ‘dünken, meinen’ steht als schwundstufige Bildung (germ. *þunkjan) neben dem unter ↗denken (s. d.) genannten Verb. Wie bei denken zeigt das Präteritum in alter Zeit n-Ausfall und Ersatzdehnung des Vokals, vgl. ahd. thūhta, mhd. dūhte, im Nhd. dagegen, ausgeglichen nach dem Präsens und Infinitiv, dünkte, bereits mhd. dunkte, dünkte neben dūhte (um 1300). Dünkel m. ‘eingebildeter Stolz, vermeintliche Überlegenheit’ (1. Hälfte 16. Jh., geläufig seit Mitte 18. Jh.), anfangs auch ‘subjektive Meinung, Vorstellung’. Das wahrscheinlich von Luther gebildete Substantiv ersetzt mhd. dunc ‘das Bedünken’. dünkelhaft Adj. ‘überheblich, eingebildet’ (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) vorkommen (als ob) · (sich) anfühlen wie · (sich) darstellen (als) · (sich) präsentieren (als) · Eindruck machen (als ob) · ↗anmuten · ↗erscheinen · ↗scheinen · ↗wirken  ●  dünken  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Wahrheit doch endlos erhaben es fein fern gefährlich genug ich ihr interessant kalt klug manchmal reich schlau schlimm schön seltsam unerträglich unwahrscheinlich vornehm was wert wertvoll wir überlegen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dünken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wieder einmal zieht eine geschichtsfeindliche Generation gegen die Literatur zu Felde und dünkt sich herrlich wie am ersten Tag.
Die Zeit, 14.03.1969, Nr. 11
Als er daheim anlangte, dünkte die Hand ihm fast leer.
Bergengruen, Werner: Der letzte Rittmeister, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1956 [1952], S. 202
Weil sie tot ist, dünkt er sich über sie erhaben.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 161
Mich dünkt, es ist überflüssig, darüber viel Worte zu verlieren.
Bühler, Karl: Die Krise der Psychologie, Jena: G. Fischer 1929 [1927], S. 9
Der Plan, den er seiner Belegschaft vorgelegt hat, dünkt ihm ganz normal.
Süddeutsche Zeitung, 20.07.2004
Zitationshilfe
„dünken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dünken>, abgerufen am 08.12.2019.

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