Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

dünken

Grammatik Verb · dünkt, dünkte, hat gedünkt
Nebenform veraltend dünken · Verb · deuchte, hat gedeucht
Aussprache 
Worttrennung dün-ken
Wortbildung  mit ›dünken‹ als Grundform: bedünken  ·  formal verwandt mit: Gutdünken

Bedeutungsübersicht+

  1. [gehoben] ...
    1. 1. ⟨es dünkt mich, mir⟩ es scheint mir
    2. 2. [abwertend] ⟨sich etw. dünken⟩ sich etw. einbilden, eine übertrieben hohe Meinung von sich selbst haben
eWDG

Bedeutung

gehoben
1.
es dünkt mich, mires scheint mir
Beispiele:
mich, mir dünkt, es wird schon herbstlich
es dünkte ihn, ihm gut, in der Ordnung, hier zu helfen
Ein alter Mann, der neben ihm stand, sah ihn an – haarscharf, wie ihm dünkte [ SeghersSiebtes Kreuz4,205]
Hier lieg ich, mich dünkt es der Gipfel der Welt [ Hofmannsth.Gedichte14]
Dieser Sonntag deuchte ihm unerhört festlich [ H. MannUntertan4,21]
veraltet
Grammatik: »deucht« im Präsens
Beispiele:
Mir deucht, man nannt' Euch mir [ SchillerTellIV 1]
Auch dir ist schaurig, wie mich deucht [ BeethovenFidelioI 10]
2.
abwertend sich etw. dünkensich etw. einbilden, eine übertrieben hohe Meinung von sich selbst haben
Beispiele:
sich etw. Besseres, besser, unentbehrlich, weise dünken
sie dünkt sich zu fein zu dieser, für diese Arbeit
Er dünkte sich was Wunder, wenn er als Stadtvater und Parteiführer mit Schulden abschnitt [ H. MannUntertan4,411]
Das Weib dünkt sich groß zu sein [ MozartZauberflöteII 1]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dünken · Dünkel · dünkelhaft
dünken Vb. ‘scheinen, den Anschein haben’ (mir, mich dünkt), (reflexiv) ‘sich halten für, sich vorkommen als’, ahd. thunken (8. Jh.), mhd. dunken ‘scheinen’, asächs. thunkian, mnd. dünken, mnl. nl. dunken, afries. thinza, aengl. þyncan, anord. þykkja ‘dünken, scheinen, gefallen’, schwed. tycka, got. þugkjan ‘dünken, meinen’ steht als schwundstufige Bildung (germ. *þunkjan) neben dem unter denken (s. d.) genannten Verb. Wie bei denken zeigt das Präteritum in alter Zeit n-Ausfall und Ersatzdehnung des Vokals, vgl. ahd. thūhta, mhd. dūhte, im Nhd. dagegen, ausgeglichen nach dem Präsens und Infinitiv, dünkte, bereits mhd. dunkte, dünkte neben dūhte (um 1300). Dünkel m. ‘eingebildeter Stolz, vermeintliche Überlegenheit’ (1. Hälfte 16. Jh., geläufig seit Mitte 18. Jh.), anfangs auch ‘subjektive Meinung, Vorstellung’. Das wahrscheinlich von Luther gebildete Substantiv ersetzt mhd. dunc ‘das Bedünken’. dünkelhaft Adj. ‘überheblich, eingebildet’ (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) erscheinen (als / wie) · (jemandem) vorkommen (als ob) · (sich) anfühlen wie · (sich) darstellen (als) · (sich) präsentieren (als) · Eindruck machen (als ob) · scheinen · wirken (wie)  ●  anmuten (wie)  geh. · dünken  geh., veraltet

Typische Verbindungen zu ›dünken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dünken‹.

Verwendungsbeispiele für ›dünken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als er daheim anlangte, dünkte die Hand ihm fast leer. [Bergengruen, Werner: Der letzte Rittmeister, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1956 [1952], S. 202]
Weil sie tot ist, dünkt er sich über sie erhaben. [Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 161]
Mich dünkt, es ist überflüssig, darüber viel Worte zu verlieren. [Bühler, Karl: Die Krise der Psychologie, Jena: G. Fischer 1929 [1927], S. 9]
Sie dünkt denen, die zu kurz atmen, um mitatmen zu können, als ein Mangel. [Die Fackel [Elektronische Ressource], 2002 [1921]]
Vielleicht, dünkt es Anda, hatte sich die CIA dafür interessiert? [Die Zeit, 27.01.2005, Nr. 05]
Zitationshilfe
„dünken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/d%C3%BCnken>.

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