dürr

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›dürr‹ als Erstglied: ↗Dürrholz · ↗Dürrkräutler  ·  mit ›dürr‹ als Letztglied: ↗klapperdürr · ↗knochendürr · ↗rasseldürr · ↗spindeldürr · ↗stockdürr · ↗zaundürr
 ·  mit ›dürr‹ als Grundform: ↗Dürre
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
sehr trocken, verdorrt
Beispiele:
dürre Zweige, Blätter
dürres Holz, Gras, Laub
ein dürrer Ast
Wieviel Zeiten wird es währen, / bis der dürre Stecken grünt [Bergengr.Dies irae39]
sehr trocken und dadurch unfruchtbar
Beispiele:
dürres Land
auf dem dürren Boden wächst wenig
Moorwasser, das war fett. Das würde dem dürren Sand zugute kommen [ViebigErde49]
2.
sehr mager
Beispiele:
lang und dürr sein
ein altes, dürres Männchen
salopp er ist ein dürres Gerippe
dürre Beine, Finger
eine dürre Hand
Baumlang und dürr ragte er neben mir auf [O. M. GrafMitmenschen87]
3.
übertragen nüchtern, knapp
Beispiele:
umgangssprachlich jmdm. etw. mit, in dürren Worten (= ohne Umschweife) sagen
ein dürres Schema
Einige dürre Worte des Aufsehers: »Mitkommen! Aufstehen! Schneller arbeiten!« [FalladaJeder stirbt518]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dürr · Dürre
dürr Adj. ‘mager, trocken’, ahd. thurri ‘dürr, trocken’ (8. Jh.), mhd. dürre ‘trocken, mager’ (weil ‘ausgetrocknet’), mnd. dörre ‘welk, trocken’, mnl. dorre, nl. dor ‘unfruchtbar, trocken’, aengl. þyrre, anord. þurr, got. þaúrsus. Germ. *þurzu- ist verwandt mit ↗dorren, ↗dörren und ↗Durst (s. d.); sie gehen alle auf die Wurzel ie. *ters- ‘trocken, verdorren; trocken; Durst, dürsten’ bzw. deren Schwundstufe ie. *tṛs- zurück. Außergerm. Verwandte sind aind. tṛ́ṣyati ‘dürstet, lechzt’, tṛṣṭáḥ ‘rauh, hart, heiser’, eigentlich ‘ausgetrocknet’ (s. ↗Durst), tṛṣúḥ ‘gierig, heftig’ (entspricht formal, nur mit anderer Betonung, got. þaúrsus, s. oben), tarṣaḥ ‘Durst, Begierde’, griech. térsesthai (τέρσεσθαι) ‘trocken werden’, lat. torrēre ‘dörren’, torridus ‘ausgetrocknet, dürr’, terra ‘Erde’, eigentlich ‘die Trockene’, air. tart ‘Durst’. dürr, dorren und dörren zeigen gegenüber Durst grammatischen Wechsel von s und r. Dürre f. ‘Trockenheit, Unergiebigkeit’, ahd. thurrī ‘Dürre, Wüste’ (9. Jh.), mhd. dürre ‘Trockenheit, trockener Boden’. In Dörrfleisch, -gemüse, -obst (alle 19. Jh.) gehört das erste Kompositionsglied als landschaftliche Variante zu dürr, nicht zu dörren.

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
dünn · dürr · ↗hager · ↗knochig · ↗mager · ↗schlaksig · ↗schmal · ↗schmächtig  ●  ↗untergewichtig  medizinisch · ↗dystroph  fachspr., griechisch · ↗leptosom  fachspr. · nichts auf den Rippen haben  ugs. · nichts zuzusetzen haben  ugs. · ↗spillerig  ugs., norddeutsch
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Hänfling · Schmächtling  ●  ↗Hering  ugs. · ↗Kümmerling  ugs. · Mickerling  ugs. · ↗Schmachtlappen  ugs., rheinisch · ↗Spargeltarzan  ugs. · Spinnewipp  ugs., ruhrdt., veraltet · ↗Spucht  ugs., norddeutsch · Strich in der Landschaft  ugs. · halbe Portion  ugs. · schmales Handtuch  ugs.
  • gertenschlank · rank und schlank · ↗schlank · schlank wie eine Gerte · schlank wie eine Tanne · ↗superschlank  ●  ↗rank  veraltet
  • an Mangelernährung leidend · fehlernährt · mangelernährt · nicht genug zu essen bekommen · schlecht ernährt · ↗unterernährt · vom Fleisch gefallen sein · zu wenig zu essen bekommen  ●  (jemanden) bei schmaler Kost halten  geh., veraltet
  • (stark) unterernährt · ↗(stark) untergewichtig · ↗Hungerleider · abgemagert · ↗abgemergelt · ↗abgezehrt · ↗ausgehungert · ausgemergelt · ausgezehrt · ↗hohlwangig · ↗magersüchtig  ●  (die) Rippen einzeln zählen können (bei jemandem)  ugs. · (nur noch ein) Schatten seiner selbst  ugs. · (nur noch) Haut und Knochen  ugs. · (wie ein) lebender Leichnam (aussehen/herumlaufen)  ugs. · (wie ein) wandelndes Gerippe  ugs. · (wie eine) Leiche auf Urlaub  ugs. · (wie eine) wandelnde Leiche  ugs. · (wie) sein eigener Schatten  ugs. · ↗eingefallen  ugs. · ↗halb verhungert  ugs. · ↗klapperdürr  ugs. · ↗klapprig  ugs. · ↗knochendürr  ugs. · ↗marantisch  fachspr., medizinisch · ↗marastisch  fachspr., medizinisch · ↗morbid  geh. · ↗spindeldürr  ugs. · vom Fleisch gefallen  ugs.
  • (kräftig) zulegen · an Gewicht zulegen · ↗ansetzen · dick(er) werden · in die Breite gehen · ↗zunehmen  ●  mehr werden  ironisch · (etwas) auf die Rippen kriegen  ugs.
  • hat ihr Idealgewicht · hat sein Idealgewicht · ↗normalgewichtig
  • feingliedrig · ↗schlankgliedrig · von zartem Körperbau · von zierlichem Körperbau · ↗zart (aufwertend) · zart gebaut · ↗zartgliedrig (aufwertend)  ●  ↗zierlich  Hauptform
  • hoch aufgeschossen · ↗schlaksig  ●  ↗(ein) Schlaks  ugs. · (ein) langes Ende  ugs. · ↗(eine) Bohnenstange  ugs., fig. · langer Lulatsch  ugs.
  • (anderen) auf den Kopf spucken können · ↗(ein) Riese · ↗baumlang · ↗groß · ↗hoch gewachsen · ↗hochgewachsen · mit Gardemaß · ↗stattlich · von Gardemaß · von hohem Wuchs  ●  ↗(ein) Turm  fig. · ↗lang  ugs.
  • (ein) (ganz) Langer  ugs. · (eine) (ganz) Lange  ugs. · (und) dann kam eine lange Dürre  ugs., Spruch, scherzhaft · ↗Bohnenstange  ugs., fig. · Heugeige  ugs., österr., fig. · ↗Hopfenstange  ugs., fig. · langer Lulatsch  ugs. · langes Elend  ugs., ironisch · langes Gereck  ugs., regional · langes Gestell  ugs.
  • Hungerkünstler  fig. · man kann alle Rippen (einzeln) zählen (bei)  variabel · nichts zwischen den Rippen haben  variabel · (an jemandem ist) nichts dran  ugs. · (ein) Haufen Knochen  ugs. · (ein) Strich in der Landschaft  ugs. · (ein) schmales Handtuch  ugs., regional · (ein) wandelndes Gerippe  ugs. · (nur noch) Haut und Knochen  ugs. · Hungerhaken  ugs. · ↗Klappergestell  ugs. · ↗Knochengestell  ugs., fig.
  • von zartem Körperbau · zartes Wesen  ●  ↗Elfe  fig. · ↗Reh  fig. · Rehlein  fig. · ätherisches Wesen  geh.
Synonymgruppe
arid · dürr · nicht feucht · ↗niederschlagsarm · ↗trocken · ↗wasserarm · ↗wüstenhaft
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ast Aufzählung Busch Faktum Gerippe Gerüst Gestrüpp Gezweig Geäst Gras Grasbüschel Halm Hochebene Klepper Kommuniqué Laub Model Männchen Männlein Presseerklärung Pressemitteilung Reisig Statement Stecken Steppe Strauch Wort Zeile Zweig ausgemergelt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dürr‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die dürren Äste, die er daraufgeschichtet hat, brennen glücklicherweise auch an.
Süddeutsche Zeitung, 02.07.2002
Das dürre Mädchen, das ihn zuvor von seinem Platz hatte verscheuchen wollen, stellte ihm wortlos ein neues Bier hin.
Regener, Sven: Herr Lehmann, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2006 [2001], S. 40
Die Steigerung der Produktivität bei Ford liest sich in dürren Zahlen tatsächlich wie ein Märchen.
Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 375
Doch sind die dürren Zeiten durchaus kein typisch amerikanisches Bild.
Die Zeit, 21.09.1973, Nr. 39
Der Sturm der letzten Tage hatte uns viel dürres Holz zurecht gerichtet.
Johst, Hanns: Die Torheit einer Liebe, München: Langen Müller 1942 [1930], S. 89
Zitationshilfe
„dürr“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dürr>, abgerufen am 16.10.2019.

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