dann

GrammatikAdverb
Aussprache
Wortbildung mit ›dann‹ als Erstglied: ↗dannzumal  ·  mit ›dann‹ als Letztglied: ↗alsdann · ↗sodann
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
bezeichnet die Reihenfolge   darauf, danach
Beispiel:
er ist der Beste der Klasse, dann kommt sie als Zweitbeste
Grammatik: räumlich
Beispiele:
vornweg fuhren die Kraftwagen, dann folgten die Motorräder
Clemens und Carla vorne, dann Fred, und ich ging ... hinterdrein [BöllWort29]
Grammatik: zeitlich, in Korrelation mit »(zu)erst«
Beispiele:
erst überzeuge dich von den Tatsachen, dann urteile
mach das erst mal fertig, dann wollen wir weitersehen
erst machst du mit, und dann willst du davon nichts wissen
umgangssprachlicherst so, dann so. Was stimmt denn nun?
zuerst wurde er aufgerufen, dann ich
dich sah ich zuerst, dann erblickte ich auch sie
ich zögerte zunächst einen Augenblick, dann trat ich ein
es knallte ein Schuss, dann war alles still
er versuchte es dann noch ein zweites Mal
und dann war es soweit
was war dann?
sprichwörtlicherst wägen, dann wagen
Zuerst erstaunt, dann erbittert und schließlich gleichgültig [RemarqueIm Westen27]
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral [BrechtDreigroschenoperII 3]
er [der Wind] zieht den Atem ein, dann bläst er aus ... dann zieht er ein, dann bläst er aus [DöblinAlexanderpl.376]
abgeblasst
Beispiele:
von Zeit zu Zeit wurde dann das Haus neu gestrichen
dieses Thema hat der Dichter dann in seinem letzten Roman weitergeführt
auf einmal ist er dann da
Wenn uns dann zufällig einmal die Lösung eines Problems gelingt, so ... [PlanckScheinprobleme3]
2.
bezeichnet einen in der nahen Zukunft liegenden Zeitpunkt   nachher, etwas später
Beispiele:
ich komme dann mal zu dir
ich sehe dann mal nach
du kannst dir das dann abholen
umgangssprachlichbis dann! (= Gruß mit dem Hinweis auf das nächste Wiedersehen)
bezeichnet eine in der Zukunft liegende Zeitangabe, die im vorangegangenen Text genannt ist
Beispiel:
nächstes Jahr geht er nicht mehr zur Schule, dann ist er schon im Beruf
dann und dannzu einem bestimmten Zeitpunkt, der hier nicht genauer bezeichnet zu werden braucht
Beispiel:
er sagte, er wolle dann und dann anrufen, doch er hat es nicht getan
von dann bis dannin einer bestimmten Zeitspanne, die hier nicht genauer bezeichnet zu werden braucht
Beispiel:
sie hatte ihr gesagt, sie wolle von dann bis dann in Urlaub fahren
dann und wannhin und wieder, ab und zu
Beispiel:
dann und wann treffe ich ihn in der Bibliothek
3.
ferner, außerdem
Beispiele:
und dann sieh doch mal zu, dass du ihn telefonisch erreichen kannst
hinzu kommt dann noch, dass ...
ich kam nicht, weil ich müde war, und dann hatte ich auch keine Zeit
Und dann: wer weiß, wem du dich verdächtig machst [KlempererLTI178]
Es war so voll in der U-Bahn – ich mußte die ganze Zeit stehn – und dann die Luft [ZuckmayerTeufels GeneralII]
4.
verweist auf die Voraussetzungen und Umstände, unter denen das Geschehen des »dann«-Satzes erfolgt
Grammatik: kann in Korrelation mit »wenn« und bei vorausgehendem Gliedsatz ohne »wenn« als wiederaufnehmendes Stützwort, das dem Satz Nachdruck verleiht, wegfallen
a)
in diesem Falle
Grammatik: in Korrelation mit »wenn«
Beispiele:
wenn das Wetter nicht schön ist, dann werden wir keinen Ausflug machen
wenn du noch einmal schwatzt, dann bekommst du einen Verweis
saloppwenn du recht hast, dann fresse ich einen Besen
du darfst nur dann kommen, wenn du artig bist
selbst dann, wenn das nicht klappen sollte, werde ich nicht aufgeben
zumal dann, wenn er krank ist, musst du mich benachrichtigen
versagen die Bremsen, dann ist alles verloren
du musst vernünftig sein, nur dann wirst du gesund
ich müsste nachdenken, dann fällt es mir bestimmt wieder ein
ich möchte, dass du zu mir kommst. Ich werde dir dann alles erklären
angenommen, er hat uns missverstanden, dann ist er sicher verstimmt
war das nicht gestern abend? Dann habe ich dich gesehen
wenn ich will, dann kann ich schon [DöblinAlexanderpl.252]
Wissen ist nur dann Macht, wenn Wissen zur Macht wird [Becher5,169]
eßt Fisch, dann bleibt ihr schlank, gesund und frisch [DöblinAlexanderpl.48]
saloppNimm dir was, dann haste was [ZuckmayerTeufels GeneralI]
unter diesen obwaltenden Umständen
Grammatik: in Korrelation mit »wenn«
Beispiele:
wenn ich dir das sage, dann stimmt es
wenn ich mir jetzt die Sache noch mal richtig überlege, dann muss ich doch sagen, dass ...
umgangssprachlichwenn du nicht willst, dann lässt du's eben bleiben
wenn das so ist, warum bist du dann noch traurig?
wenn du das nicht weißt, wer soll es dann wissen?
»ich möchte mitgehen.« »Dann komm doch«
dann meinen Sie also, dass ...
wie du willst. Dann warte hier, bis ich wiederkomme
das schadet nichts, dann kommst du eben morgen
dann bist du also älter?
na, dann ist es ja gut
dann will ich nicht stören
umgangssprachlich dann bis morgen!
umgangssprachlichalso dann: auf Wiedersehen!
»mir nicht mehr.« »Dann trinke ich ihn« [»mir nicht mehr einschenken.« »Dann trinke ich ihn«] [BöllWort83]
b)
zu diesem Zeitpunkt
Grammatik: in Korrelation mit »wenn«
Beispiele:
wenn du fertig bist, dann sollst du zur Mutter kommen
wenn er sich wieder beruhigt hat, dann wird er merken, was er angerichtet hat
wenn ich mehr Zeit haben werde, dann werde ich dieses Buch lesen
wenn ich sie sah, dann musste ich immer an dich denken
wenn die Vorräte zu Ende sind, was (soll) dann (werden)?
du kommst immer gerade dann, wenn ich keine Zeit habe
er ist immer unzufrieden, auch dann, wenn er keinen Grund hat
sind die Kinder im Bett, dann habe ich Zeit
oft hatten wir Gäste, und dann ging es sehr lustig bei uns zu
bald sind Ferien, dann werde ich nach Hause fahren
noch eine Woche, dann ist Weihnachten
das hohe Pfeifen im Radio – wenn das kommt, dann weint er [BöllWort113]
er erwartet jeden Augenblick, daß die Trommeln gerührt werden, dann ist das Urteil gesprochen [BrechtCourage3]
Man mischt sich unter die andern, da vergeht alles, dann merkst du nichts [DöblinAlexanderpl.9]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dann · denn · dannen · dennoch
dann Adv. und denn Adv. Konj. sind ursprünglich umlautlose und umgelautete Form eines Wortes und daher in älterer Zeit bedeutungsgleich. Ahd. thanne, thenni (8. Jh.), mhd. dan(ne), den(ne), frühnhd. dann, denn Adv. und Konj. Nebenformen mit Umlaut finden sich auch sonst im Westgerm., vgl. mnd. dan, dann(e), den(ne), afries. than(na), thenne, aengl. þanne, þonne, þænne, engl. than, then, hingegen nur asächs. thanna, than(ne), mnl. dan(ne), nl. dan wie anord. þā (aus *þan), schwed. , got. þan. In allen Fällen handelt es sich um Bildungen mit n-Formans zum Pronominalstamm ie. *te-, *to- (s. ↗der), die im Westgerm. außerdem eine nasale Erweiterung zeigen. Im Dt. erfolgt im 18. Jh. die heute geltende semantische Differenzierung von dann und denn. Von den zunächst beiden Varianten gemeinsamen Verwendungen bewahrt dann den adverbiellen Gebrauch (dafür nur in nordd. und md. Umgangssprache noch denn); es kennzeichnet eine Aufeinanderfolge (‘danach, ferner’) oder einen in naher Zukunft liegenden Zeitpunkt (‘nachher’) und weist auf die (meist in einem Konditionalsatz genannten) Voraussetzungen für ein Geschehen hin (‘in diesem Falle’). Der Gebrauch als Konjunktion, durch den in älterer Zeit neben- und unterordnend verschiedenartige, namentlich temporale und kausale Zusammenhänge hergestellt werden, verengt sich und geht ganz auf denn über; dieses leitet nun vor allem begründende Hauptsätze ein, steht gelegentlich in Vergleichen beim Komparativ (im Sinne von ‘als’) und knüpft (nur in altertümelnder Redeweise noch allein, sonst in der Fügung es sei denn, daß …) eine die Gültigkeit des Hauptsatzes einschränkende Ausnahme an. Als Adverb wird denn jetzt lediglich zur Intensivierung einer Frage oder Aussage verwendet. Eine ähnliche Entwicklung wie die von dann, denn (und vergleichbarem wann, wenn, s. d.) vollzieht sich im Engl.; dort trennen sich than Konj. ‘als’ und then Adv. ‘dann’ ebenfalls im 18. Jh. voneinander. dannen Adv. heute nur noch altertümlich-feierlich in der verdeutlichenden präpositionalen Verbindung von dannen ‘weg, fort’ (schon ahd. fona thanā̌n, 9. Jh.); ohne Präposition bis ins 17. Jh. gebräuchlich. Neben ahd. thana (8. Jh., gleichen Ursprungs wie ahd. thanne, also vom Pronominalstamm germ. *þa-, s. oben), mhd. dane, dan stehen häufiger die erweiterten Formen ahd. thanā̌n, thannān (8. Jh.), than(a)na, thannana (9. Jh.), mhd. danne(n); ebenso asächs. thanan(a), mnd. dānen, danne(n), mnl. danen, danne(n), afries. thana, aengl. þanon(e) und anord. þanan (anders gebildet got. þaþrō). Das Adverb hat im Dt. zunächst die lokale Bedeutung ‘von einem Ort weg, von dorther’, wird aber bereits im Ahd. auch auf andere, besonders temporale und kausale Beziehungen übertragen (‘von da an, dadurch, deshalb’). dennoch Adv. seit dem 18. Jh. ausschließlich einschränkendes Konjuktionaladverb ‘trotzdem’, zuerst jedoch temporales Adverb, zusammengesetzt aus den unter dann, denn (s. oben, daher bis ins 18. Jh. auch dannoch) und ↗noch (s. d.) behandelten Adverbien; anfangs Getrenntschreibung ahd. thanne noh, thenni noh ‘zu der Zeit noch’ (9. Jh.), bei Notker bereits ‘selbst unter der Voraussetzung noch’; früh auch als Zusammenrückung ahd. thenninoh (10./11. Jh.), thannoh (11. Jh.) ‘zu der Zeit noch’, mhd. dannoch, dennoch ‘damals noch, jetzt noch, außerdem’ sowie vom 12. Jh. an im heutigen Sinne; diesen zeigt auch mnd. dan(ne)noch, den(ne)noch.

Thesaurus

Synonymgruppe
als Nächstes · ↗anschließend · ↗danach · ↗darauf · ↗darauf folgend · ↗darauffolgend · ↗daraufhin · ↗folgend · ↗hernach · ↗hierauf · ↗hiernach · ↗hinterher · im Anschluss (an) · im Folgenden (= später) · in der Folge · ↗nach (...) · nachfolgend · ↗nachher · ↗nachträglich · ↗sodann · ↗später · ↗späterhin · ↗worauf · ↗woraufhin · zu einem späteren Zeitpunkt  ●  dann  Hauptform · ↗darnach  veraltet · ↗alsdann  geh.
Assoziationen
  • danach · ↗fortan · in der Folge · ↗nach (...) · ↗seit (...) · seit damals · seit diesem Zeitpunkt · seit dieser Zeit · ↗seither · von (...) an · von da an · von dem Zeitpunkt an (als) · von diesem Zeitpunkt an  ●  ↗seitdem  Hauptform · ab da  ugs. · ↗fürderhin  geh., veraltet · ↗hinfort  geh., veraltet · von Stund an  geh., veraltend
  • Nachleben · Nachwehen · ↗Nachwirkung
  • bald darauf · einen Augenblick später · einen Moment später · etwas später · kurz danach · kurz darauf · kurze Zeit später · nach kurzer Zeit · nach wenigen Sekunden / Minuten · wenig später  ●  (die) Tinte (unter dem Vertrag) war noch nicht trocken (als ...)  literarisch
  • hinterher · im Nachgang · im Nachhinein · in der Nachbetrachtung  ●  ↗nachträglich  Hauptform · ↗a posteriori  geh., lat., bildungssprachlich · von späterer Hand  geh.
  • anschließende(r) · darauffolgende(r) · folgende(r) · nachfolgende(r) · nachstehende(r) · sich anschließende(r)  ●  ↗nächste(r)  Hauptform
  • als Folge dessen · ↗also · ↗dadurch · ↗danach · ↗daraufhin · ↗dementsprechend · ↗demgemäß · ↗demnach · ↗demzufolge · ↗deshalb · ↗folglich · im Folgenden · im Weiteren · im weiteren Fortgang · im weiteren Verlauf · in der Folge · in der Konsequenz · ↗infolgedessen · ↗insofern · ↗mithin · ↗nachdem · resultierend daraus · ↗somit
Synonymgruppe
an diesem Punkt · dann · ↗diesfalls · ↗hier · ↗hierbei · in diesem Fall · in diesem Moment · zu dieser Gelegenheit  ●  ↗dannzumal  schweiz.

Typische Verbindungen
computergeneriert

beginnen bekommen bleiben brauchen entscheiden entstehen erzählen fahren fallen folgen fragen fällen geben gehen gelten geschehen heißen kommen lassen machen passieren plötzlich sagen sehen stehen treffen tun verschwinden wissen ziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dann‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bei Alfa Romeo wiederum will der Agnelli-Enkel die "sportliche DANN" betonen.
Die Welt, 23.06.2005
UND DANN tappt da tatsächlich noch eine halbwegs originelle Figur (Hark Bohm) durchs Panoptikum;
Süddeutsche Zeitung, 20.07.1999
Zitationshilfe
„dann“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dann>, abgerufen am 09.12.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Dankschreiben
Danksagung
danksagen
Dankpsalm
Dankopfer
dannen
dannzumal
Dantes
dantesk
dantisch