Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

deflorieren

Grammatik Verb · defloriert, deflorierte, hat defloriert
Aussprache  [defloˈʀiːʀən]
Worttrennung de-flo-rie-ren
Wortbildung  mit ›deflorieren‹ als Grundform: Defloration
Herkunft aus dēflōrārelat ‘Blüten abpflücken, des Ansehens, der Ehre, der Jungfernschaft berauben’
eWDG

Bedeutung

gehoben
Beispiel:
ein Mädchen deflorieren (= entjungfern)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Flor1 · florieren · deflorieren · Defloration
Flor1 m. ‘Blumenfülle, Blütenpracht’. Mhd. flōre, frühnhd. Flore f. ‘Blume, Blüte’ (in metaphorischer Verwendung) ist zunächst Entlehnung aus gleichbed. afrz. flor, flour (frz. fleur), dem es auch im Genus folgt; vgl. daneben mhd. flōrī ‘blühendes Aussehen’ (wohl nach afrz. flori, Part.adj. zum Verb afrz. florir, s. unten), flōrīe ‘Blume, Blütenpracht’ (als Kollektivbildung?). Seit dem 16. Jh. erscheint nhd. Flor(e) häufig in Wendungen wie in aller Flore, in Flor sein, stehen (mehrfach entstellt in Flor und esse kommen, erhalten), nach im Nlat. üblichem in flore esse ‘in Blüte, Ansehen stehen’, nun also im Anschluß an lat. flōs (Genitiv flōris) ‘Blume, Blüte, Periode der höchsten Kraftentfaltung, bester, edelster Teil’ (verwandt mit blühen, s. d.), das der frz. Form ebenfalls zugrunde liegt. Maskulines Genus (nach lat. Vorbild) gilt vom 17. Jh. an. Freier Gebrauch außerhalb der präpositionalen Fügung findet sich erst um 1700, die auf konkrete Sachverhalte bezogene Bedeutung ‘große Zahl von Blüten, Blumenfülle’ nicht vor der 2. Hälfte des 18. Jhs. florieren Vb. ‘blühen, gedeihen, vorankommen’ (Ende 16. Jh.), mhd. flōrieren ‘(mit Blumen) schmücken, stattlich ausrüsten’ (von afrz. florir ‘mit Blumen schmücken, blühen’, spätlat. flōrīre, lat. flōrēre ‘blühen, in Blüte, hohem Ansehen stehen’); vgl. gleichbed. mhd. flōren (abgeleitet von mhd. flōre). deflorieren Vb. ‘entjungfern’, entlehnt (16. Jh.) aus lat. dēflōrāre ‘Blüten abpflücken, des Ansehens, der Ehre, der Jungfernschaft berauben’. Defloration f. ‘Entjungferung’, teils auch ‘Schändung’ (18. Jh.), aus lat. dēflōrātio (Genitiv dēflōrātiōnis) ‘das Entblüten, Blumenlese, Entjungferung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
deflorieren · entjungfern

Verwendungsbeispiele für ›deflorieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daß sie nicht nur defloriert, sondern auch schwanger wird, hat sie nicht geplant. [Die Zeit, 22.12.1998, Nr. 53]
Er beschließt, ein minderjähriges Mädchen zu deflorieren und erteilt der Bordellmutter Dona Rosa entsprechende Anweisungen. [Süddeutsche Zeitung, 29.10.2004]
Sie wurde auch erst von ihm, mit 25, defloriert und ist stolz darauf. [Süddeutsche Zeitung, 09.12.1998]
Eine verheiratete Frau, defloriert und womöglich schon geschwängert, paßte nicht mehr in seine exklusive Galerie. [Süskind, Patrick: Das Parfum, Zürich: Diogenes 1985, S. 256]
Was macht diese Stimme, die klingt, als wollte sie einen Chihuahua deflorieren, so langlebig? [Die Zeit, 13.06.2007, Nr. 25]
Zitationshilfe
„deflorieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/deflorieren>.

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