deklamieren

Grammatik Verb · deklamiert, deklamierte, hat deklamiert
Aussprache 
Worttrennung de-kla-mie-ren
Wortbildung  mit ›deklamieren‹ als Erstglied: ↗Deklamation  ·  mit ›deklamieren‹ als Letztglied: ↗nachdeklamieren · ↗vordeklamieren
Herkunft aus dēclāmārelat ‘laut reden, vortragen, sich im Vortrag üben’
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
jmd. deklamiert (etw.)(kunstgerecht) vortragen
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: Verse, Gedichte deklamieren
hat Präpositionalgruppe/-objekt: mit Pathos deklamieren
in Koordination: singen, tanzen und deklamieren
mit Aktiv-/Passivsubjekt: der Schauspieler, Dichter deklamiert
Beispiele:
Mit geschmeidiger Stimme deklamiert er während eines Dinners bei Kerzenlicht […] alle 32 Zeilen des »Erlkönig«[…]. [Der Spiegel, 09.01.1989, Nr. 2]
Man spürt den Schauspieler, der auf den Punkt spielen kann, der es liebt, zu deklamieren und mit Worten zu jonglieren. [Die Welt, 14.11.2015]
Einige beginnen zu singen, zu tanzen, andere entzünden Fackeln, deklamieren Verse in der Sprache Homers. [Die Zeit, 26.07.2012, Nr. 28]
Er deklamiert die großen Monologe Shakespeares auswendig, auch wenn ein Zuhörer nur unverständliches Gebrabbel vernimmt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.1996]
Liebknecht deklamierte oft Gedichte im südchinesischen Dialekt, deren melodischer Klang Bewunderung hervorrief, und übersetzte sie sogleich ins Russische. [Neues Deutschland, 28.12.1961]
2.
jmd. deklamiert [einen Satz]in eindringlichem, oft auch pathetischem Ton (über etw.) sprechen
Beispiele:
»Ein wirklich unabhängiges Griechenland ist eine Absurdität«, deklamierte der britische Spitzendiplomat Edmund Lyons. [Welt am Sonntag, 03.05.2015, Nr. 18]
Wie sehr irrte sich Jean‑Jacques Rousseau, der 1762 deklamierte, »große Städte entziehen dem Staat die Lebenssäfte«, und »Frankreich wäre viel mächtiger, wenn es Paris vernichtete«? [Der Spiegel, 03.06.1996, Nr. 23]
»Wenn man das Geschäft erfolgreich führen will«, so deklamiert er, »muß jedes Detail stimmen, dem fühle ich mich verpflichtet.« [Der Spiegel, 11.08.1986, Nr. 33]
Auch die FDP deklamierte die These von der »gemeinsamen Außenpolitik«, die in diesem Antrag zum Ausdruck komme. [Neues Deutschland, 03.07.1958]
3.
Musik jmd. deklamierteinen vertonten Text deutlich und unter Berücksichtigung des Sinn- und Ausdrucksgehaltes vortragen
Beispiele:
Sie deklamieren, reimen und erzählen mit sichtlichem Vergnügen und werden dazu von einer Musik begleitet[…]. [Süddeutsche Zeitung, 19.02.2016]
Er deklamiert mehr als er singt, der Chor meldet sich zu Wort, es gibt ein Hin und Her der Stimmen, dazu dann wieder die Bläser, die Gitarren und der Beat, der immer weiter und weiter geht. [Welt am Sonntag, 25.10.2015]
Während oben die würdigen Schauspieler ebensolche Verse von Racine oder Corneille deklamieren, dirigiert André Jolivet sein winziges Orchesterchen[…]. [Der Spiegel, 29.06.1950]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

deklamieren · Deklamation
deklamieren Vb. ‘ausdrucksvoll vortragen’, Entlehnung des 16. Jhs. aus lat. dēclāmāre ‘laut reden, vortragen, sich im Vortrag üben’, in dieser Bedeutung zunächst in Schule und Universität für Redeübungen in lateinischer Sprache. Deklamation f. ‘kunstgerechter Vortrag’, entlehnt (18. Jh.) aus lat. dēclāmātio (Genitiv dēclāmātiōnis) ‘das laute Reden, der nach den Regeln der Kunst gehaltene Vortrag, Redeübung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
deklamieren · ↗referieren · ↗vorsprechen · ↗wiedergeben  ●  ↗vortragen  Hauptform
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›deklamieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›deklamieren‹.

Zitationshilfe
„deklamieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/deklamieren>, abgerufen am 09.05.2021.

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