Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

deklinieren

Grammatik Verb · dekliniert, deklinierte, hat dekliniert
Aussprache  [dekliˈniːʀən]
Worttrennung de-kli-nie-ren
Wortbildung  mit ›deklinieren‹ als Erstglied: Deklination · deklinabel · deklinierbar
 ·  mit ›deklinieren‹ als Letztglied: durchdeklinieren  ·  mit ›deklinieren‹ als Grundform: Deklinator
Herkunft aus dēclīnārelat ‘ab-, hinleiten, -lenken’
eWDG und ZDL

Bedeutung

jmd. dekliniert etw.
a)
Sprachwissenschaft die (besonders durch Endungen markierten) Formen eines Nomens (b) (z. B. Substantivs, Adjektivs, Pronomens) aufzählen
Unterbegriff von beugen (5), flektieren
Kollokationen:
in Koordination: deklinieren und konjugieren
Beispiele:
Substantive, Adjektive, Pronomina können dekliniert werdenWDG
Die Wörter, die kasusabhängig sind – also sich mit dem gewählten Fall verändern –, werden dekliniert. [Hamburger Abendblatt, 14.07.2020]
Mit großer Freude habe ich festgestellt, dass Sie den Obazdn deklinieren! Normalerweise ist heutzutage der Obazde leider offensichtlich grammatikalisch nicht mehr relevant bzw. vielleicht meinen manche, in Bayern haben wir eh keine Grammatik nicht? Jedenfalls liest oder hört man immer nur vom »Obazda«, ganz gleich, um welchen grammatikalischen Fall es sich handelt. [Münchner Merkur, 19.08.2020]
Zwei aufeinanderfolgende Adjektive werden im Grundsatz parallel dekliniert, also beide entweder stark oder beide schwach. Es heißt demnach »nach langem, schwerem Leiden« (stark) oder »mit dem langen, spitzen Messer« (schwach). [Hamburger Abendblatt, 31.03.2020]
Die Deklination der Adjektive ist nicht einfach und es ist wichtig, viele Übungen zur Adjektivdeklination zu machen. Es ist auch wichtig, dass ihr von Anfang an versucht, die Adjektive zu deklinieren. Wenn ihr auf Deutsch schreibt oder sprecht, ist es natürlich besonders schwer. Ihr solltet aber besonders beim Sprechen nie zu lange überlegen, wie das Adjektiv endet. [Übungen zur Adjektivdeklination, 16.12.2018, aufgerufen am 01.09.2020]
spöttisch[…] Herr Boboll, den man auch deklinieren kann: Boboll, Bobolls, Bobolln, Bobolln […] [Tucholsky, Kurt: Die Sekt-Eule. In: ders.: Kurt Tucholsky, Werke – Briefe – Materialien. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1917], S. 899]
übertragen etw. in aller Ausführlichkeit nennen, darlegen, erzählen, zeigen
siehe auch durchdeklinieren
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: etw. rauf und runter deklinieren
Beispiele:
Reymond und Chuat deklinieren in dem intensiven Film verschiedene Lebens‑ und Denkweisen, die alle eng mit der Kunst verwoben sind. [Münchner Merkur, 29.10.2020]
Am Stadtrand von Bologna findet sich mit »FICO Eataly« so etwas wie der Heilige Gral italienischer Feinschmecker. In dem mehr als zwei Hektar großen Gastro‑Park wird alles dekliniert, was das Land, und vor allem die Emilia‑Romagna, an Wahrem, Schönen und Guten zu bieten hat. [Allgemeine Zeitung, 19.09.2020]
Sie packen die Sexszenen in ein Milieu ein, sie finden Anspielungen an soziale Verhältnisse, sie orientieren sich an zeitgenössischer Mode und deklinieren die Beziehungsverhältnisse zwischen Mann und Frau, Stenz und Dame, Ritter und Kurtisane, Lustmolch und Lolita, Spanner und Sexbombe. [Thurgauer Zeitung, 23.07.2020]
Die Impressionisten wurden in den letzten Jahrzehnten rauf und runter dekliniert, Picasso in allen Facetten gezeigt […] [Luzerner Zeitung, 11.01.2020]
Auch die westdeutschen Radiostationen deklinieren rührselig Argumente der Humanität. [Berliner Zeitung, 13.01.1966]
b)
gehoben, veraltend abweisen, von sich fernhalten, umlenken
Beispiele:
Daß aus den Idealen der Kampfzeit nach erfochtenem, viel mehr noch nach erschlichenem oder erkauftem Sieg privates Kapital geschlagen werden, daß etwa die Bourgeoisie das der Befreiung des Menschen gewidmete Pathos der Klassiker zum männlichen Hausrecht deklinieren konnte, wäre freilich mit dem Hinweis auf die Definitionsgewalt der herrschenden Klasse nicht ausreichend erklärt. [konkret, 2000 [1985]]
Was man nicht deklinieren kann, das sieht man als Trotzkismus an. [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1953. In: ders.: So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1953], S. 366]
Alles, was wir nicht (wie die Beamten, Politiker, Wirtschaftler) deklinieren können, hängen wir dem Präsidenten an. [Der Spiegel, 10.01.1962]

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Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

deklinieren · Deklination
deklinieren Vb. ‘nominale Wortarten beugen’, mhd. deklīnen, spätmhd. declinieren, entlehnt aus lat. dēclīnāre, eigentlich ‘(vom geraden Weg) abbiegen, abweichen, ablenken’. In der antiken Grammatik kann der Terminus lat. dēclīnāre ‘abändern, beugen’ ebenso wie das zugehörige Substantiv lat. dēclīnātio (s. unten) von jeder Art Änderung einer sprachlichen Grundform (durch Flexion, Steigerung, Ableitung) gebraucht werden. – Deklination f. ‘Beugung der nominalen Wortarten’ (um 1500), aus lat. dēclīnātio (Genitiv dēclīnātiōnis).

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Oberbegriffe
Assoziationen
Zitationshilfe
„deklinieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/deklinieren>.

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