Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

denken

Grammatik Verb · denkt, dachte, hat gedacht
Aussprache 
Worttrennung den-ken
Wortbildung  mit ›denken‹ als Erstglied: Denkansatz · Denkanstoß · Denkapparat · Denkarbeit · Denkart · Denkbereich · Denkbestimmung · Denkbewegung · Denkbild · Denkebene · Denker · Denkfabrik · Denkfalte · Denkfehler · Denkfigur · Denkform · Denkfreiheit · Denkgesetz · Denkgewohnheit · Denkhaltung · Denkimpuls · Denkinhalt · Denkkraft · Denkleistung · Denkmal · Denkmethode · Denkmodell · Denkmuster · Denkmöglichkeit · Denkmünze · Denkorgan · Denkpause · Denkprozess · Denkpsychologie · Denkrede · Denkschema · Denkschrift · Denkschule · Denkspiel · Denksport · Denksportler · Denkspruch · Denkstein · Denkstil · Denkstruktur · Denkstörung · Denksystem · Denkträgheit · Denktätigkeit · Denkung · Denkverbot · Denkvermögen · Denkvorgang · Denkweg · Denkweise · Denkzeichen · Denkzentrum · Denkzettel · Denkübung · denkbar · denkfaul · denkfähig · denklich · denkrichtig · denkwürdig
 ·  mit ›denken‹ als Letztglied: andenken · ausdenken · bedenken · danebendenken · durchdenken · eindenken · erdenken · fortdenken · gedenken · hinausdenken · hineindenken · hinwegdenken · hinzudenken · mitdenken · nachdenken · umdenken · verdenken · vorausdenken · vorbeidenken · vordenken · wegdenken · weiterdenken · zudenken · zurückdenken · zusammendenken · überdenken
 ·  mit ›denken‹ als Binnenglied: anders denkend · andersdenkend · edel denkend · edeldenkend · gleich denkend · gleichdenkend · großdenkend · klar denkend · klardenkend · kleindenkend · real denkend · realdenkend · rechtdenkend
 ·  mit ›denken‹ als Grundform: Denke · Denken · gedacht
 ·  formal verwandt mit: eingedenk
eWDG

Bedeutung

bezeichnet alle Stufen und Formen der menschlichen höheren Gehirntätigkeit
a)
Verstandesarbeit leisten, etw. überlegen
Beispiele:
klar, scharf, gründlich, tief, nüchtern, (folge)richtig, gradlinig, logisch, dialektisch, ernsthaft, angestrengt, fieberhaft denken
umgangssprachlichlaut denken (= vor sich hin sprechen)
abstraktes, begriffliches, assoziatives, wissenschaftliches, mathematisches, philosophisches, sachliches, präzises, sprunghaftes Denken
er ist verworren im Denken
die Klarheit seines Denkens
jmdn. im Denken stören
das Denken ausschalten
etw. beherrscht jmds. Denken
die Schüler zu selbstständig denkenden Menschen erziehen
kann das Tier denken?
dies Ereignis gibt sehr zu denken
etw., einen Gedanken zu Ende denken
umgangssprachlich, spöttisch denk (mal) an! (= drückt bewundernde Zustimmung aus)
umgangssprachlich, salopp denkste! (= das hast du dir so gedacht!)
er dachte bei sich selbst, dass …
das lässt sich denken (= das kann man verstehen)
umgangssprachlich, sprichwörtlich Denken ist Glückssache
sprichwörtlichder Mensch denkt, Gott lenkt
sprichwörtlichwas ich denk und tu, trau ich andern zu
sprichwörtlichwer hätte das gedacht!
sprichwörtlich gedacht, getan (= ein plötzlicher Entschluss wurde gleich ausgeführt)
Ihr [Astronomen] denkt in Kreisen oder Ellipsen [ BrechtGalilei7]
Aber er [der Mensch] hat einen Fehler: / Er kann denken [ BrechtDt. Kriegsfibel]
Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, / Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen [ GoetheFaustI 2566]
umgangssprachlich sich [Dativ] etw. denkenabgeblasst
Beispiele:
sich das Seine, sein Teil denken
etw. Ähnliches habe ich mir schon gedacht
das habe ich mir gleich gedacht
das können Sie sich doch denken
denke dir doch!
dachte ich mir's doch
sie denkt sich das so!
sich nichts weiter, nichts Böses dabei denken
b)
gesinnt sein
Beispiele:
edel, groß, rechtlich, kleinlich, gemein denken
kleinbürgerliches, freiheitliches Denken
c)
etw. beabsichtigen, im Sinne haben
Beispiele:
ich denke, ihn zu überraschen
ich denke zu kommen
er denkt, morgen zu verreisen
d)
etw. meinen, glauben
Beispiele:
er denkt, mich verdrängen zu können
umgangssprachlicher denkt (= bildet sich ein), Wunder was getan zu haben
ich dächte, wir hätten nun genug davon
wie Sie denken! (= drückt zweifelnde Zustimmung aus)
ich denke mir, so wird es gehen
umgangssprachlichwo denkst du hin! (= da irrst du dich sicherlich!)
e)
sich in etw. denkensich geistig in etw. versetzen
Beispiele:
denke dich in meine Lage!
denken Sie sich nur in seine Situation!
f)
sich [Dativ] jmdn., etw. (als jmdn., etw., in bestimmter Weise) denkensich jmdn., etw. (als jmdn., etw., in bestimmter Weise) vorstellen
Beispiele:
ich denke ihn mir als großen stattlichen Mann
er denkt sie sich als seine Frau
ich denke mir den Mann reich, die Sache ausführbar, eine Seereise sehr schön
wie denkst du dir deine weitere Laufbahn?
wie das schmerzt, du kannst dir das nicht denken
das hat viel mehr gekostet, als wir uns dachten
Sie wäre bereit gewesen, sich einen Gott zu denken, der seine Welt öffnet wie ein Versteck [ MusilMann987]
g)
an etw., jmdn. denkensich an jmdn., etw. erinnern, jmds., einer Sache gedenken
Beispiele:
intensiv, mit Groll an jmdn. denken
an seine Kindheit, an eine alte Geschichte, an jmds. Worte denken
mit Grausen an etw. denken
veraltet denken‹ + Gen.
Beispiele:
der vergangenen Jahre denken
O denket nicht des Irrtums meiner Jugend [ SchillerTellIV 2]
etw. nicht vergessen
Beispiele:
denke an dein Versprechen
denke daran, dass du ihn noch benachrichtigen musst
h)
an etw., jmdn. denkenetw., jmdn. in den Mittelpunkt seines Strebens stellen
Beispiele:
er denkt nur an seine Familie
mit Freude, Sorge, Spannung an das Fest denken
umgangssprachlichnicht im Traum an etw. denken (= etw. nicht tun wollen)
der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt [ SchillerTellI 1]
landschaftlich, besonders süddeutsch, österreichisch auf etw. denken
Beispiele:
auf seine Sicherheit, auf seinen Vorteil denken
Hast du denn nie darauf gedacht, was geschieht, wenn sie zurückkommt [ BrechtKaukas. Kreidekreis6]
umgangssprachlich
Grammatik: mit Ortsbestimmung
Beispiel:
heim, nach Hause denken
i)
in bestimmter Weise von etw., jmdm., über etw., jmdn. denkeneine Meinung von etw., jmdm. haben, über etw., jmdn. urteilen
Beispiele:
wie denken Sie über den Fall, darüber?
man mag darüber denken, wie man will
ich weiß nicht, was ich davon denken soll!
über diesen Vorschlag denke ich anders als er
von jmdm. gering, gut, schlecht denken
hoch von etw. denken
wie klein, / Wie niedrig Sie von Menschenwürde denken [ SchillerCarlosIII 10]
etw. von jmdm. denken
Beispiele:
ich denke Gutes von ihm
etw. Falsches von jmdm. denken
du musst nicht immer gleich das Schlimmste von ihm denken
wer hätte so etwas von ihm gedacht!
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

denken · gedenken · nachdenken · nachdenklich · verdenken · Denker · Denkzettel
denken Vb. ‘geistig arbeiten, überlegen’, ahd. thenken (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. denken, asächs. thenkian, afries. thanka, aengl. þencan, engl. to think, anord. þekkja (‘wahrnehmen, erkennen’), aschwed. þækkia, got. þagkjan. Das germ. jan-Verb (germ. *þankjan) steht als Kausativum im Ablaut (wie Dank, Gedanke, s. d.) zu einem Verb, das sich in dünken (s. d.) fortsetzt. Es findet eine sichere außergerm. Entsprechung in lat. tongēre ‘kennen, wissen’ und kann mit diesem auf eine Wurzelform ie. *teng-, *tong- ‘denken, fühlen’ zurückgeführt werden. Das Prät. dachte und das Part. Prät. gedacht (beide mit Kürzung des Stammvokals) sind durch Ausfall von -n- und Ersatzdehnung entstanden (ahd. thāhta, githāht, mhd. dāhte, gedāht, aus germ. *þanht-). gedenken Vb. ‘an jmdn., etw. zurückdenken, sich erinnern, beabsichtigen’, ahd. githenken ‘an etw. denken’ (um 800), mhd. gedenken, auch ‘ausdenken, bestimmen, eingedenk sein, sich erinnern’, heute besonders einer Sache, eines Menschen gedenken sowie gedenken, etw. zu tun. nachdenken Vb. ‘eine Sache gründlich durchdenken, überlegen, erwägen’, (selten) ‘etw. in Gedanken nachvollziehen’ (15. Jh.); vgl. mhd. denken nāch ‘mit Gedanken nachfolgen, zurückdenken an’; nachdenklich Adj. ‘zu Überlegungen neigend, in Gedanken versunken, zum Nachdenken anregend’ (Mitte 17. Jh.). verdenken Vb. ‘übelnehmen, verübeln, verargen’ (meist verneint und in Verbindung mit können), ahd. firthenken ‘verachten, geringschätzen’ (8. Jh.), mhd. verdenken ‘(zu Ende) denken, erwägen, sich erinnern, Übles von jmdm. denken, jmdn. in Verdacht haben, verargen’ (s. Verdacht). Denker m. ‘Philosoph’ (1. Hälfte 18. Jh. nach engl. thinker); vgl. vereinzeltes ahd. thenkāri (11. Jh.). Denkzettel m. ‘Merkzettel als Gedächtnishilfe’, übertragen ‘eindringliche Lehre in Form eines Verweises, einer Bestrafung’ (16. Jh.), vgl. rechtssprachliches mnd. denksed(d)del, -cēdel ‘Urkunde, Vorladung, Merkblatt’. Frühnhd. auch Gedenkzedele, -zettul (16. Jh.). S. Zettel2.

Thesaurus

Synonymgruppe
(auf etwas) achten · (einer Sache) Beachtung schenken · (einer Sache) Rechnung tragen · (etwas) bedenken · (etwas) beherzigen · (etwas) im Hinterkopf behalten · berücksichtigen · denken (an)  ●  (etwas) beachten  Hauptform
Synonymgruppe
(seinen) Verstand benutzen · denken · nachdenken · überlegen  ●  (seine) Gehirnzellen anstrengen  ugs.
Synonymgruppe
Synonymgruppe
(von etwas) ausgehen · annehmen · denken · erwarten · glauben · meinen · mutmaßen · vermuten  ●  tippen auf  fig. · schätzen  ugs. · zu wissen glauben  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) merken · denken (an) · nicht vergessen
Assoziationen
  • (etwas) im Kopf haben · (etwas) präsent haben · (etwas) vor Augen haben · (jemandem) bewusst sein · (sich) im Klaren sein (über)  ●  (etwas) auf dem Schirm haben  ugs. · (etwas) mitdenken müssen  geh. · (etwas) nicht vergessen haben  ugs. · (jemandem) gewärtig sein  geh. · (jemandem) präsent sein  geh. · an etwas denken  ugs.
  • (einer Sache) Rechnung tragen · aufgreifen · einberechnen · einbeziehen · einkalkulieren · einplanen · einrechnen · erwägen · in Betracht ziehen · in Erwägung ziehen · in Rechnung stellen · integrieren · mit einbeziehen  ●  berücksichtigen  Hauptform · einpreisen  fig. · in Anschlag bringen  geh.
  • (sich etwas) bewusst halten · (sich) etwas merken · an etwas denken · bedenken · nicht vergessen  ●  (etwas) im Hinterkopf behalten  ugs.
Synonymgruppe
(es sich) nicht verkneifen können (zu) · (jemandem) einfallen · (jemandem) kommt der Gedanke · (sich) (etwas) überlegen · (sich) einfallen lassen · auf den Gedanken verfallen (zu) · auf die Idee kommen (zu) · in den Sinn kommen · nichts Besseres zu tun haben als  ●  (auf einmal) ankommen mit  ugs. · (den) Einfall haben (...)  ugs. · (einen) Rappel kriegen (und...)  ugs. · (jemandem) belieben zu (es)  geh. · (jemanden) anwandeln  geh. · (jemanden) anwehen  geh. · (jemanden) überkommen (es)  geh. · (plötzlich) die Idee haben (...)  ugs. · (sich etwas) denken (bei)  ugs. · (sich) bemüßigt fühlen (zu)  geh., ironisierend · auf die glorreiche Idee kommen (zu)  ugs., ironisch · es für eine gute Idee halten (zu / dass)  ugs., ironisch · kommen (auf)  ugs. · um die Ecke kommen mit  ugs., fig. · verfallen auf  geh.
Assoziationen
  • (haltlose) Vorstellung · (nicht ernst zu nehmender) Einfall · aus einer Laune heraus  ●  dumme Idee  Hauptform · (Idee) aus einer Bierlaune heraus  ugs. · Einfälle wie die Kuh Ausfälle  derb, scherzhaft · Furzidee  derb · Schnapsidee  ugs. · Wenn wir dich nicht hätten und die kleinen Kartoffeln ...  ugs., Spruch, ironisch, variabel
  • Anfall · Fimmel · Rappel
  • ...itis · ...leidenschaft · ...manie · ...sucht · ...tick · ...trieb · ...wahn · ...zwang  ●  ...fimmel  ugs.
  • (sich) kaprizieren auf  geh. · (sich) verlegen auf  geh.
Synonymgruppe
(etwas) erwägen · (etwas) in Erwägung ziehen · (sich) überlegen · denken (an) · nachdenken (über) · Überlegungen anstellen (+ indirekte Frage / + zu + Infinitiv)
Synonymgruppe
(jemandes) Meinung (sein) · denken (dass) · finden (dass)
Synonymgruppe
(jemanden) einplanen · (jemanden) vorsehen (für)  ●  (an jemanden) denken (bei)  ugs. · (jemanden) im Auge haben (für)  ugs., fig.

Typische Verbindungen zu ›denken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›denken‹.

Verwendungsbeispiele für ›denken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Handeln entspringt anderen Gesetzen als das Denken; aber gleichwohl sind beide aufeinander angewiesen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1963]]
Daß man für die Philosophie ein Interesse zeigt, bezeugt noch keine Bereitschaft zum Denken. [Braun, Marcus: Hochzeitsvorbereitungen, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 26]
Eine kräftige Lust am Denken löste das lyrische Schwelgen ab. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 37]
Da es ein sehr heißer Tag war, war ich viel zu faul zum Denken. [Haase, Lene: Abenteuer einer weißen Frau in Afrika. In: Exotische Jagdabenteuer, Reutlingen: Enßlin & Laiblin 1927 [1926], S. 5]
Daher ist das dialektische Denken das Organ des geschichtlichen Aufwachens. [Benjamin, Walter: Das Passagen-Werk. In: Tiedemann, Rolf (Hg.), Gesammelte Schriften Bd. 5,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1982 [1928-1929, 1934-1940], S. 52]
Zitationshilfe
„denken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/denken>.

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