Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

derb

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Wortbildung  mit ›derb‹ als Erstglied: Derbholz · derbknochig

Bedeutungsübersicht+

  1. grob
    1. a) kräftig, stark
    2. b) unfein, plump
eWDG

Bedeutung

grob
a)
kräftig, stark
Beispiele:
derbe Kost, derbes Brot
derbes Leder
eine derbe Hand
derbe Arme
ein derber Junge
der Stoff fasst sich derb an
jmdm. derb die Hand schütteln
er fasste so derb zu, dass die Schale zerbrach
derb zugreifen (können)
grobkörnig
Beispiel:
derbes Gestein, Mineral
b)
unfein, plump
Beispiele:
derbe Späße, Witze, Reden
einen derben Ausdruck, derbe Redensarten, Worte (ge)brauchen
eine derbe Antwort, einen derben Verweis bekommen
er stieß einen derben Fluch aus
jmdm. eine derbe (= deutliche) Lektion geben, erteilen
jmdn. derb anfahren (= jmdn. unfreundlich zurechtweisen)
jmdn. derb anfassen (= jmdn. rücksichtslos behandeln)
umgangssprachlichjmdn. derb anpacken (= jmdn. rücksichtslos behandeln)
Reinhold war es nicht gegeben … derb gegen Weiber zu sein [ DöblinAlexanderpl.198]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

derb Adj. ‘grob, fest, robust, unfein, ohne Zartgefühl’. Ahd. therb (9. Jh.), mhd. derp ‘ungesäuert’ bezeichnet zunächst wie aengl. þeorf, anord. þjarfr und ablautendes asächs. therƀi, mnd. derve die feste Beschaffenheit nicht durch Sauerteig aufgelockerten Brotes. Germ. *þerba- gehört entweder mit lat. torpēre ‘starr sein’, stirps ‘Baumstamm’, russ. térpnut’ (терпнуть) ‘erstarren’ zur Labialerweiterung ie. *(s)terp- oder mit griech. stérphos, térphos (στέρφος, τέρφος) ‘Leder, Haut, besonders die harte Rückenhaut der Tiere, Fell’ sowie dem (nur als Neutrum belegten) stérphnion (στέρφνιον) ‘starr, hart, fest’ zur Erweiterung ie. *(s)terbh- der Wurzel ie. *(s)ter(ə)- ‘starr, steif sein’ (s. starren). Von der Bedeutung ‘ungesäuert’ (nhd. noch im 18. Jh. lexikalisch gebucht) gehen in den germ. Sprachen verschiedene Übertragungen aus. Spätmhd. Verwendungen (14. Jh.) sind ‘massiv, gediegen’ (von Erz und Gestein), vereinzelt auch ‘fest, tüchtig’. Die weitere semantische Entwicklung im Nhd. wird dagegen durch ein (im Ahd. und Mhd. nicht belegtes) anderes westgerm. und nordgerm. Adjektiv beeinflußt, das in den Bildungen asächs. derƀi ‘feindlich, böse, ruchlos, kriegerisch’, mnd. derve ‘fest, tüchtig’, aengl. dearf ‘kühn’, dazu ablautend anord. djarfr ‘kühn, mutig’, schwed. djärv ‘kühn, verwegen’ bezeugt ist. Dieses kann wahrscheinlich wie aengl. (ge)deorfan ‘arbeiten, in Gefahr sein, umkommen’, (ge)deorf ‘Arbeit, Mühsal, Gefahr’ mit lit. dárbas ‘Arbeit, Tat, Werk’, dìrbti ‘arbeiten’, armen. derbuk ‘rauh, steif’ auf ie. *dherbh- ‘derb, kräftig arbeiten’ zurückgeführt werden (s. verderben). In der Form mnd. derve treffen beide Laut- und Bedeutungsstränge zusammen, so daß sich der moderne nhd. Gebrauch seit dem 17. Jh. vom Nordd. her über das gesamte Sprachgebiet verbreitet.

Thesaurus

Synonymgruppe
deftig · derb · handfest · nicht zimperlich · rustikal · saftig · unfein · ungehobelt  ●  gepfeffert  fig.
Assoziationen
  • (jemandem) einerlei sein · (jemandem) gleichgültig sein · (jemanden) gleichgültig lassen · (jemanden) nicht interessieren · (jemanden) nicht nervös machen · (jemanden) nichts angehen · (mit etwas) nichts zu tun haben · (sich) nicht scheren um · (völlig) kalt lassen · keinen Wert legen auf · mit den Achseln zucken · nichts am Hut haben (mit)  ●  (an jemandem) abprallen  fig. · (jemandem) egal sein  Hauptform · (jemandem) nicht den Schlaf rauben  fig. · (jemanden) nicht kümmern  veraltend · (jemanden) nicht unruhig schlafen lassen  fig. · (jemandem) (glatt / direkt) am Arsch vorbeigehen  derb · (jemandem) Blunzen sein  ugs., wienerisch · (jemandem) Latte  ugs. · (jemandem) herzlich egal  ugs. · (jemandem) latte  ugs. · (jemandem) piepegal  ugs. · (jemandem) scheißegal  derb · (jemandem) schnuppe  ugs. · (jemandem) schnurz  ugs. · (jemandem) schnurzpiepe  ugs. · (jemandem) sowas von egal  ugs. · (jemandem) wumpe  ugs., regional · (jemandem) wurscht  ugs. · (jemanden) nicht anfechten  geh., veraltend · (jemanden) nicht die Bohne interessieren  ugs., Redensart · (jemanden) nicht jucken  ugs. · (jemanden) nicht kratzen  ugs. · (jemanden) nicht scheren  geh., veraltend · (jemanden) nicht tangieren  geh., bildungssprachlich · (jemanden) nur peripher tangieren  geh. · (sich) nicht (weiter) kümmern um  ugs. · Scheiß der Hund drauf.  derb, Spruch, kommentierend · Scheiß drauf!  vulg., Spruch, kommentierend · das kannst du deinem Frisör erzählen  ugs., Spruch · das tangiert mich (äußerst) peripher  geh., Spruch, verhüllend, bildungssprachlich, scherzhaft · den lieben Gott einen guten Mann sein lassen  ugs., Redensart · drauf scheißen  vulg. · erzähl das der Parkuhr  ugs., veraltet, Spruch · keinen gesteigerten Wert legen auf  ugs. · nichts geben auf  ugs. · pfeifen auf  ugs. · sprich zu meiner Hand  ugs., Spruch, variabel
  • flapsig (Bemerkung, Auftreten) · nonchalant · salopp · unbekümmert · unernst  ●  hanswurstig  ugs.
  • bodenständig · gehörig · kernig · rustikal · urig · urwüchsig · zünftig  ●  waschecht  ugs.
Synonymgruppe
abweisend · barsch · brüsk · derb · flegelhaft · forsch · grob · grobklotzig · grobschlächtig · gröblich · kurz angebunden · rau · raubeinig · rauborstig · ruppig · rüde · rüpelhaft · schroff · uncharmant · unflätig · unfreundlich · ungalant · ungehobelt · ungeschliffen · unhöflich · unsanft · unwirsch · unzivilisiert · wenig galant · wirsch  ●  nicht (gerade) die feine englische Art  fig. · bärbeißig  geh., fig. · hantig  ugs., bayr. · harsch  geh. · hau-drauf-mäßig  ugs. · in Wildwest-Manier  ugs. · nassforsch  geh. · pampig  ugs. · raubauzig  ugs. · rotzig  ugs. · rustikal  ugs., scherzhaft-ironisch · wie die Axt im Walde  ugs.
Synonymgruppe
Billig... · billig · derb · flach · nicht (besonders) ambitioniert · ohne Ambition(en) · ohne Anspruch · ohne Niveau · platt · primitiv · schlecht · seicht  ●  wenig ambitioniert  verhüllend · anspruchslos  geh. · nicht besonders einfallsreich  ugs. · niveaulos  geh., Hauptform · unambitioniert  geh., verhüllend · wie in einem schlechten Film  ugs., variabel
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›derb‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›derb‹.

Verwendungsbeispiele für ›derb‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich sah, obwohl ich sie nicht sah, seine derben bäuerischen Stiefel unter dem Tisch. [Koeppen, Wolfgang: Der Tod in Rom. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1954], S. 620]
Er setzt noch einmal an, grinsend, in der Geschichte kommen viele derbe Ausdrücke vor. [Die Zeit, 19.07.2010, Nr. 29]
Der Sack ist derb geknüpft, durchsichtig, und mein Brief, der sich darin wichtig macht, sieht wirklich lächerlich aus. [Die Zeit, 07.05.1971, Nr. 19]
Derb waren seine Worte, aber, wenn man es recht bedenkt, nicht gar so böse. [Die Zeit, 06.01.1969, Nr. 01]
Die Jury schreibt, sie würden zwar deftig, aber nie derb kochen. [Süddeutsche Zeitung, 20.11.2003]
Zitationshilfe
„derb“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/derb>.

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