Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

despotisch

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung des-po-tisch
Wortzerlegung Despot -isch
eWDG

Bedeutung

willkürlich, nach dem Willen eines Despoten
Beispiele:
ein despotischer König, Fürst, Regent
ein despotischer Staat
die despotische Willkür eines Fürsten
gebieterisch, keinen Widerspruch duldend
Beispiele:
die Soldaten waren einem despotischen Drill unterworfen
ein despotisches Auftreten
so grausam despotisch verfuhr er mit den Schwächeren [ BredelHeerstraßen164]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Despot · despotisch · Despotismus · Despotie
Despot m. ‘Gewalt-, Willkürherrscher’. Griech. despótēs (δεσπότης) ‘Herr’ (im Gegensatz zum Sklaven), ‘unumschränkter Herrscher’ wird im byzantinischen Reich höfischer Titel. Er gilt ursprünglich nur für den Kaiser, geht später über auf Angehörige des Kaiserhauses und auf Herrscher, die ein Fürstentum an den Grenzen des Reiches ererben bzw. besitzen. In dieser Verwendung gelangt die Bezeichnung, vor allem als Titel bestimmter Balkanfürsten, in verschiedene Sprachen Südosteuropas und im 15. Jh. ins Deutsche. Griech. despótēs bedeutet ursprünglich ‘Hausherr’ wie das etymologisch übereinstimmende aind. dámpatiḥ. Das Vorderglied des-, ie. *dems- ist wahrscheinlich Genitiv eines Wortes für ‘Haus’, das mit Ablaut und jüngerer Stammbildung in griech. dómos (δόμος), lat. domus vorliegt; das Hinterglied ist umgebildet aus ie. *potis ‘Herr, Gemahl’, der Ausgangsform von gleichbed. aind. pátiḥ, griech. pósis (πόσις) ‘Gemahl’ sowie lat. potis Adj. ‘vermögend, mächtig’. Mitte des 18. Jhs. entwickelt sich die Bedeutung „Herrscher, der kein anderes Gesetz als das seiner Willkühr anerkennt“ (Campe), d. h. ‘Tyrann’, übertragen ‘herrischer Mensch’. despotisch Adj. ‘gewalttätig, willkürlich’ (2. Hälfte 17. Jh.); Despotismus m. (Mitte 18. Jh.) und Despotie f. ‘Gewalt-, Willkürherrschaft’ (Ende 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
despotisch · machthaberisch

Typische Verbindungen zu ›despotisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›despotisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›despotisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es gibt diese despotische Einstellung, dass man eine Sprache perfekt beherrschen muss, um sie übersetzen zu dürfen. [Die Zeit, 29.11.2013, Nr. 49]
Diese Abhängigkeit ist absolut, despotisch; aber sie wirkt zugleich befreiend. [Die Zeit, 22.04.1988, Nr. 17]
Erstmals stießen sie dabei auf die geradezu despotische Ordnung ihrer Institution. [Die Zeit, 05.03.1971, Nr. 10]
Sie fand ihn immer nett, aber oft distanziert, kühl, despotisch. [Süddeutsche Zeitung, 17.05.2004]
Sein Wille ist nicht weniger despotisch als der kategorische Imperativ. [Horkheimer, Max u. Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung, Amsterdam: Querido 1947 [1944], S. 130]
Zitationshilfe
„despotisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/despotisch>.

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