Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

deutsch

Grammatik Adjektiv · Komparativ: deutscher · Superlativ: am deutschesten, Steigerung selten
Aussprache  [dɔɪ̯ʧ]
Wortbildung  mit ›deutsch‹ als Erstglied: Deutschböhme · Deutschböhmin · Deutschheit · Deutschherren · Deutschkunde · Deutschland · Deutschlehrer · Deutschmeister · Deutschnationale · Deutschordensritter · Deutschritterorden · Deutschrock · Deutschrusse · Deutschrussin · Deutschschweiz · Deutschschweizer1 · Deutschschweizer2 · Deutschschweizerin · Deutschsprechen · Deutschtum · Deutschtürkin · Deutschunterricht · deutsch-deutsch · deutsch-schweizerisch · deutschfeindlich · deutschfreundlich · deutschgesinnt · deutschnational · deutschschweizerisch · deutschsprachig · deutschsprachlich · deutschstämmig
 ·  mit ›deutsch‹ als Letztglied: afrodeutsch · alldeutsch · altdeutsch · antideutsch · auslandsdeutsch · außerdeutsch · binnendeutsch · biodeutsch · bundesdeutsch · dunkeldeutsch · durchschnittsdeutsch · gemeindeutsch · gesamtdeutsch · großdeutsch · hochdeutsch · innerdeutsch · jungdeutsch · kerndeutsch · kleindeutsch · mitteldeutsch · neudeutsch · niederdeutsch · norddeutsch · nordwestdeutsch · oberdeutsch · ostdeutsch · papierdeutsch · plattdeutsch · prodeutsch · reichsdeutsch · russlanddeutsch · schriftdeutsch · schweizerdeutsch · sudetendeutsch · süddeutsch · südostdeutsch · treudeutsch · undeutsch · urdeutsch · volksdeutsch · westdeutsch
 ·  mit ›deutsch‹ als Grundform: Deutsch · Deutsche1 · Deutsche2
 ·  formal verwandt mit: ausdeutschen · verdeutschen
eWDG

Bedeutung

Deutschland und seine Bevölkerung betreffend
a)
Beispiele:
das deutsche Land, Volk
die deutschen Länder, Landschaften, Flüsse, Städte, Stämme
die deutsche Nation, Nationalhymne
er ist deutscher Nationalität
die deutschen Grenzen
die deutsche Regierung, Volksvertretung
der deutsche Gesandte
die deutsche Handelsflotte
die friedliche Lösung der deutschen Frage
die deutsche Wiedervereinigung
DDRder Tag des deutschen Bergmanns, Eisenbahners
Grammatik: in Namen
Beispiele:
Deutsches Institut für Normung
der Deutsche Normenausschuß
historischdie Deutsche Mark
das Deutsche Rote Kreuz
historischdie Deutsche Reichsbahn
DDRdie Deutsche Akademie der Künste
historischdie Deutsche Akademie der Wissenschaften
historischdie Deutsche Film-AG
DDRder Freie Deutsche Gewerkschaftsbund
DDRdie Deutsche Handelszentrale
DDRder Deutsche Innen- und Außenhandel
DDRdie Freie Deutsche Jugend
DDRder Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst
DDRdie Deutsche Demokratische Republik
DDRdie Deutsche Volkspolizei
historischdie Deutsche Bundesbahn
die Deutsche Forschungsgemeinschaft
der Deutsche Gewerkschaftsbund
die Deutsche Presseagentur
nazistischdie Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
nazistischdie Deutsche Arbeitsfront
aus Deutschland stammend
Beispiele:
deutsche Waren, deutscher Käse, Wein
deutsche Zeitschriften, Bücher
eine deutsche Erfindung
ein deutscher Film
deutsche Staatsbürger, Auswanderer
b)
für Deutschland und seine Bevölkerung eigentümlich, charakteristisch
Beispiele:
die deutsche Sprache, Schrift, Dichtung, Prosa, Musik, Geschichte, Wissenschaft, Kunst
die deutschen Mundarten
deutsche Sagen, Märchen
ein deutscher Tanz
deutsche Trachten, Bräuche
nach alter deutsch Sitte
das deutsche Recht
die deutsche Politik
das deutsche Wesen, Gemüt
deutsche Wertarbeit, Gründlichkeit
spöttischder deutsche Michel (= der biedere, ehrliche, aber politisch schlafmützige Deutsche)
deutsch fühlen, denken, bleiben
nazistisch der Deutsche GrußGruß durch Erheben der flachen rechten Hand
Beispiel:
Aber so wie … der Deutsche Gruß nur eine Nachahmung des Faschistengrußes [ist] [ KlempererLTI57]
c)
in der Sprache der Bevölkerung Deutschlands
Beispiele:
er spricht deutsch
sie lernt, schreibt, unterrichtet, versteht deutsch
etw. deutsch sagen, ausdrücken
ein Fremdwort deutsch aussprechen, betonen
sich mit einem Ausländer deutsch, auf Deutsch unterhalten
wie heißt das auf (gut) Deutsch?
lateinisch ›hora‹, zu deutsch ›Stunde‹
die Deklaration erscheint in deutsch
die deutsche Übersetzung eines Buches
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
mit jmdm. (einmal) deutsch reden (= jmdm. offen, unverblümt die Wahrheit sagen)
das heißt auf gut deutsch (= ohne Beschönigung)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

deutsch · verdeutschen · Deutschland
deutsch Adj. ahd. thiutisk (um 1000), mhd. diutisch, diutsch, tiutsch, tiusch, (md.) dūdesch, dūtsch, dūsch, nhd. (häufig bis ins 16./17. Jh., gelegentlich noch 2. Hälfte 18. sowie 19. Jh.) teutsch, asächs. thiudisc, mnd. dǖdesch, mnl. (holl.) duutsc (woraus engl. Dutch ‘holländisch’), nl. duits, fläm. dietsc; zu aengl. þēodisc, got. þiudiskō sowie zu den skandinav. Formen s. unten. In latinisierter Form erscheint das westgerm. Adjektiv bereits zur Zeit Karls des Großen (seit 786) als mlat. theodiscus ‘zum (eigenen) Volk gehörig’; zuerst auf sprachliche Verhältnisse bezogen, meint es den Gebrauch der germ. Volkssprache im Gegensatz zu Lat. und den roman. Sprachen, bezeichnet daher (im frühesten Beleg) auch das Aengl., dann das Frk. und wird später auch auf politische Verhältnisse angewandt. Neben theodiscus erscheint seit etwa 880 als Reflex der ahd. Form (s. oben) auch mlat. diutiscus, tiutiscus. Die den germ. Formen und ihren Latinisierungen zugrundeliegenden Bildungen gehören als Zugehörigkeitsadjektive auf -isk- zu germ. *þeuðō ‘Volk’, ahd. thiota, thiot (8. Jh.), mhd. diet (erhalten in Eigennamen wie Dietrich, Dietwald), asächs. thiod(a), mnl. diet, aengl. þēod, anord. þjōð, got. þiuda (s. auch deuten). Verwandt mit germ. *þeuðō sind air. tūath ‘Volk, Stamm, Land’, lit. tautà ‘Volk, Nation, Land’. Diese Substantive gehören wie tausend (s. d.) zur Wurzel ie. *tē̌u-, *teu̯ə-, *tū̌- ‘schwellen’, bezeichnen ursprünglich also die ‘große (kraftvolle, mächtige) Menge’. Die westgerm. Adjektivbildung ist vielleicht als Äquivalent für lat. vulgāris ‘allgemein, alltäglich, allbekannt’ (zu lat. vulgus ‘große Menge, Volk’) entstanden. Einmal belegtes got. þiudiskō Adv. ‘heidnisch’ ist unabhängig davon Übersetzung von griech. ethnikṓs (ἐθνικῶς), zu éthnos (ἔθνος) ‘Volk’, Plur. (biblisch) auch ‘Heiden’ (s. ethnisch und Heide1 m.). Entsprechend übersetzt aengl. þēodisc ‘heidnisch’ lat. gentīlis (s. Gentilgesellschaft) in der kirchenlat. Bedeutung ‘heidnisch’ (zu lat. gentēs Plur., kirchenlat. ‘Heiden’). Offen bleibt die Frage, wieweit das substantivierte Adjektiv aengl. þēodisc n. ‘einheimische Sprache, Einzelsprache’ eine selbständige Bildung ist oder unter dem Einfluß des Kontinentalwestgerm. steht. Ein solcher ist zumindest in semantischer Hinsicht für die skandinav. Bildungen anord. þȳðverskr, þȳzkr, norw. schwed. dän. tysk ‘deutsch’ vorauszusetzen. Mlat. theodiscus wird Mitte des 11. Jhs. durch das konkurrierende mlat. teutonicus verdrängt (umgedeutet aus lat. Teutonicus ‘dem Stamm der Teutonen angehörend, germanisch’; der Name der Teutonen gehört gleichfalls zur hier behandelten Wortgruppe, weist in seiner antiken Lautform lat. Teutonī, Teutonēs aber auf kelt. Umgestaltung). Anfang des 10. Jhs. werden sowohl mlat. theodiscus wie mlat. teutonicus auf die sprachlichen und politischen Verhältnisse des Ostfrankenreiches (und damit auf das mittelalterliche deutsche Reich) eingeschränkt. Die Wendung mit jmdm. deutsch (‘offen, unmißverständlich’) reden ist seit der 2. Hälfte des 15. Jhs. bezeugt. – verdeutschen Vb. ‘ins Deutsche übertragen’, früher verteutschen (15. Jh.); älter ist noch im 17. Jh. vorkommendes deutschen, teutschen, mhd. diutschen, tiutschen ‘auf deutsch sagen, erklären’. Deutschland, aus Fügungen wie mhd. in Diutischemi lande (Annolied, um 1085) entstanden, im Mhd. vereinzelt schon in Diutisk lant (Kaiserchronik, um 1150), spätmhd. Tiutschland; Zusammenschreibung setzt sich endgültig erst im 16. Jh. durch.

Thesaurus

Synonymgruppe
deutsch · germanisch · teutonisch
Assoziationen
  • Germania  ●  Deutschland Hauptform · Land der Richter und Henker sarkastisch · Teutonia lat. · Teutschland veraltet · Kartoffelland ugs., ironisch · Land der Dichter und Denker ugs. · Piefkei ugs., österr. · Schland ugs., Verballhornung · Tschland ugs., Verballhornung · deutsche Lande fachspr., Jargon, werbesprachlich · grosser Kanton ugs., schweiz.

Typische Verbindungen zu ›deutsch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›deutsch‹.

Verwendungsbeispiele für ›deutsch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da verwendete schon jede zweite deutsche Frau und jeder dritte Mann ein Deo. [Hars, Wolfgang: Nichts ist unmöglich! Lexikon der Werbesprüche, München: Piper 2001 [1999], S. 259]
Nur unter dem europäischen Dach sei die deutsche Frage lösbar. [Küsters, Hans Jürgen: Entscheidung für die deutsche Einheit. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1998], S. 132]
Dennoch gab es auch im deutschen Reich der Kultur vieles zu verbessern. [Lepenies, Wolf: Kultur und Politik, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 127]
War ihm vielleicht die deutsche Mission auch für seinen Geschmack zu grandios geraten? [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 617]
Das Programm der deutschen Regierung ist das Programm des deutschen Volkes. [Grotewohl, Otto: Die Regierungserklärung des Ministerpräsidenten der DDR auf der gemeinsamen Tagung der Provisorischen Volks- und Länderkammer am 04.11.1998. In: Barthel, Henner (Hg.) Politische Reden in der DDR, St. Ingbert: Röhrig 1998 [1949], S. 24]
Zitationshilfe
„deutsch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/deutsch>.

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