dichotom

GrammatikAdjektiv · ohne Steigerung
Aussprache
Worttrennungdi-cho-tom
formal verwandt mitDichotomie
Wortbildung mit ›dichotom‹ als Erstglied: ↗dichotomisch  ·  formal verwandt mit: ↗Dichotomie

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [fachsprachlich] zweiteilig, zweigliedrig
  2. 2. [Botanik] gegabelt
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2020

Bedeutungen

1.
fachsprachlich zweiteilig, zweigliedrig
Beispiele:
Charisma stellt keine dichotome Variable dar, die nur in den beiden Ausprägungen »charismatisch« oder »nicht-charismatisch« in Erscheinung treten kann. Vielmehr wird Charisma als ein skalares, das heißt ein entlang eines Kontinuums in verschiedenen Ausprägungsgraden vorliegendes Phänomen verstanden. Führungspersonen sind danach mehr oder weniger charismatisch. [Süddeutsche Zeitung, 30.12.1995]
Der Wald ist Wildnis, das dichotome Gegenbild zum sittenstrengen Dorfleben, zu Disziplin und Bescheidenheit. [Neue Zürcher Zeitung, 11.10.2017]
Rational mit Gefühlen umgehen – was bedeutet das? Lange Zeit herrschte die Meinung vor, es sei rational, sie zu unterdrücken. Dann setzte sich die Meinung durch, es sei rational, sie herauszulassen. Beide Meinungen bringen klassisches dichotomes Denken zum Ausdruck. […] Die neue Formel könnte lauten: Das Kalkül kommt dem Gefühl zur Hilfe, statt es zu unterdrücken oder vor ihm zu kapitulieren. [Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2007]
Komödie ist grausam und dichotom: Man lacht, oder nicht. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2003]
Alle totalitären Bewegungen unseres Jahrhunderts definieren sich als Opfer und beanspruchen als Opfer das Recht, mehr noch die historische Pflicht, zurückzuschlagen. Für sie gilt nicht die prinzipielle Gleichheit von Freund und Feind[…] sondern der absolute qualitative Unterschied, der zu allem berechtigt. Ihre Welt ist nicht nur dichotom, sondern unterliegt einem steilen moralischen Gefälle. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.1998]
2.
Botanik gegabelt
Beispiele:
Meine Tochter hat gestern am Straßenrand diesen kuriosen Fund gemacht: Dabei handelt es sich um eine sogenannte Verbänderung oder Fasziation. Durch eine Störung der Wachstumsregulation wird ein viel breiterer Stängel mit in diesem Fall sechs verwachsenen Löwenzahn-Blüten gebildet. Das Ganze ähnelt sehr der ursprünglichen dichotomen Verzweigung bei der sich ein Sproß durch Gabelung in zwei gleiche Gabelsprosse teilt. [Fundstück am Wegesrand, 03.05.2010, aufgerufen am 30.04.2016]
Die Leitbündel treten als Blattspur durch den Blattstiel in das Blatt ein. Sie bilden entweder ein reich verzweigtes Netz, dessen feinste Verästelungen schließlich blind enden, durchziehen das Blatt mehr oder weniger parallel in Längsrichtung, oder zeigen in seltenen Fällen eine dichotome Aufgabelung. [Nultsch, Wilhelm: Allgemeine Botanik, Stuttgart: Thieme 1986, S. 219. Zitiert nach: Nultsch, Wilhelm: Allgemeine Botanik, Stuttgart: Thieme 1964.]
Phylogenetisch sehr alt ist die dichotome Gabelnervatur, die keine Mittelrippe aufweist. Sie findet sich nur noch bei wenigen rezenten Formen, z. B. Ginkgo biloba […]. [Nultsch, Wilhelm: Allgemeine Botanik, Stuttgart: Thieme 1986, S. 214. Zitiert nach: Nultsch, Wilhelm: Allgemeine Botanik, Stuttgart: Thieme 1964.]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Dichotomie · dichotomisch · dichotom
Dichotomie f. ‘Zweiteilung, gabelartige Verzweigung’, entlehnt (17. Jh.) aus griech. dichotomía (διχοτομία) ‘Teilung in zwei Hälften’, zu griech. dichotómos (διχοτόμος) Adj. ‘in zwei Teile geschnitten, gespalten’, aus griech. dícha (δίχα) ‘zweifach’ und griech. tómos (τόμος) ‘einschneidend’, zu griech. témnein (τέμνειν) ‘schneiden, zerteilen, ab-, durchschneiden’. dichotomisch Adj. ‘zweigliedrig, gespalten, zwiespältig’ (18. Jh.), gekürzt dichotom Adj. (20. Jh.), aus griech. dichotómos (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
dichotom · gespalten · ↗uneins · ↗unentschieden · ↗zwiegespalten · ↗zwiespältig  ●  ↗dichotomisch  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
ambivalent · doppelwertig · in sich uneins · in sich widersprüchlich · zweigeteilt  ●  ↗zwiespältig  Hauptform · dichotom  fachspr. · ↗dichotomisch  fachspr.
Assoziationen
Zitationshilfe
„dichotom“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dichotom>, abgerufen am 01.04.2020.

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