Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

dichten

Grammatik Verb · dichtet, dichtete, hat gedichtet
Aussprache  [ˈdɪçtn̩]
Worttrennung dich-ten
Grundformdicht
Wortbildung  mit ›dichten‹ als Erstglied: Dichtband · Dichtung1  ·  mit ›dichten‹ als Letztglied: abdichten
eWDG

Bedeutung

etw. dicht, undurchlässig machen
Beispiele:
ein Fenster, eine Tür, Fuge, Luke (gegen Zugluft) gut dichten
einen Wasserhahn, ein Fass, Boot, Schiff dichten
das Dach (mit Pappe, Filz, Werg) dichten
Schiffbauein Leck dichten
übertragen
Beispiel:
das stille Einverständnis zwischen ihnen dichtete sich (= wurde enger, inniger) [ Feuchtw.Narrenweisheit140]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dicht · dichthalten · Dichte · dichten1 · Dichtung1
dicht Adj. ‘undurchlässig, nahe beieinander’, mhd. dīhte, mnd. dicht(e) ‘undurchlässig, stark, tüchtig, häufig, wahrhaftig’, aengl. -þiht, engl. tight, mnl. dicht(e), nl. dicht, anord. þēttr, schwed. tät (germ. *þīhta-, aus *þenhta-) führen mit mir. tēcht ‘geronnen’ und lit. tánkus ‘dicht, häufig’ auf die Wurzel ie. *tenk- ‘(sich) zusammenziehen, fest, dicht werden’ (s. auch gedeihen). Im Germ. tritt Ersatzdehnung nach n-Ausfall vor -h- ein (vgl. mhd. dīhte, frühnhd. deicht). Im Mnd. wird die Länge wieder beseitigt; die Form mit kurzem i, mnd. dicht, dringt im 16. Jh. ins Md. und wird danach allgemein schriftsprachlich. dichthalten Vb. ‘verschwiegen sein’ (18. Jh.). Dichte f. ‘enges Beieinander, enge Aufeinanderfolge, Konzentration eines Stoffes oder einer Vorstellung’ (16. Jh.). dichten1 Vb. ‘undurchlässig machen, schließen’, mnd. dichten (15. Jh.). Dichtung1 f. ‘Verbindungsstück, Ring zum Abdichten technischer Geräte und Leitungen’ (19. Jh.).

Verwendungsbeispiele für ›dichten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Elektrotechniker dichtet nicht mit Verschraubungen und Lötungen, sondern mit Isolatoren. [Rhein, Eduard: Du und die Elektrizität, Berlin: Ullstein 1956 [1940], S. 122]
Zitationshilfe
„dichten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dichten#1>.

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dichten

Grammatik Verb · dichtet, dichtete, hat gedichtet
Aussprache  [ˈdɪçtn̩]
Worttrennung dich-ten
Wortbildung  mit ›dichten‹ als Erstglied: Dichtart · Dichter · Dichterei · Dichtkunst · Dichtung2 · Dichtwerk
 ·  mit ›dichten‹ als Letztglied: andichten · bedichten · erdichten · hinzudichten · nachdichten · umdichten · zurechtdichten · zusammendichten
 ·  mit ›dichten‹ als Grundform: Gedicht
Mehrwortausdrücke  Dichten und Trachten
eWDG

Bedeutungen

1.
ein sprachliches Kunstwerk poetisch gestalten
Beispiele:
ein Gedicht, Drama, Epos dichten
etw. aus dem Stegreif, in Versen dichten
er versucht sich im Dichten
Tien Tschien dichtet in der Zunge des Volkes [ Weiskopf8,253]
sich etw. mit der Wirklichkeit nicht Übereinstimmendes ausdenken, erträumen
Beispiele:
umgangssprachlichdu dichtest wohl!
dichterischwer […] / Sich über Wolken seinesgleichen dichtet (= denkt, vorstellt)! [ GoetheFaustII 11444]
2.
gehoben jmds. Dichten und Trachten (= jmds. ganzes Streben)
Beispiel:
sein ganzes Dichten und Trachten ist auf Erwerb gerichtet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dichten2 · Dichter · Dichtung2 · Gedicht
dichten2 Vb. ‘literarische Werke, Verse verfassen, erfinden’. Ahd. tihtōn ‘sprachlich gestalten, abfassen’ (9. Jh.; daneben auch Formen mit inlautendem -ct-, dem lat. Lautstand entsprechend), mhd. tihten ‘schreiben, schriftlich abfassen, erfinden, schaffen, erlügen’, mnd. mnl. nl. dichten, aengl. dihtan ‘einrichten, verfügen, anordnen, befehlen, verfassen, schreiben, veranlassen’, anord. schwed. dikta gelten allgemein als Entlehnungen von lat. dictāre ‘vorsagen, verfassen’ (s. diktieren). Der nhd. d-Anlaut beruht auf der binnendeutschen Konsonantenschwächung. Fraglich ist, ob die westgerm. Verben möglicherweise erst sekundär unter den Einfluß von lat. dictāre geraten, in Wirklichkeit aber germ. Ursprungs sind. Unter Berufung auf die Bedeutungsbreite der genannten Verben erwägt man Zusammenhang mit stark flektierendem mhd. tīchen ‘schaffen, treiben, ins Werk setzen’ (auch von Gesang und Tanz), ‘die Stimme erschallen lassen’ und will dieses (sehr unsicher) auf eine Variante ie. *dheig̑- der unter Teig (s. d.) genannten Wurzel ie. *dheig̑h- ‘kneten’ zurückführen. Dichter m. ‘Verfasser von Versen, literarischen Werken’, mhd. tihtære ‘Verfasser, Erdichter’. Im Nhd. bleibt Dichter selten und setzt sich erst seit dem 18. Jh. gegen das im 15. bis 17. Jh. üblichere Poet (s. d.) durch, das im 18. Jh. einen abschätzigen Sinn erhält. Dichter bezeichnet heute vorwiegend den Verfasser von Lyrik gegenüber dem allgemeineren Schriftsteller (s. d.). Dichtung2 f. ‘literarisches Kunstwerk’ (15. Jh.). Gedicht f. ‘lyrische Dichtung (in Versen)’, mhd. getiht(e) ‘schriftliche Aufzeichnung, Erdichtung, Kunstwerk’.

Typische Verbindungen zu ›dichten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dichten‹.

Verwendungsbeispiele für ›dichten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er dichtet über die Götter, weil ihm die Musen dies befohlen haben. [Gigon, Olof: Das hellenische Erbe. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 8141]
Jeder dichtet, und dann lesen wir uns das gegenseitig vor. [Süddeutsche Zeitung, 02.07.1994]
Nun, ich bereue tief, derart geträumt und gedichtet zu haben. [Walser, Robert: Jakob von Gunten, Zürich: Suhrkamp 1973 [1909], S. 124]
Auf einen weißgedeckten Tisch legte ich die Festesgaben, zu denen ich einen eigenen Vers gedichtet hatte. [Christ, Lena: Erinnerungen einer Überflüssigen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 16980]
Dies ist für den Dichter gewiß nicht schmeichelhaft, aber es ist auch nicht jeder, der dichtet, ein Dichter. [Stettenheim, Julius: Der moderne Knigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1902], S. 10103]
Zitationshilfe
„dichten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dichten#2>.

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