dichten

GrammatikVerb · dichtet, dichtete, hat gedichtet
Aussprache
Worttrennungdich-ten
Grundformdicht
Wortbildung mit ›dichten‹ als Erstglied: ↗Dichtband  ·  mit ›dichten‹ als Letztglied: ↗abdichten
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. dicht, undurchlässig machen
Beispiele:
ein Fenster, eine Tür, Fuge, Luke (gegen Zugluft) gut dichten
einen Wasserhahn, ein Fass, Boot, Schiff dichten
das Dach (mit Pappe, Filz, Werg) dichten
Schiffbauein Leck dichten
übertragen
Beispiel:
das stille Einverständnis zwischen ihnen dichtete sich (= wurde enger, inniger) [Feuchtw.Narrenweisheit140]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dicht · dichthalten · Dichte · dichten1 · Dichtung1
dicht Adj. ‘undurchlässig, nahe beieinander’, mhd. dīhte, mnd. dicht(e) ‘undurchlässig, stark, tüchtig, häufig, wahrhaftig’, aengl. -þiht, engl. tight, mnl. dicht(e), nl. dicht, anord. þēttr, schwed. tät (germ. *þīhta-, aus *þenhta-) führen mit mir. tēcht ‘geronnen’ und lit. tánkus ‘dicht, häufig’ auf die Wurzel ie. *tenk- ‘(sich) zusammenziehen, fest, dicht werden’ (s. auch ↗gedeihen). Im Germ. tritt Ersatzdehnung nach n-Ausfall vor -h- ein (vgl. mhd. dīhte, frühnhd. deicht). Im Mnd. wird die Länge wieder beseitigt; die Form mit kurzem i, mnd. dicht, dringt im 16. Jh. ins Md. und wird danach allgemein schriftsprachlich. dichthalten Vb. ‘verschwiegen sein’ (18. Jh.). Dichte f. ‘enges Beieinander, enge Aufeinanderfolge, Konzentration eines Stoffes oder einer Vorstellung’ (16. Jh.). dichten1 Vb. ‘undurchlässig machen, schließen’, mnd. dichten (15. Jh.). Dichtung1 f. ‘Verbindungsstück, Ring zum Abdichten technischer Geräte und Leitungen’ (19. Jh.).

dichten2 · Dichter · Dichtung2 · Gedicht
dichten2 Vb. ‘literarische Werke, Verse verfassen, erfinden’. Ahd. tihtōn ‘sprachlich gestalten, abfassen’ (9. Jh.; daneben auch Formen mit inlautendem -ct-, dem lat. Lautstand entsprechend), mhd. tihten ‘schreiben, schriftlich abfassen, erfinden, schaffen, erlügen’, mnd. mnl. nl. dichten, aengl. dihtan ‘einrichten, verfügen, anordnen, befehlen, verfassen, schreiben, veranlassen’, anord. schwed. dikta gelten allgemein als Entlehnungen von lat. dictāre ‘vorsagen, verfassen’ (s. ↗diktieren). Der nhd. d-Anlaut beruht auf der binnendeutschen Konsonantenschwächung. Fraglich ist, ob die westgerm. Verben möglicherweise erst sekundär unter den Einfluß von lat. dictāre geraten, in Wirklichkeit aber germ. Ursprungs sind. Unter Berufung auf die Bedeutungsbreite der genannten Verben erwägt man Zusammenhang mit stark flektierendem mhd. tīchen ‘schaffen, treiben, ins Werk setzen’ (auch von Gesang und Tanz), ‘die Stimme erschallen lassen’ und will dieses (sehr unsicher) auf eine Variante ie. *dheig̑- der unter ↗Teig (s. d.) genannten Wurzel ie. *dheig̑h- ‘kneten’ zurückführen. Dichter m. ‘Verfasser von Versen, literarischen Werken’, mhd. tihtære ‘Verfasser, Erdichter’. Im Nhd. bleibt Dichter selten und setzt sich erst seit dem 18. Jh. gegen das im 15. bis 17. Jh. üblichere ↗Poet (s. d.) durch, das im 18. Jh. einen abschätzigen Sinn erhält. Dichter bezeichnet heute vorwiegend den Verfasser von Lyrik gegenüber dem allgemeineren ↗Schriftsteller (s. d.). Dichtung2 f. ‘literarisches Kunstwerk’ (15. Jh.). Gedicht f. ‘lyrische Dichtung (in Versen)’, mhd. getiht(e) ‘schriftliche Aufzeichnung, Erdichtung, Kunstwerk’.

Verwendungsbeispiel für ›dichten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Elektrotechniker dichtet nicht mit Verschraubungen und Lötungen, sondern mit Isolatoren.
Rhein, Eduard: Du und die Elektrizität, Berlin: Ullstein 1956 [1940], S. 122
Zitationshilfe
„dichten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dichten#1>, abgerufen am 17.01.2020.

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dichten

GrammatikVerb · dichtet, dichtete, hat gedichtet
Aussprache
Worttrennungdich-ten (computergeneriert)
Wortbildung mit ›dichten‹ als Erstglied: ↗Dichter · ↗Dichterei · ↗Dichtkunst · ↗Dichtwerk
 ·  mit ›dichten‹ als Letztglied: ↗andichten · ↗bedichten · ↗erdichten · ↗hinzudichten · ↗nachdichten · ↗umdichten · ↗zurechtdichten · ↗zusammendichten
 ·  mit ›dichten‹ als Grundform: ↗Gedicht
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
ein sprachliches Kunstwerk poetisch gestalten
Beispiele:
ein Gedicht, Drama, Epos dichten
etw. aus dem Stegreif, in Versen dichten
er versucht sich im Dichten
Tien Tschien dichtet in der Zunge des Volkes [Weiskopf8,253]
sich etw. mit der Wirklichkeit nicht Übereinstimmendes ausdenken, erträumen
Beispiele:
umgangssprachlichdu dichtest wohl!
dichterischwer […] / Sich über Wolken seinesgleichen dichtet (= denkt, vorstellt)! [GoetheFaustII 11444]
2.
gehoben jmds. Dichten und Trachten (= jmds. ganzes Streben)
Beispiel:
sein ganzes Dichten und Trachten ist auf Erwerb gerichtet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dicht · dichthalten · Dichte · dichten1 · Dichtung1
dicht Adj. ‘undurchlässig, nahe beieinander’, mhd. dīhte, mnd. dicht(e) ‘undurchlässig, stark, tüchtig, häufig, wahrhaftig’, aengl. -þiht, engl. tight, mnl. dicht(e), nl. dicht, anord. þēttr, schwed. tät (germ. *þīhta-, aus *þenhta-) führen mit mir. tēcht ‘geronnen’ und lit. tánkus ‘dicht, häufig’ auf die Wurzel ie. *tenk- ‘(sich) zusammenziehen, fest, dicht werden’ (s. auch ↗gedeihen). Im Germ. tritt Ersatzdehnung nach n-Ausfall vor -h- ein (vgl. mhd. dīhte, frühnhd. deicht). Im Mnd. wird die Länge wieder beseitigt; die Form mit kurzem i, mnd. dicht, dringt im 16. Jh. ins Md. und wird danach allgemein schriftsprachlich. dichthalten Vb. ‘verschwiegen sein’ (18. Jh.). Dichte f. ‘enges Beieinander, enge Aufeinanderfolge, Konzentration eines Stoffes oder einer Vorstellung’ (16. Jh.). dichten1 Vb. ‘undurchlässig machen, schließen’, mnd. dichten (15. Jh.). Dichtung1 f. ‘Verbindungsstück, Ring zum Abdichten technischer Geräte und Leitungen’ (19. Jh.).

dichten2 · Dichter · Dichtung2 · Gedicht
dichten2 Vb. ‘literarische Werke, Verse verfassen, erfinden’. Ahd. tihtōn ‘sprachlich gestalten, abfassen’ (9. Jh.; daneben auch Formen mit inlautendem -ct-, dem lat. Lautstand entsprechend), mhd. tihten ‘schreiben, schriftlich abfassen, erfinden, schaffen, erlügen’, mnd. mnl. nl. dichten, aengl. dihtan ‘einrichten, verfügen, anordnen, befehlen, verfassen, schreiben, veranlassen’, anord. schwed. dikta gelten allgemein als Entlehnungen von lat. dictāre ‘vorsagen, verfassen’ (s. ↗diktieren). Der nhd. d-Anlaut beruht auf der binnendeutschen Konsonantenschwächung. Fraglich ist, ob die westgerm. Verben möglicherweise erst sekundär unter den Einfluß von lat. dictāre geraten, in Wirklichkeit aber germ. Ursprungs sind. Unter Berufung auf die Bedeutungsbreite der genannten Verben erwägt man Zusammenhang mit stark flektierendem mhd. tīchen ‘schaffen, treiben, ins Werk setzen’ (auch von Gesang und Tanz), ‘die Stimme erschallen lassen’ und will dieses (sehr unsicher) auf eine Variante ie. *dheig̑- der unter ↗Teig (s. d.) genannten Wurzel ie. *dheig̑h- ‘kneten’ zurückführen. Dichter m. ‘Verfasser von Versen, literarischen Werken’, mhd. tihtære ‘Verfasser, Erdichter’. Im Nhd. bleibt Dichter selten und setzt sich erst seit dem 18. Jh. gegen das im 15. bis 17. Jh. üblichere ↗Poet (s. d.) durch, das im 18. Jh. einen abschätzigen Sinn erhält. Dichter bezeichnet heute vorwiegend den Verfasser von Lyrik gegenüber dem allgemeineren ↗Schriftsteller (s. d.). Dichtung2 f. ‘literarisches Kunstwerk’ (15. Jh.). Gedicht f. ‘lyrische Dichtung (in Versen)’, mhd. getiht(e) ‘schriftliche Aufzeichnung, Erdichtung, Kunstwerk’.

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
(ein) Gedicht verfassen · Gedichte schreiben · Verse schmieden · dichten · ↗reimen
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Gedicht · ↗Poem · ↗Reim · lyrisches Werk
  • durch Reim(e) verbunden · gereimt · in Versen · in Versform · in gereimter Form (verfasst)
  • (der) Autor (sein) · (der) Verfasser (sein) · aus der Feder von · aus jemandes Feder · verfasst von

Typische Verbindungen zu ›dichten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Deutschlandlied Hymne Hymnus Leck Lied Ode Poet Sonett Strophe Vers Volksmund Zweizeiler abdichten andichten dazudichten dichten einst hindichten hineindichten hinzudichten komponieren malen musizieren nachdichten philosophieren reimen umdichten vertonen weiterdichten zusammendichten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dichten‹.

Verwendungsbeispiele für ›dichten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er dichtet über die Götter, weil ihm die Musen dies befohlen haben.
Gigon, Olof: Das hellenische Erbe. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 8141
Jeder dichtet, und dann lesen wir uns das gegenseitig vor.
Süddeutsche Zeitung, 02.07.1994
Nun, ich bereue tief, derart geträumt und gedichtet zu haben.
Walser, Robert: Jakob von Gunten, Zürich: Suhrkamp 1973 [1909], S. 124
Auf einen weißgedeckten Tisch legte ich die Festesgaben, zu denen ich einen eigenen Vers gedichtet hatte.
Christ, Lena: Erinnerungen einer Überflüssigen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 16980
Dies ist für den Dichter gewiß nicht schmeichelhaft, aber es ist auch nicht jeder, der dichtet, ein Dichter.
Stettenheim, Julius: Der moderne Knigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1902], S. 10103
Vermutlich dichtete er an einigen Tragödien, von denen übrigens keine ans Tageslicht gekommen ist.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Zitationshilfe
„dichten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dichten#2>, abgerufen am 17.01.2020.

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