dicke Luft

Grammatik Mehrwortausdruck
Bestandteile dickLuft
Rechtschreibregeln § 63 (1.2)
ZDL-Vollartikel, 2020

Bedeutung

angespannte, gereizte Stimmung, die in Streit umzuschlagen droht; kritische, bedrohliche, feindselige Stimmungslage (in einer Gruppe)
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: etw., jmd. sorgt für dicke Luft
als Aktiv-/Passivsubjekt: es herrscht dicke Luft
Beispiele:
Wenn Diplomaten von einer angespannten Sitzung reden, heißt das: sehr dicke Luft. [Süddeutsche Zeitung, 09.07.2015]
»Unausgesprochene Erwartungen sind auch häufig der Grund für dicke Luft unter Paaren«[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 12.06.2015]
Die Bedeutung »Gefahr«, »bedrohliche Stimmung« hat die Redensart [dicke Luft] erst seit dem frühen 20. Jahrhundert. Wahrscheinlich kam sie im Ersten Weltkrieg auf, wo dicke Luft bedeutete, dass die Luft mit Granatsplittern und feindlichen Geschossen durchsetzt war. Jünger erklärt: »Wenn die gewöhnliche Feuertätigkeit zu ausgesprochen ›dicker Luft‹ sich steigerte.« [Die Welt, 30.08.2014]
Wir meckern uns gegenseitig an, werfen uns Dinge an den Kopf, bis sich das Gezänk plötzlich wie von alleine wieder auflöst. Heute schneller denn je. Dicke Luft zwischen uns hält nie lange an. [Die Zeit, 31.08.2006, Nr. 36]
Auf See kommt es nicht nur auf seglerische Fähigkeiten an, darauf, wer gut trimmen und steuern kann, sowie die richtige Navigation. Auch das menschliche Miteinander steht auf der Probe, das »Einer für alle, alle für einen«. Mit dicker Luft an Bord wird keine Mannschaft ihr Ziel erreichen. [Die Welt, 13.06.2003]
Es herrscht dicke Luft, es wird gestritten, wer wofür verantwortlich ist und wer wofür finanziell aufzukommen hat. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2003]
»Das gab am Anfang ziemlich dicke Luft hier«, meinte Steinberg, »aber nach ein paar Festen und einem sehr schönen gemeinsamen Ausflug ist die Stimmung nun sehr viel besser«. [Berliner Zeitung, 31.05.1997]
Hör mal, denn kannste mir vielleicht 5 Mark geben, ich hab keenen Groschen, meine Wirtin schmeißt mir sonst raus, und in die Augustherberge, da geh ich nicht, immer dicke Luft. [Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz, Olten: Walter 1961, S. 387. Zitiert nach: Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz, Berlin: S. Fischer 1929.]
allgemeiner Gefahr, Bedrohung
Beispiele:
Dafür sind die Tiere [Weichschildkröten] besonders schnell und wühlen sich bei Gefahr in den Sand. Wenn über der Wasseroberfläche dicke Luft, also Gefahr, herrscht, decken sie ihren Sauerstoffbedarf über die stark durchbluteten Rachenschleimhäute oder heben ihre Nase, einem Schnorchel gleich, in die Luft. [Frankfurter Rundschau, 04.12.2000]
Als Janicke im April wieder einmal bis[…] zum Hals vollgestopft [mit Gold] auf dem Flugplatz erschien, trat ein Unbekannter an ihn heran – und füsterte: »Dicke Luft! Polizei! Gib her!« – Und Janicke übergab frohgemut alle Kullerchen dem Fremden und machte sich auf den Heimweg Frankfurt am Main. [Berliner Zeitung, 20.08.1967]
Wir müssen auf unser Brot achtgeben. Die Ratten haben sich sehr vermehrt in der letzten Zeit, seit die Gräben nicht mehr recht in Ordnung sind. Detering behauptet, es wäre das sicherste Vorzeichen für dicke Luft. [Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues, Berlin: Propyläen 1929, S. 104]

Thesaurus

Synonymgruppe
gereizte Atmosphäre · schlechte Stimmung  ●  (die) Stimmung ist am Boden  ugs., fig. · (die) Stimmung ist im Keller  ugs., fig. · der Haussegen hängt schief  ugs., Redensart · dicke Luft  ugs., fig.
Assoziationen
Zitationshilfe
„dicke Luft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dicke%20Luft>, abgerufen am 06.06.2020.

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