Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

dienen

Grammatik Verb · dient, diente, hat gedient
Aussprache 
Worttrennung die-nen
Wortbildung  mit ›dienen‹ als Erstglied: Diener  ·  mit ›dienen‹ als Letztglied: abdienen · andienen · ausdienen · bedienen · empordienen · hinaufdienen · hochdienen · zudienen
 ·  mit ›dienen‹ als Grundform: verdienen  ·  formal verwandt mit: altgedient
eWDG

Bedeutungen

1.
in abhängiger Stellung gegen Gehalt, Lohn Dienst tun
a)
in einem öffentlichen Gemeinwesen
Beispiele:
dem Staate, Schulwesen (gut, treu, schlecht) dienen
er hat seiner Stadt viele Jahre als Bürgermeister gedient
sie dienten zur vollen Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten
der Kirche dienen
Als ein bescheidener junger Mann … werd' ich mich in die Höhe dienen [ Suderm.II 3,293]
seine militärische Dienstzeit ableisten
Beispiele:
als Infanterist, bei der Luftwaffe, in den Reihen der Armee dienen
kurz, lange dienen
er hat zwei Jahre gedient
von unten dienen
umgangssprachlichvon der Pike auf dienen
b)
bei einer Privatperson
Beispiele:
als Hausangestellte, Knecht, Magd dienen
die Leibeigenen mussten früher ihren Herren dienen (= Frondienste leisten)
veraltet dienen gehen
Elisabeth … diente in Bergedorf bei einem Arzt [ BredelVäter213]
2.
einer Sache förderlich, dienlich sein
Beispiele:
der Allgemeinheit, einer Idee, der Gerechtigkeit, dem Frieden dienen
wir dienen alle der guten Sache
unsere Arbeit dient dem Fortschritt
eine vernünftige Lebensweise dient der Gesundheit
das dient nicht unseren Interessen
seine Untersuchungen dienten praktischen Zwecken
die Erkenntnisse der Wissenschaft haben der ganzen Menschheit gedient
Er hatte dem Geist und der Wahrheit gedient [ A. ZweigErziehung292]
als dienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an [ Schiller1,142]
3.
jmdm. (mit etw.) dienenjmdm. zu Diensten, gefällig sein, jmdm. Dienste leisten
Beispiele:
es ist mir ein Vergnügen, Ihnen zu dienen
womit kann ich Ihnen dienen?
damit kann ich leider nicht dienen
mit schönen Worten, damit ist uns (gar) nicht gedient (= geholfen)
Ich werde Ihnen schlecht dienen können [ Th. Mann11,222]
4.
etw. dient jmdm. als, zu etw.etw. ist für jmdn. als, zu etw. brauchbar, verwendbar
Beispiele:
der Edelstein dient als Schmuck
das ehemalige Schloss dient jetzt als Hotel
die Wegweiser dienen als Orientierungszeichen
diese Regeln dienen uns zur Richtschnur
die belastenden Zeugenaussagen dienten dem Staatsanwalt zur Stütze für seine Anklage
dieser Posten hat ihm als Sprungbrett gedient (= war der Ausgangspunkt für sein weiteres Vorwärtskommen)
lasst euch das als Warnung, zur Lehre dienen!
wozu dient das?
das dient zu unserem Besten
die Technik dient dazu, unser Leben leichter zu machen
ein Turm, der … den Wolfsjägern zum Aufenthalt diente [ Natur u. Heimat1955]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dienen · Diener · dienern · dienlich · Dienst · Dienstmann · verdienen · Verdienst · verdienstlich
dienen Vb. ‘für jmdn. etw. tun, ihm helfen, abhängig sein’, ahd. thionōn (8. Jh.), mhd. dienen, asächs. thionon, mnd. dēnen, mnl. nl. dienen, anord. (aus dem Mnd.?) þjōna, schwed. tjäna (germ. *þewanōn) ist eine mit -n- erweiterte Ableitung von germ. *þewa- ‘Sklave, Knecht’, das in got. þius ‘Knecht’, urnord. þewaʀ ‘Diener, Lehnsmann’, aengl. þēo(w) ‘Diener, Knecht, Unfreier’ bezeugt ist (s. auch Demut). Verbindet man germ. *þewa- mit aind. takti ‘eilt’, lit. tekė́ti ‘laufen, fließen, rinnen’, aslaw. tešti ‘laufen, rennen’, russ. teč’ (течь) ‘fließen’, so ist Anschluß an die Wurzel ie. *teku̯- ‘laufen, fließen’ möglich. Für das Subst. ergäbe sich eine Bedeutungsentwicklung von ‘Läufer’ zu ‘Knecht’ und für das abgeleitete Verb eine Ausgangsbedeutung ‘Knecht sein’, die schließlich den Sinn ‘behilflich sein’ und (bei Sachen) ‘nützlich, geeignet sein’ annimmt. Diener m. ‘Aufwärter, Hausangestellter’, auch ‘wer im Auftrage einer Institution, in der Bindung an eine Aufgabe seine Pflicht erfüllt’, ahd. thionāri (11. Jh.), mhd. dienære; danach (Ende 17. Jh.) ‘Verbeugung’ (nach der Art eines Bediensteten, eines Untertans), wozu dienern Vb. ‘sich (mehrmals) verbeugen’ (19. Jh.). dienlich Adj. ‘nützlich, förderlich’ (14. Jh.). Dienst m. ‘Arbeitsverhältnis im Haushalt’, allgemeiner ‘Berufs-, Amtspflicht’; das mit dem ie. Suffix -st- zum Verb gebildete Abstraktum (germ. *þewanōst-) bezeichnet die Tätigkeit des Dienens, ahd. thionōst (8. Jh.), mhd. dienest ‘Ergebenheit, Ausübung religiöser Pflichten, Aufwartung, Erfüllung standesrechtlicher Verpflichtungen innerhalb des Feudalsystems’, asächs. thionost und (erweitert zum fem. n-Stamm) anord. þjōnusta f. Dienstmann m. ‘Besorger von Botengängen’ (19. Jh.), ahd. thionōstman (8. Jh.), mhd. dienestman ‘Knecht, Helfer’, dann auch (in der Übersetzung von mlat. ministerialis) ‘niederer Lehnsmann’. verdienen Vb. ‘durch Arbeit erwerben’ (z. B. Lohn), ‘für seine Bemühungen wert sein’ (z. B. Lob, Tadel), ahd. firthionōn (um 1000), mhd. verdienen. Verdienst m. ‘Erwerb, Lohn, Gewinn’, n. ‘anerkennenswerte (oder auch schuldhafte) Tat’, frühnhd. verdienst, mnd. vordēnst. verdienstlich Adj. ‘anerkennungswürdig’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bedienen · bewirten · dienen · servieren
Synonymgruppe
(jemandem) zu Hilfe kommen (passiv) · (sich) vorteilhaft auswirken (für) · (zu etwas) dienen · aufwerten · begünstigen · bereichern · fördern · guttun · nutzen · nützen · zu jemandes Vorteil gereichen · zugutekommen  ●  (jemandem) in die Arme spielen  ugs. · (jemandem) in die Hände spielen  ugs. · (jemandem) in die Karten spielen  ugs.
Assoziationen
  • Nutzen haben von · Nutzen ziehen aus · einen Vorteil haben von · profitieren
Synonymgruppe
dienen (als / zu) · fungieren (als)  ●  herhalten müssen (als)  abwertend
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›dienen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dienen‹.

Verwendungsbeispiele für ›dienen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Bild diente hier als Mittel, die Kinder zum Erzählen anzuregen. [Brumme, Gertrud-Marie: Muttersprache im Kindergarten, Berlin: Volk u. Wissen 1981 [1966], S. 142]
Es schien in primitivster Form als drittes Auge zu dienen. [Frisch, Karl von: Erinnerungen eines Biologen, Berlin: Springer 1957, S. 28]
Dient der Kampf um die Macht wirklich vorrangig den Lösungen der Probleme? [Weizsäcker, Richard von: Dreimal Stunde Null? 1949 1969 1989, Berlin: Siedler Verlag 2001, S. 125]
Expressive Äußerungen dienen kommunikativen Absichten, sie können intentional eingesetzt werden. [Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns - Bd. 2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 92]
Das Werk soll entstehen aus der Kraft des ganzen deutschen Volkes und es soll dienen der Freude des deutschen Volkes. [o. A.: Grundsteinlegung des Volkswagenwerkes bei Fallersleben am Mittellandkanal, 26.05.1938]
Zitationshilfe
„dienen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dienen>.

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