Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

dinglich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ding-lich
Wortzerlegung Ding1 -lich
Wortbildung  mit ›dinglich‹ als Erstglied: Dinglichkeit
eWDG

Bedeutungen

1.
gegenständlich, real
Beispiele:
ein dingliches Wesen, ein dinglicher Wert
die dinglichen Ereignisse dieses Tages [ Weiskopf8,208]
2.
Jura das Recht an einer Sache betreffend
in gegensätzlicher Bedeutung zu persönlich
Beispiele:
dingliches Recht
eine dingliche Klage, Schuld
eine Forderung dinglich sichern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ding · Unding · dinglich · Dings · Dingsda · dingfest · Dingwort · dingen · abdingen
Ding n. ‘germanische Volks- und Gerichtsversammlung, Sache, Gegenstand, Angelegenheit’, ahd. thing (8. Jh.), mhd. dinc, asächs. thing, mnd. mnl. dinc, nl. ding, aengl. þing, engl. thing, anord. þing, schwed. ting und (im grammatischen Wechsel) got. þeihs ‘Zeit’ gehen zurück auf die zur Wurzel ie. *ten- ‘dehnen, ziehen, spannen’ gehörende Gutturalerweiterung ie. *tenk- ‘ziehen, dehnen, spannen, Zeitspanne’. Zur gleichen Wurzel stellen sich lat. tempus ‘Zeitabschnitt, Zeit’ und air. tan ‘Zeit’. Westgerm. und nordgerm. *þenga- bezeichnet die ‘Volksversammlung aller Freien’, die über Krieg und Frieden beschließt, den Heerführer oder König wählt und in der Recht gesprochen wird. Got. þeihs als Übersetzung für griech. kairós (καιρός) meint ‘eine für einen bestimmten Zweck festgelegte Zeit’. So bedeutet auch germ. *þenga- in vorliterarischer Zeit (wie noch ahd. thing in seinen ältesten Belegen) ‘Zeitpunkt’, dann die zu einem bestimmten Zeitpunkt angesetzte allgemeine Volksversammlung. Die gesellschaftlichen Veränderungen nach der Völkerwanderungszeit, wie sie sich deutlich in der Errichtung des fränkischen Feudalstaates zeigen und zum Zerfall der alten Volksversammlung führen, lassen sich an der Bedeutung von ahd. thing nachweisen: thing ist vor allem die ‘Gerichtsversammlung’, an der ein bestimmter Personenkreis teilnimmt; daraus abgeleitet bezeichnet es den ‘Versammlungs- oder Gerichtstermin und -platz’, die ‘Gerichtsverhandlung’ und deren Ergebnis ‘Urteil, Vertrag’, dann auch (unter dem Einfluß von lat. causa, rēs, negōtium) die zu verhandelnde ‘Rechtssache’, den ‘Fall’, ‘Ursache’, ‘Grund’. Damit hat sich thing von der alten Bedeutung ‘Volksversammlung’ gelöst, und der Weg zu (nhd. herrschendem) ‘Sache, Gegenstand, Angelegenheit, Geschehen’ ist beschritten; als Terminus der mittelalterlichen Logik kann es für ‘Wesen, Begriff’ u. dgl. stehen; vgl. Karg-Gasterstädt Ahd. Thing – Nhd. Ding (1958). Eine ähnliche Entwicklung erlebt das Wort in allen germ. Sprachen (vgl. aengl. þing ‘Beratung, Versammlung, Gerichtshof, Prozeß, Tat, Ursache, Gegenstand’, engl. thing ‘Ding, Sache, Wesen, Angelegenheit’). Jünger ist die Verwendung für Personen oder Sachen, die nicht benannt werden können oder sollen (14. Jh.) und der (umgangssprachlich und mundartlich übliche) herabsetzende Gebrauch, vgl. kleines, armes, grünes Ding ‘Mädchen’ (17. Jh.), Plural Dinger. Ding als philosophischer Erkenntnisgegenstand (18. Jh.); Ding an sich (Reimarus 1760); mit rechten Dingen zugehen ‘auf natürliche Weise geschehen’ (18. Jh.). Unding n. ‘etw. Widersinniges, Torheit’, mhd. undinc ‘Böses, Schlechtes, Übel, Unrecht’, zusammengesetzt mit verneinendem un- (s. d.). dinglich Adj. ‘gegenständlich’, mhd. dinclich; vgl. ahd. thinglīh (10. Jh.), mhd. dingelich ‘gerichtlich’. Dings n. m. f. distanzierende oder abschätzige Bezeichnung für Personen und Sachen (16. Jh.), Ersatzwort für Eigennamen (18. Jh.), vgl. auch Dingsda n. m. f. (19. Jh.). dingfest Adj. vorwiegend dingfest machen ‘festnehmen, in seine Gewalt bekommen’ (19. Jh.); vgl. dazu das Gegenwort mhd. dincvlühtec ‘sich dem Gericht entziehend’. Dingwort n. ‘Substantiv’ (um 1900). dingen Vb. ‘in Dienst nehmen’, ahd. thingōn ‘Gericht halten, Urteil sprechen, streben’ (8./9. Jh.) und thingen ‘streben, hoffen, Gericht halten, eine Entscheidung herbeiführen’ (9. Jh.), mhd. dingen, auch ‘durch Verhandlung ausbedingen, mieten’, woraus sich die heute noch geläufige Bedeutung entwickelt. abdingen Vb. ‘abmieten, abhandeln, vom Preis herunterhandeln’, mhd. abedingen ‘ein Übereinkommen treffen, abhandeln’.

Typische Verbindungen zu ›dinglich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dinglich‹.

Verwendungsbeispiele für ›dinglich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der dingliche Arrest ist eine Methode, diese Gelder vorläufig zu sichern. [Die Welt, 20.07.1999]
Denn nicht an sich selbst, sondern einzig und allein in einer Zuordnung dinglicher Elemente im Begriff stellen die Ideen sich dar. [Benjamin, Walter: Ursprung des deutschen Trauerspiels. In: Tiedemann, Rolf u. Schweppenhäuser, Hermann (Hgg.) Gesammelte Schriften, Bd. 1,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1980 [1928], S. 206]
Die Einheit der Handlung "zerfällt" buchstäblich in derartige dingliche Einzelstücke. [Cassirer, Ernst: Philosophie der symbolischen Formen, Darmstadt: Wiss. Buchges. 1994 [1923], S. 169]
Die will im Unterschied zu üblichen Banken keine "dingliche Sicherung". [Der Spiegel, 07.05.1984]
Der Besitzer hatte unmittelbar Gewalt über das Stück, er hatte ein »dingliches« Recht darauf. [Ganshof, François Louis: Das Hochmittelalter. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 7378]
Zitationshilfe
„dinglich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dinglich>.

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