Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

dirigieren

Grammatik Verb · dirigiert, dirigierte, hat dirigiert
Aussprache 
Worttrennung di-ri-gie-ren
Wortbildung  mit ›dirigieren‹ als Erstglied: Dirigent · Dirigierung  ·  mit ›dirigieren‹ als Letztglied: herdirigieren · umdirigieren · wegdirigieren
Herkunft aus dīrigerelat ‘eine gerade Richtung geben, richten, lenken, ordnen’ < dis‑lat ‘entzwei-, auseinander-’ (dis-) + regerelat ‘geraderichten, lenken, leiten, herrschen’ (regieren)
eWDG

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. leiten, führen
a)
ein musikalisches Werk, ein Orchester mit dem Dirigentenstab
Beispiele:
ein Konzert, eine Sinfonie dirigieren
ein Orchester, einen Chor dirigieren
der Kapellmeister dirigierte mit dem Taktstock, mit den Händen
b)
veraltet eine Abteilung, Institution
Beispiele:
die Station einer Klinik, die Dienststelle eines Ministeriums dirigieren
Der Hofrat … als dirigierender Arzt [ Th. MannZauberb.2,188]
2.
etw., jmdn. lenken
a)
etw., jmdn. in eine bestimmte Richtung bringen
Beispiele:
ein Fahrzeug dirigieren
einen Kran mit dem Elektromotor dirigieren
den Verkehr, ein Geschehen dirigieren
die Gruppen eines Marschblocks dirigieren
den Handel, die Wirtschaft dirigieren (= den Handel, die Wirtschaft staatlich lenken)
Ich habe stets das Bedürfnis, den Gang der Dinge ganz gegenwärtig mit Blick, Mund und Geste zu dirigieren [ Th. MannBuddenbrooks1,274]
b)
etw., jmdn. an einen bestimmten Ort senden
Beispiele:
eine Fracht an ihren Bestimmungsort, einen Wagen zum Bahnhof dirigieren
jmdn. in ein Hotel, zum Eingang dirigieren
Sie haben ihre Polizei, ihre Bagage, ihre Artillerie nach Versailles dirigiert [ BrechtCommune4]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dirigieren · Dirigent
dirigieren Vb. ‘leiten, lenken’ (seit dem 17. Jh. besonders von musikalischen Aufführungen), in der 1. Hälfte des 16. Jhs. aus lat. dīrigere ‘eine gerade Richtung geben, richten, lenken, ordnen’ entlehnt. Lat. dīrigere, aus der Verstärkungspartikel dis- (s. d.) und regere ‘geraderichten, lenken, leiten, herrschen’ (s. regieren) zusammengesetzt, bedeutet eigentlich ‘intensiv, nachdrücklich leiten’, Dirigent m. ‘Leiter’ (18. Jh.), vom Part. Präs. lat. dīrigēns (Genitiv dīrigentis) ‘leitend, Leitender’; seit dem 19. Jh. ‘Kapellmeister, Chorleiter’ (älter dafür Direktor, 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
führen · kontrollieren · leiten · lenken · manövrieren · regieren · steuern  ●  (die) Weichen stellen  fig. · dirigieren  fig.
Synonymgruppe
(in ...) dirigieren · einweisen · einwinken · hineindirigieren · lotsen

Typische Verbindungen zu ›dirigieren‹ (berechnet)

Celibidache Chefdirigent Chor Furtwängler Generalmusikdirektor Kapellmeister Karajan Konzerthausorchester Maestro Musikchef Neujahrskonzert Neunte Opernchef Orch Orchester Philharmoniker Requiem Sinfonie Sir Staatskapelle Staatsorchester Symphonie Symphonieorchester Tannhäuser Toscanini Tristan Uraufführung Velten Vorderleute auswendig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dirigieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›dirigieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In erster Linie dirigierte er seine eigenen Werke, häufig mit großem Erfolg. [Klein, John W.: Mascagni. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1960], S. 32495]
Ich wollte immer dirigieren, obwohl ich nicht einmal Noten lesen kann. [Die Zeit, 04.11.2013, Nr. 44]
Neben mir dirigiert ein alter Herr in versonnenen Bewegungen mit. [Die Zeit, 24.09.2007, Nr. 39]
Ich wollte nie dirigieren, obwohl mich symphonische Musik immer fasziniert hat. [Die Zeit, 01.05.2006, Nr. 18]
Tatsächlich gibt es wenig zu dirigieren, denn heute steht der letzte Akt an. [Die Zeit, 03.11.2005, Nr. 45]
Zitationshilfe
„dirigieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dirigieren>.

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