dispensieren

GrammatikVerb · dispensierte, hat dispensiert
Aussprache
Worttrennungdis-pen-sie-ren
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›dispensieren‹ als Erstglied: ↗Dispensierung  ·  mit ›dispensieren‹ als Grundform: ↗Dispensation
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdn. von einer allgemeinen Verpflichtung befreien, entbinden
Beispiele:
jmdn. von einer gesetzlichen Vorschrift, von der Erfüllung einer Pflicht dispensieren
der Schüler wurde (bis auf weiteres) von den Leibesübungen dispensiert
Vom Singen sind Sie natürlich dispensiert [SpoerlFeuerzangenbowle67]
Religion jmdn. von kirchlichen Geboten entbinden
Beispiel:
der Pfarrer dispensierte den Kranken vom Besuch der Messe
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dispensieren · Dispens · Dispensation
dispensieren Vb. ‘von Verpflichtungen befreien, beurlauben’, im 13. Jh. aus mlat. dispensare ‘Freiheit von bestehenden Bestimmungen gewähren, Straflosigkeit (für künftige Rechtsvergehen) zugestehen’, lat. dispēnsāre ‘genau abwägen, austeilen, regulieren’, Intensivbildung zu lat. dispendere (dispēnsum) ‘auswägen, austeilen’, entlehnt, zu lat. pendere (pēnsum) ‘(ab)wägen, erwägen, beurteilen, schätzen’ und ↗dis-. Ursprünglich und bis heute ein Ausdruck der Kirchensprache ‘von der Einhaltung eines kirchlichen Gebots befreien’, seit dem 17. Jh. in allgemeinerem Sinne auch in der Sprache der Verwaltung üblich. Dispens m. f. ‘Befreiung von einer Verpflichtung, Ausnahmebewilligung, Urlaub’ (Anfang 16. Jh.), von mlat. dispensa ‘Befreiung von einem kirchlichen Gesetz’; geläufig in der Sprache der Kirche, während die Sprache der Verwaltung älteres gleichbed. Dispensation f. bevorzugt, mhd. dispensācion (13. Jh.), aus lat. dispēnsātio (Genitiv dispēnsātiōnis) ‘das Abwägen, das Einrichten’, mlat. ‘Anordnung, Befreiung’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Pflicht Verpflichtung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dispensieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Frage taucht immer wieder auf, und wenn es schwierig wird, möchte man sich manchmal gern von dieser Pflicht dispensieren.
Die Zeit, 09.08.1996, Nr. 33
Das müßt ihr auf euch nehmen; ihr könnt euch nicht davon dispensieren.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1980]
Wissenschaft als Ritual dispensiert vom Denken und von der Freiheit.
Adorno, Theodor W.: Philosophie und Lehrer. In: Kadelbach, Gerd (Hg.) Erziehung zur Mündigkeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1973 [1966], S. 39
Rom erkannte diesen Satz auch an, war aber viel eher geneigt, ihn großzügig auszulegen, um nicht zu sagen, sich von ihm geradezu zu dispensieren.
Heuß, Alfred: Herrschaft und Freiheit im griechisch-römischen Altertum. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 25445
Die Undefinierbarkeit des Seins dispensiert nicht von der Frage nach seinem Sinn, sondern fordert dazu gerade auf.
Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen: Niemeyer 1986 [1927], S. 379
Zitationshilfe
„dispensieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dispensieren>, abgerufen am 21.04.2019.

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