domestizieren

GrammatikVerb · domestiziert, domestizierte, hat domestiziert
Aussprache
Worttrennungdo-mes-ti-zie-ren
Wortbildung mit ›domestizieren‹ als Erstglied: ↗Domestizierung
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
jmd. domestiziert etw.Wildformen von Pflanzen oder Tieren (durch Züchtung) so entwickeln, dass für den Menschen nutzbare Spezies entstehen
Beispiele:
Der Mensch hat nicht nur Wolf und Rind domestiziert, ihm nützen auch die Schildlaus und die Fruchtfliege. [Die Welt, 19.12.2017]
Tatsächlich konnten Genetiker den Nachweis führen, dass das Getreide auch irgendwo in der Region des fruchtbaren Halbmondes, womöglich im Osten der Türkei erstmals domestiziert wurde. [Süddeutsche Zeitung, 25.11.2017]
Dass das Getreide in der afrikanischen Küche eine so grosse Rolle spielt, hängt auch damit zusammen, dass die Pflanze dort wild wächst und vor 5000 bis 8000 Jahren im Nordosten des Kontinents domestiziert wurde. [Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2017]
Wahrscheinlich haben also die Mikrobengene der Knolle Eigenschaften verpasst, die der Mensch geschätzt und gefördert hat, als er die Süßkartoffel domestizierte. [Süddeutsche Zeitung, 15.05.2015]
Der Mensch domestizierte das Wollschaf, und das Pferd machte er sowohl zum Zug- als auch zum Reittier. [Die Zeit, 26.02.2015, Nr. 09]
2.
übertragen jmd. oder etw. domestiziert jmdn. oder etw.jmdm., etw. die Wildheit aberziehen, jmdn. bändigen, einhegen
Beispiele:
Optimisten hatten vorausgesagt, das Präsidentenamt würde Trump domestizieren. [Welt am Sonntag, 31.12.2017, Nr. 53]
Zwar sei es gelungen, führende Hassprediger zu »domestizieren«, andere jihadistische Salafisten seien aber bei ihrem radikalen Kurs geblieben. [Neue Zürcher Zeitung, 18.08.2017]
»Es geht nicht darum, das Talent zu domestizieren, damit es zum Team passt, sondern umgekehrt das Team zu stärken, damit es zum Talent passt.« [Süddeutsche Zeitung, 08.06.2016]
Aber genau deshalb ist auch die oft beschworene Behauptung, die Wirtschaft sei dazu da, den Menschen zu dienen und nicht umgekehrt, nur richtig, wenn und soweit es gelingt, den Kapitalismus zu »domestizieren« und dem Gemeinwohl unterzuordnen. [Süddeutsche Zeitung, 19.03.2015]
Der Kachelofen domestiziert die ungestüme Kraft des Feuers; verwandelt die sengende Glut in milde, anhaltende Wärme. [Die Zeit, 27.11.2014, Nr. 49]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Domestik · Domestike · domestizieren · Domestikation
Domestik Domestike m. verächtliche Bezeichnung für ‘Hausangestellter, Dienstbote’, eine Entlehnung (Ende 17. Jh.) von frz. domestique ‘Hausangestellter, Magd, Diener, Gesinde’, einem substantivierten Adjektiv, das auf lat. domesticus ‘zum Haus gehörig’ (auch von Haustieren) zurückgeht. Bis in die 2. Hälfte des 18. Jhs. in frz. Schreibung Domestique. domestizieren Vb. ‘zum Haustier bzw. zur Kulturpflanze machen’ (19. Jh.), entlehnt (mit der Übersetzung Darwins) aus engl. to domesticate ‘eine wilde Art zähmen’ (mlat. domesticare); Domestikation f. biologischer Terminus, ‘allmähliche Kultivierung wildlebender Organismen’ (19. Jh.), engl. domestication.

Thesaurus

Synonymgruppe
domestizieren · ↗zähmen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Haustier Jahrtausend Natur Pferd Pflanze Rind Schaf Schwein Tier Ziege

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›domestizieren‹.

Zitationshilfe
„domestizieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/domestizieren>, abgerufen am 20.04.2019.

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