Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

drahten

Grammatik Verb · drahtet, drahtete, hat gedrahtet
Aussprache 
Worttrennung drah-ten
Wortbildung  mit ›drahten‹ als Erstglied: Drahtung
eWDG

Bedeutung

etw. telegrafieren
Beispiele:
eine Nachricht drahten
Seine Tante hatte gedrahtet, daß sie am Donnerstag mit dem Abendzuge eintreffen werde [ L. FrankMännerquartett1,326]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Draht · drahten · drahtlos · drahtig · Drahtzieher
Draht m. ‘gezogener oder gewalzter Metallfaden’, ahd. thrāt (11. Jh.), mhd. drāt ‘Faden, Schnur’, mnd. drāt, asächs. thrād, aengl. þrǣd, engl. thread ‘Faden, Zwirn, Garn’, mnl. draet, nl. draad ‘Faden, Draht’, anord. þrāðr ‘Faden, Leine’, schwed. tråd setzen germ. *þrēðu- voraus, das auf eine mit ie. *tu-Suffix versehene langvokalische Form ie. *trē- der Wurzel ie. *ter(ə)- ‘drehend reiben’ (s. drehen) zurückgeht. Draht ist ursprünglich das aus Flachs, Wolle u. dgl. ‘Gedrehte’. Die dt. Bedeutungsspezialisierung ‘gezogener Metallfaden’ setzt bereits im Mhd. ein, als man in Stoffe eingewebte Gold- und Silberfäden mit mhd. golt-, silberdrāt bezeichnet; die alte Bedeutung wird dagegen im Engl. und Nl. bewahrt, im Dt. noch in Schuster- oder Pechdraht ‘Nähfaden des Schusters’ (17. Jh.). Aus Telegraphendraht verkürztes Draht tritt in der 2. Hälfte des 19. Jhs. ein für ‘Telegraf-, telegrafisch’ in Bildungen wie Drahtantwort, -bericht (für Depesche), -meldung. Daher stammt wohl auch die Wendung auf Draht sein ‘schnell, tüchtig sein’ (20. Jh.). An Telefondraht anknüpfend heißer Draht ‘direkte Telefonleitung für dringende Fälle’, zuerst (in der Übersetzung von amerik.-engl. hotline bzw. hot-wire) für die unmittelbare Verbindung zwischen den führenden Staatsmännern der UdSSR und der USA (um 1960). drahten Vb. ‘telegrafieren’ (19. Jh.); drahtlos Adj. ‘durch Funkverkehr’ (20. Jh.). drahtig Adj. ‘kräftig, sehnig, gewandt’, eigentlich ‘fest und biegsam wie Draht’ (20. Jh.). Drahtzieher m. ‘Drahthersteller’ (14. Jh.), ‘geheimer Lenker politischer Aktionen’ (18. Jh.), im Vergleich mit dem unsichtbaren Marionettenspieler, der die Puppen an Drähten agieren läßt.

Typische Verbindungen zu ›drahten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›drahten‹.

Verwendungsbeispiele für ›drahten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann drahtete er zurück „Hocherfreut, dieses Amt abgeben zu können. [Die Zeit, 02.06.1955, Nr. 22]
Dann sagen Sie, daß Sie Herrn von Neurath gedrahtet haben und Tschirschky krankheitshalber beurlaubt haben. [o. A.: Einhundertachtundfünfzigster Tag. Mittwoch, 19. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 10984]
Halbamtlich wird aus Angora gedrahtet, daß das unter dem Namen "Unabhängigkeitsgericht" bekannte revolutionäre Ausnahmegericht aufgelöst wird. [Vossische Zeitung (Abend-Ausgabe), 01.03.1927]
Ein zweiter Heeresbericht drahtete die Unschädlichmachung eines Munitionsdepots von 30 Exemplaren. [Die Zeit, 11.08.1967, Nr. 32]
Justizrat Gontram, dem er seine Ankunft gedrahtet hatte, erwartete ihn am Bahnhof. [Ewers, Hanns Heinz: Alraune, München: Herbig 1973 [1911], S. 262]
Zitationshilfe
„drahten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/drahten>.

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