Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

dringen

Grammatik Verb · dringt, drang, ist/hat gedrungen
Aussprache  [ˈdʀɪŋən]
Worttrennung drin-gen
Wortbildung  mit ›dringen‹ als Erstglied: dringend  ·  mit ›dringen‹ als Letztglied: abdringen · andringen · aufdringen · durchdringen2 · durchdringen1 · eindringen · empordringen · heraufdringen · herausdringen · hereindringen · hervordringen · herüberdringen · hinausdringen · hindurchdringen · hineindringen · hinüberdringen · vordringen
 ·  mit ›dringen‹ als Binnenglied: tief dringend · tiefdringend
eWDG

Bedeutungen

1.
sich einen Weg bahnen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
a)
sich nach Überwindung von Hindernissen an eine Stelle bewegen
Beispiele:
Licht, Rauch dringt aus dem Haus, durch den Spalt
die Sonne ist durch den Nebel, durch die Wolken gedrungen
Wasser dringt durch den Deich, durch die Schuhe
die kämpfenden Truppen dringen in die Stadt
bildlich
Beispiele:
der Sache auf den Grund dringen
hinter die Geheimnisse dringen
b)
etw. dringt an eine Stelle (= etw. gelangt an eine Stelle)
Beispiele:
Tränen dringen in die Augen
die Nachricht dringt in die Welt
das Lied, Buch ist ins Volk gedrungen
etw. dringt ins Bewusstsein
das Gerücht ist bis zu mir gedrungen
die tiefe, alte, gramvolle und dennoch zuversichtliche Stimme drang Fernand ins Herz [ Feuchtw.Narrenweisheit49]
2.
auf etw. dringen (= auf etw. bestehen, etw. verlangen)
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
darauf dringen, dass eine Arbeit pünktlich ausgeführt wird, die Gesetze, Befehle befolgt werden
der Gläubiger drang auf Zahlung
er hatte darauf gedrungen
es muss darauf gedrungen werden, die Arbeitsschutzbestimmungen einzuhalten
3.
in jmdn. dringen (= jmdn. bedrängen, bestürmen)
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’ bzw. mit ‘hat’
Beispiele:
in jmdn. mit Bitten, Fragen dringen
er war lange in sie gedrungen
Er fragte und drang in sie [ FlakeSchritt118]
er dachte mit Genugtuung an jene Zeit seines Lebens, da er sich gedrungen gefühlt hatte, mit seinen gesammelten Kräften die Böstaten unter den Menschen einzudämmen [ StrittmatterWundertäter428]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dringen · dringend · gedrungen · dringlich · Dringlichkeit · aufdringen · aufdringlich · zudringlich
dringen Vb. ‘sich einen Weg verschaffen, verlangen, bestürmen’, ahd. thringan ‘drängen, zusammenpacken, -drücken’ (8. Jh.), mhd. mnd. dringen ‘flechten, weben, zusammendrücken, sich drängen’, asächs. thringan ‘mit Gewalt ausstoßen’, aengl. þringan ‘drängen, eilen, bedrücken’, mnl. dringhen, nl. dringen, anord. þryngva, þryngja ‘drängen, zwingen’, schwed. tränga weisen gegenüber got. þreihan ‘drängen’ grammatischen Wechsel (zwischen h und g) auf, s. auch drängen. Germ. *þrenhan führt mit lit. treñkti ‘dröhnend stoßen, werfen, schleudern’, trañksmas ‘Gedränge’, aslaw. trǫtъ ‘Wache, Schar’, aruss. trutъ, trutь ‘Menge’, russ. (älter) trutít’ (трутить) ‘drücken, stoßen’ und wohl auch lat. truncāre ‘verstümmeln’ auf ie. *trenk- ‘stoßen, zusammendrängen, bedrängen’. Ein Zusammenhang mit ie. *ter(ə)-, der Wurzel von drehen (s. d.), bleibt fraglich. Transitiver Gebrauch, seit dem Ahd. neben intransitivem gleichermaßen bezeugt, wird von drängen (s. d.) allmählich übernommen, hält sich aber bis ins 18. Jh. – dringend Part.adj. ‘eilig, wichtig, inständig’ (15. Jh.). gedrungen Part.adj. ‘fest, kompakt, kräftig’ vom Körperbau (15. Jh.). dringlich Adj. ‘dringend’ (15. Jh.); Dringlichkeit f. ‘Eiligkeit, Wichtigkeit’ (18. Jh.). aufdringen Vb. ‘aufnötigen’ zeugt noch von ehemals transitivem Gebrauch von dringen (ersetzt durch aufdrängen), mhd. ūfdringen ‘sich erheben, emporsprudeln’; aufdringlich und zudringlich Adj. ‘lästig, sich aufdrängend’ (beide 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Druck ausüben · dringen (auf) · dringend bitten · drängen (zu / auf) · es dringend machen  ●  urgieren  österr. · (jemandem etwas) dringend anempfehlen  geh. · Dampf (dahinter) machen  ugs. · Druck machen  ugs. · die Daumenschrauben anziehen  ugs. · quengeln  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(auf jemanden) eindringen · (jemandem) zusetzen · (jemanden) drängen (zu) · (jemanden) in Bedrängnis bringen · bedrängen · befallen · beknien · drangsalieren · im Nacken sitzen · löchern · traktieren · unter Druck setzen  ●  (in jemanden) dringen  geh., veraltet · (jemandem) Druck machen  ugs. · (jemandem) auf den Pelz rücken  ugs. · (jemandem) auf die Pelle rücken  ugs. · (jemandem) die Hölle heiß machen  ugs. · belagern  ugs. · bitteln und betteln  ugs. · keine Ruhe geben  ugs. · nicht in Ruhe lassen (mit)  ugs.
Assoziationen
  • anfassen · berühren  ●  (an etwas) drankommen  ugs. · tangieren  geh., sehr selten
  • (jemandem) auf die Nerven gehen · ...schreck · lästig werden · nerven · Überdruss / Ablehnung hervorrufen  ●  (jemandem) auf den Keks gehen  ugs. · (jemandem) auf den Sack gehen  derb · (jemandem) auf den Senkel gehen  ugs. · (jemandem) auf den Wecker fallen  ugs. · (jemandem) auf den Wecker gehen  ugs. · (jemandem) auf den Zeiger gehen  ugs. · (jemandem) auf die Eier gehen  derb · (jemandem) auf die Nüsse gehen  derb · (jemandem) den letzten Nerv rauben  ugs. · (jemanden) auf den Mond schießen (können)  ugs., fig., kommentierend
  • (jemandem) arg zusetzen · (jemanden) hart angehen · (jemanden) nicht schonen  ●  (intensiv) bearbeiten  fig. · (jemand hat) keine ruhige Minute mehr  ugs., übertreibend · (jemandem) (tüchtig / ordentlich) einheizen  ugs., fig. · (jemandem) an die Eier gehen  derb · (jemandem) ans Leder gehen  ugs., fig. · (jemandem) die Hölle heißmachen  ugs., fig. · (jemanden) bei den Eiern packen  derb, fig. · (jemanden) hart rannehmen  ugs. · (jemanden) in die Zange nehmen  ugs., fig. · (mit jemandem) Schlitten fahren  ugs., fig. · durch die Mangel drehen  ugs., fig. · in die Mache nehmen  ugs. · in die Mangel nehmen  ugs., fig. · nicht mit Samthandschuhen anfassen  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›dringen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dringen‹.

Verwendungsbeispiele für ›dringen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Kunde von des "Generals" neuem Auto drang in alle Betten. [Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 383]
Durch das aufgeklappte Fenster drang der Geruch nach frischem Mist in ihre Nase. [Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 37]
Er dringt in die Tiefen, mehr um sie mit seinem Wesen auszufüllen, als um sie zu erforschen. [Blättner, Fritz: Geschichte der Pädagogik, Heidelberg: Quelle & Meyer 1961 [1951], S. 231]
Kein Spiel drang heute nacht durch die Straßen der Stadt. [o. A.: Staatsakt und Trauerparade in München für den verstorbenen General Ludendorff, 22.12.1937]
Wir wußten, er dringt nicht tiefer als etwa 4 mm in das lebende Gewebe ein. [Ardenne, Manfred v.: Ein glückliches Leben für Technik und Forschung: Berlin: Verlag der Nation 1976, S. 128]
Zitationshilfe
„dringen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dringen>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
drinbleiben
drin-
drin
drillen
driftig
dringend
dringlich
drinhängen
drinnen
drinsitzen