dringlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungdring-lich
Wortbildung mit ›dringlich‹ als Erstglied: ↗Dringlichkeit  ·  mit ›dringlich‹ als Letztglied: ↗aufdringlich · ↗eindringlich · ↗vordringlich · ↗zudringlich
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
eilig und wichtig, dringend
Beispiele:
eine dringliche Arbeit, Angelegenheit, Nachricht
ein dringlicher Brief
wegen dringlicher Geschäfte abreisen
etw. Dringliches war ihm dazwischengekommen
sie erledigte nur das Dringlichste
Die [Aufzeichnungen] sind so dringlich nicht und mehr ein Zeitvertreib [Th. MannKönigl. Hoheit7,251]
2.
nachdrücklich, eindringlich
Beispiele:
jmdn. dringlich fragen, bitten, zu etw. auffordern
ein dringlicher Ratschlag
eine dringliche Forderung, Frage
Doch auf eine so dringliche Werbung war nur ein schnelles, heißes Ja möglich [Feuchtw.Söhne366]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dringen · dringend · gedrungen · dringlich · Dringlichkeit · aufdringen · aufdringlich · zudringlich
dringen Vb. ‘sich einen Weg verschaffen, verlangen, bestürmen’, ahd. thringan ‘drängen, zusammenpacken, -drücken’ (8. Jh.), mhd. mnd. dringen ‘flechten, weben, zusammendrücken, sich drängen’, asächs. thringan ‘mit Gewalt ausstoßen’, aengl. þringan ‘drängen, eilen, bedrücken’, mnl. dringhen, nl. dringen, anord. þryngva, þryngja ‘drängen, zwingen’, schwed. tränga weisen gegenüber got. þreihan ‘drängen’ grammatischen Wechsel (zwischen h und g) auf, s. auch ↗drängen. Germ. *þrenhan führt mit lit. treñkti ‘dröhnend stoßen, werfen, schleudern’, trañksmas ‘Gedränge’, aslaw. trǫtъ ‘Wache, Schar’, aruss. trutъ, trutь ‘Menge’, russ. (älter) trutít’ (трутить) ‘drücken, stoßen’ und wohl auch lat. truncāre ‘verstümmeln’ auf ie. *trenk- ‘stoßen, zusammendrängen, bedrängen’. Ein Zusammenhang mit ie. *ter(ə)-, der Wurzel von ↗drehen (s. d.), bleibt fraglich. Transitiver Gebrauch, seit dem Ahd. neben intransitivem gleichermaßen bezeugt, wird von ↗drängen (s. d.) allmählich übernommen, hält sich aber bis ins 18. Jh. dringend Part.adj. ‘eilig, wichtig, inständig’ (15. Jh.). gedrungen Part.adj. ‘fest, kompakt, kräftig’ vom Körperbau (15. Jh.). dringlich Adj. ‘dringend’ (15. Jh.); Dringlichkeit f. ‘Eiligkeit, Wichtigkeit’ (18. Jh.). aufdringen Vb. ‘aufnötigen’ zeugt noch von ehemals transitivem Gebrauch von dringen (ersetzt durch aufdrängen), mhd. ūfdringen ‘sich erheben, emporsprudeln’; aufdringlich und zudringlich Adj. ‘lästig, sich aufdrängend’ (beide 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ausdrücklich · ↗bestimmt · ↗betont · ↗deutlich · dringlich · ↗eindeutig · ↗emphatisch · ↗energisch · ↗entschieden · ↗explizit · ↗forsch · in aller Deutlichkeit · ↗kategorisch · ↗klar · klar und deutlich · klar und unmissverständlich · mit (großer) Bestimmtheit · mit Nachdruck · ↗nachdrücklich · ↗unmissverständlich · zugespitzt  ●  akzentuiert  geh. · ↗angelegentlich  geh. · ↗prononciert  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Zeit drängt · ↗akut · ↗dringend · dringlich · drängend · ↗eilig · ↗vordringlich · ↗vorrangig  ●  eilbedürftig  Amtsdeutsch · ↗prioritär  geh.
Assoziationen
  • (absolute) Priorität haben · (absoluten) Vorrang haben · ↗brennend (wichtig) · höchste Priorität haben · keinen Aufschub dulden · keinen Aufschub vertragen · von größter Wichtigkeit · von äußerster Wichtigkeit · äußerst dringlich · äußerst wichtig  ●  (jemandem) unter den Sohlen brennen  fig. · ↗Chefsache  fig. · auf den Nägeln brennen  fig. · unter den Nägeln brennen  fig. · (es) muss eine (schnelle) Lösung her  ugs. · hochnotwichtig  geh. · von höchster Dringlichkeit  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anfrage Angelegenheit Anliegen Appell Aufforderung Aufgabe Bedarf Befragen Bitte Bundesbeschluß Erfordernis Ermahnung Familienangelegenheit Handlungsbedarf Hilfsmaßnahme Interpellation Investitionsliste Mahnung Notwendigkeit Problem Sofortmaßnahme Warnung Wunsch besonders eingestuft erachtet minder unaufschiebbar weniger äußerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dringlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Frage nach dem "Was nun" aber stellt sich für uns um so dringlicher.
Der Tagesspiegel, 02.05.1999
Die solistischen Qualitäten der Musiker führt die Elektronik dringlich, aber nicht aufdringlich vor Ohren.
Süddeutsche Zeitung, 16.01.1996
Er ist heute leiser geworden, jedenfalls differenzierter, darum aber nicht weniger dringlich.
Freyer, Hans: Gesellschaft und Kultur. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 25046
Er hätte vielleicht nur dringlicher ansprechen müssen, ließ es aber.
Seghers, Anna: Die Wellblech-Hütte. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 138
Aber sie wünschte nicht minder dringlich, dem jüngeren Sohn die bevorstehenden Tage zum Fest zu machen.
Boy-Ed, Ida: Vor der Ehe. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 3297
Zitationshilfe
„dringlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dringlich>, abgerufen am 08.12.2019.

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