dulden

GrammatikVerb · duldete, hat geduldet
Aussprache
Worttrennungdul-den (computergeneriert)
Wortbildung mit ›dulden‹ als Erstglied: ↗duldsam  ·  mit ›dulden‹ als Grundform: ↗erdulden · ↗gedulden
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. ohne Auflehnung, Klagen still, mit Geduld ertragen
Beispiele:
sie duldete standhaft, ohne zu klagen, tapfer, ergeben, schweigend
schweres Leid, bittere Not dulden
die ersten Christen mussten Verfolgungen dulden
2.
etw. erlauben, zulassen
Beispiele:
ich dulde keine Widerrede, Kritik, keinen Widerstand, Ungehorsam!
eine Ausnahme kann ich nicht dulden
ich dulde es nicht länger, dass ...
die Sache, das Geschäft duldet keinen Aufschub, keine Verzögerung
daß es natürlich mit dem Vaterland nicht anders als übel stehen könne, solange solche Menschen und solche Gedanken geduldet würden [HesseSteppenw.4,306]
jmdn. duldenjmdm. den Aufenthalt in seiner Nähe gestatten
Beispiele:
sie waren nur geduldete Gäste, Mieter
[sie] bat, den Kaplan noch zu dulden, bis er ein anderes Unterkommen fände [MusilDrei Frauen49]
gehoben es duldet jmdn. nicht (länger) an einem Ortes hält jmdn. nicht (länger) an einem Ort
Beispiele:
es duldete mich nicht länger im Hause
Lange freilich duldet es Balzac nicht in diesem Versteck [St. ZweigBalzac116]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dulden · Dulder · duldsam · Duldsamkeit · Geduld · geduldig · gedulden
dulden Vb. ‘leiden, ertragen’, besonders ‘zulassen’, ahd. thulten (8. Jh.), mhd. dulten, dulden ist wie mnd. dülden, mnl. nl. dulden, afries. thelda (westgerm. *þuldjan) abgeleitet von dem nur im Westgerm. existierenden Verbalabstraktum ahd. thult (9. Jh.), mhd. frühnhd. mnd. dult, aengl. þyld (gleichbed. mit den präfigierten, unter Geduld, s. unten, genannten Formen). Es gehört zu den schwachen Verben ahd. tholēn ‘erleiden, ertragen, büßen’ (8. Jh.), tholōn ‘leiden, geduldig erwarten’ (9. Jh.), mhd. doln, frühnhd. dolen (bis ins 16. Jh.), asächs. tholon, mnd. mnl. dōlen, aengl. þolian, anord. þola, schwed. tåla, got. þulan (germ. *þulēn, *þulōn). Diese Verben gehen mit lat. tollere ‘aufheben, auf sich nehmen, wegschaffen’, tolerāre ‘ertragen, erdulden’ (s. ↗tolerieren) und griech. tlḗnai (τλῆναι) ‘ertragen, erdulden’ auf die Wurzel ie. *tel(ə)- ‘aufheben, wägen, tragen, ertragen, dulden’ zurück. In ahd. Zeit nur im südwestd. Raum belegt, dehnt sich dulden, auch als Wiedergabe des christlichen Leidensbegriffs, über das gesamte hd. Sprachgebiet aus und verdrängt das alte ēn- bzw. ōn-Verb schließlich ganz. dulden (mit durch -l- zu -d- erweichtem -t-) meint heute vorwiegend ‘etw. zulassen, gegen etw. nichts unternehmen’, während es in der Bedeutung ‘Unangenehmes durchstehen’ durch erdulden oder ertragen ersetzt wird. Dulder m. ‘wer Unangenehmes erträgt’, zuerst von dem sein Leiden klaglos ertragenden Christus (18. Jh. Klopstock), dann (18. Jh.) auch von einem ‘der Widerwärtiges mit Ergebung trägt’. duldsam Adj. ‘geduldig, nachsichtig, tolerant’ (17. Jh.); dazu Duldsamkeit f. ‘Nachsicht, Toleranz’ (17. Jh.). Geduld f. ‘Ausdauer, Nachsicht’, ahd. githult (8. Jh.), mhd. gedult, gedulde, asächs. githuld, mnd. gedult, mnl. ghedout, selten ghedult, nl. geduld, aengl. geþyld, präfigierte Form des unter dulden (s. oben) behandelten Verbalabstraktums ahd. thult und seiner Entsprechungen. Davon abgeleitet geduldig Adj. ‘ausdauernd, nachsichtig, ruhig’, ahd. githultīg (8. Jh.), mhd. gedultec. gedulden Vb. ‘ruhig abwarten’, durch Präfix verstärktes dulden, mhd. gedulden, vgl. mnd. gedülden, aengl. geþyldian; heute wird das Verb als Ableitung von Geduld empfunden und nur reflexiv verwendet.

Thesaurus

Synonymgruppe
dulden · ↗durchlaufen · ↗durchmachen · ↗erdulden · ↗erleiden · ↗ertragen · ↗zulassen · über sich ergehen lassen
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) dulden(d) · ↗duldsam · ↗gütig · ↗tolerant · viel Verständnis haben (für)  ●  ↗nachsichtig  Hauptform · ↗verständnisvoll  Hauptform · ↗gelinde  geh., veraltend · ↗konnivent  geh., bildungssprachlich · milde gestimmt  geh. · ↗permissiv  geh., bildungssprachlich
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich etwas) bieten lassen · (sich etwas) gefallen lassen · (sich) nicht wehren (gegen) · (sich) nicht widersetzen · Nachsicht üben · dulden · ↗einstecken · ↗erdulden · ↗ertragen · ↗hinnehmen · in Kauf nehmen · ↗leisetreten · nicht protestieren · ↗schlucken · ↗stillhalten · ↗tolerieren · ↗verschmerzen  ●  (die) Füße stillhalten  ugs., fig. · ↗konnivieren  geh.
Assoziationen
  • (sich) halten an · (sich) zu Herzen nehmen · ↗akzeptieren · ↗annehmen · ↗beherzigen · ↗ernst nehmen · ↗hinnehmen  ●  (sich) gesagt sein lassen  ugs.
  • (klaglos) über sich ergehen lassen · (sich) (notgedrungen) arrangieren mit · (sich) abfinden (mit) · (sich) bescheiden (mit) · (sich) ergeben in · ↗(sich) fügen · (sich) in sein Schicksal ergeben · (sich) kleiner setzen · ↗ertragen · ↗hinnehmen  ●  (sich) schicken (in)  veraltet · ↗(sich) dareinfinden  geh., veraltet · keinen Aufstand machen  ugs. · ↗schlucken  ugs.
  • (die) Waffen strecken · (einen) Rückzieher machen · (es mit/bei etwas) bewenden lassen · ↗(es) aufgeben · ↗(es) aufstecken · (etwas) auf sich beruhen lassen · (sich dem) Schicksal ergeben · (sich dem) Schicksal fügen · ↗(sich mit etwas) abfinden · ↗(sich) beugen · (sich) geschlagen geben · aufhören zu kämpfen · ↗kapitulieren · klein beigeben · nicht weiter versuchen · nicht weiterverfolgen · nicht weiterversuchen · ↗passen · passen müssen · ↗resignieren  ●  (das) Feld räumen (müssen)  fig. · ↗aufgeben  Hauptform · (das) Handtuch schmeißen  ugs., fig. · (das) Handtuch werfen  ugs., fig. · (den) (ganzen) Bettel hinschmeißen  ugs. · (den) (ganzen) Bettel hinwerfen  ugs. · (den) (ganzen) Kram hinschmeißen  ugs. · (den) (ganzen) Krempel hinschmeißen  ugs. · (die) Brocken hinschmeißen  ugs. · (die) Brocken hinwerfen  ugs. · (die) Flinte ins Korn werfen  ugs., fig. · (die) Segel streichen  ugs. · ↗(etwas) stecken  ugs. · (sich) ins Bockshorn jagen lassen  ugs. · (sich) schicken (in)  geh., veraltet · ↗abbrechen  ugs. · ↗aufstecken  ugs. · die weiße Fahne hissen  ugs., fig. · ↗einpacken (können)  ugs., fig. · ↗hinschmeißen  ugs. · in den Sack hauen  ugs. · ↗schmeißen  ugs., fig. · ↗zurückrudern  ugs., fig.
  • (einziger) Nachteil · ↗Minuspunkt · ↗Schwachpunkt · ↗Wermutstropfen
  • (jemandes) Handlanger · Abnicker · ↗Erfüllungsgehilfe · Gesinnungsakrobat · ↗Ja-Sager · ↗Jasager · ↗Konformist · ↗Mitläufer · ↗Opportunist · williger Vollstrecker  ●  ↗Gesinnungslump  derb · ↗Radfahrer  ugs. · ↗Wendehals  ugs. · Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.  ugs., Sprichwort · sein Fähnlein nach dem Winde drehen  ugs.
  • (einem Rat) folgen · (einer Sache) Folge leisten · (sich) gesagt sein lassen · (sich) halten (an) · ↗akzeptieren · ↗annehmen · ↗befolgen · ↗beherzigen · ↗einhalten · ↗erfüllen · ↗ernst nehmen  ●  ↗(auf jemanden) hören  ugs. · (sich etwas) zu Herzen nehmen  ugs.
  • bewältigen · fertigwerden mit · hinwegkommen über · ↗verkraften · ↗verschmerzen · ↗verwinden · ↗überwinden  ●  nicht verknusen können (regional, nur negativ)  ugs. · ↗wegstecken  ugs.
  • (etwas) mit sich machen lassen · (sich dafür) benutzen lassen zu · (sich etwas) gefallen lassen · (sich) dazu hergeben zu · (sich) hergeben zu · von jemandem (für seine eigenen Zwecke) ausgenutzt werden · von jemandem für seine Zwecke benutzt werden  ●  (sich) vor jemandes Karren spannen lassen  fig.
  • (etwas) nicht ahnden · (etwas) nicht bestrafen · (jemandem etwas) durchgehen lassen · (jemandem) etwas nachsehen · (jemandem) nicht böse sein (können) · (sich) nachsichtig zeigen · Gnade walten lassen · Milde walten lassen · Nachsicht üben · auf (eine) Bestrafung verzichten · auf (eine) Strafe verzichten · barmherzig sein · gnädig sein · nicht zu streng sein · von einer Bestrafung absehen  ●  Gnade vor Recht ergehen lassen  floskelhaft · beide Augen zudrücken  fig. · dann woll'n wir mal nicht so sein  ugs., Spruch · etwas mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken  ugs., sprichwörtlich
Synonymgruppe
dulden · ↗tolerieren · ↗zulassen · über etwas hinwegschauen · über etwas hinwegsehen  ●  (ich will dann) mal nicht so sein  ugs. · ein Auge zudrücken  ugs., fig. · fünfe gerade sein lassen  ugs., sprichwörtlich
Assoziationen
  • (etwas) nicht ahnden · (etwas) nicht bestrafen · (jemandem etwas) durchgehen lassen · (jemandem) etwas nachsehen · (jemandem) nicht böse sein (können) · (sich) nachsichtig zeigen · Gnade walten lassen · Milde walten lassen · Nachsicht üben · auf (eine) Bestrafung verzichten · auf (eine) Strafe verzichten · barmherzig sein · gnädig sein · nicht zu streng sein · von einer Bestrafung absehen  ●  Gnade vor Recht ergehen lassen  floskelhaft · beide Augen zudrücken  fig. · dann woll'n wir mal nicht so sein  ugs., Spruch · etwas mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken  ugs., sprichwörtlich
  • (etwas) hinnehmen · (sich) etwas bieten lassen · (sich) etwas gefallen lassen · (sich) nicht widersetzen
  • (ist ja) nichts passiert · halb so schlimm  ●  (ist schon) vergeben und vergessen  ugs. · Schwamm drüber!  ugs., Redensart · alles gut!  ugs. · halb so wild  ugs. · ich werd's überleben  ugs. · ist schon vergessen  ugs. · kein Problem  ugs. · macht nichts  ugs. · schon okay  ugs. · war was?  ugs.
  • (jemandem etwas) nachsehen · ↗(jemandem etwas) vergeben · ↗(jemandem etwas) verzeihen · (sich) nachsichtig zeigen · Verständnis aufbringen (für) · Verständnis haben (für)  ●  ↗(etwas) entschuldigen  Hauptform · Nachsicht üben  geh.
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abweichung Aufschub Ausnahme Einmischung Gott Korruption Mieter Minderheitsregierung Nachlässigkeit Praktik Schlendrian Territorium Treiben Umstand Vermieter Widerrede Widerspruch Widerwort Zweifel fördern keinerlei keinesfalls lang lange mehr nicht niemals schweigend stillschweigend Übergriff

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dulden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zwar tut dies das deutsche Urheberrecht ebenso wenig, sondern duldet so etwas lediglich.
Der Tagesspiegel, 16.04.2002
So gedeutet mögen wir aber wahr offensichtlich prädikativ gar nicht dulden.
Süddeutsche Zeitung, 04.12.1999
Der Ruf seines Hauses dulde es nicht, einen derartigen Gast aufzunehmen!
P. M.: Peter Moosleitners interessantes Magazin, 1993, Nr. 10
Sie kann nicht dulden, daß es auf einem so weiten Felde keine rechtliche Verantwortung geben sollte.
o. A.: Zweiter Tag. Mittwoch, 21. November 1945. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1945], S. 27470
Warum mochten sie wohl durchaus kein Singen im Hause dulden?
Viersbeck, Doris: Erlebnisse eines Hamburger Dienstmädchens. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 8077
Zitationshilfe
„dulden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dulden>, abgerufen am 23.02.2019.

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