Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

dumpf

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Wortbildung  mit ›dumpf‹ als Erstglied: Dumpfbacke · dumpf hallend · dumpf riechend · dumpf tönend · dumpfhallend · dumpfriechend · dumpftönend
 ·  mit ›dumpf‹ als Grundform: verdumpfen
eWDG

Bedeutungen

1.
muffig, modrig (riechend, schmeckend)
Beispiele:
die dumpfe Luft eines Krankenzimmers, Kellers, Gewölbes
in einer Gruft herrscht, ist dumpfe Luft
ein dumpfer Geruch schlug ihm entgegen
das ganze Haus ist von einer dumpfen Schwüle erfüllt
saloppein dumpfes Loch (= Raum)
das Mehl, Getreide ist, riecht, schmeckt dumpf
er [hatte] doch Angst vor dem hilflosen Leben in diesen dumpfen, von uralten Leiden erfüllten Gelassen [ Feuchtw.Narrenweisheit283]
auferstanden: / Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern [ GoetheFaustI 923]
2.
gedämpft, hohl, tief (klingend)
Beispiele:
ein dumpfer Ton, Laut, Krach, Lärm, Aufschlag, ein dumpfes Geräusch
das dumpfe Rollen des Donners, der einfahrenden Züge
der dumpfe Klang einer Trommel, Pauke
ein dumpfes Echo, ein dumpfer Nachhall
das dumpfe Stöhnen des Fiebernden
etw. hallt, klingt dumpf
etw. schlägt dumpf auf
dumpfes Orgelspiel dringt undeutlich heraus [aus der Kirche] [ LuxemburgBriefe35]
Wie die Schollen dumpfer und dumpfer auf den Sarg poltern [ RaabeSperlingsgasseI 1,24]
3.
übertragen ungeistig, beschränkt, stumpf, stumpfsinnig
Beispiele:
ein dumpfer Mensch
das dumpfe Alltagsleben
die dumpfe Atmosphäre einer kleinen Stadt
dumpfe Gleichgültigkeit, Resignation breitet sich aus
er ist in dumpfes Brüten versunken
dumpf dahinleben
jmd. starrt, blickt dumpf vor sich hin
der dumpfe Bürger wurde in Gehrock und Zylinder sein selber mit Rührung bewußt [ Th. MannKönigl. Hoheit7,161]
Er hatte rohe Gesichter genug, dumpfe und fast schon vertierte gesehen [ LanggässerArgonautenfahrt150]
unklar, unbestimmt, instinktiv
Beispiele:
eine dumpfe Ahnung, Erinnerung haben
eine dumpfe Sehnsucht, Leidenschaft, Verzweiflung
jmd. hat dumpfe Furcht, Angst, Wut
etw. dumpf empfinden
sich dumpf erinnern
etw. dumpf ahnen
einen dumpfen (= quälenden, aber unbestimmten) Druck, Schmerz (im Kopf) verspüren
Was andere allenfalls dumpf erfühlen, er [der Künstler] wagt es zu wissen [ Hausm.Überfall26]
4.
benommen
Beispiele:
ein dumpfer Halbschlaf
mein Kopf ist dumpf
mir ist dumpf im Kopfe
Wein … den er dem jungen Mann empfahl statt des Bieres, das doch schwer und dumpf mache [ A. ZweigRegenbogen106]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dumpf · Dumpfheit
dumpf Adj. ‘stickig, modrig, hohlklingend’, seit dem 18. Jh. belegt; daneben älteres dumpfig ‘kurzatmig, stickig, gedämpft’ (15. Jh.), auch dumpficht und dumpfer (16. Jh.). Zur unmittelbaren Verwandtschaft gehören mhd. dumpfe m. ‘Atemnot, Engbrüstigkeit, Asthma’, mnd. dumpe, vereinzelt bis ins 19. Jh. belegt (Dumpf), auch ‘Dampf, Ausdünstung’ (15. Jh.), ‘Schimmel’ (17. Jh.), dumpfen Vb. ‘schimmeln, dämpfen, ersticken’ (17. Jh.), vgl. auch mhd. dumpfen, dümpfen ‘dampfen, dämpfen’. Sie alle stehen im Ablaut zu Dampf (s. d.), so daß für die Wortgruppe dumpf eine Ausgangsbedeutung ‘durch Rauch, Dampf eingeengt, feucht’ anzunehmen ist. Dumpfheit f. ‘Abgestumpftheit, Empfindungslosigkeit’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
dumpf · plump · unbeholfen  ●  stumpf  ugs.
Synonymgruppe
dumpf · glanzlos · kontrastarm · matt · stumpf
Synonymgruppe
ausdruckslos · dumpf · trocken · unbewegt

Typische Verbindungen zu ›dumpf‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dumpf‹.

Verwendungsbeispiele für ›dumpf‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Während das Porzellan beim Anschlagen einen hell klingenden Ton von sich gibt, klingt Steingut, wenn man es anschlägt, dumpf. [Die Landfrau, 15.11.1924]
Er glaubt plötzlich, in der dumpfen Luft des Lokals ersticken zu müssen. [Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 334]
Denn es ist sehr oft nur ein dumpfes in der Richtung der einmal eingelebten Einstellung ablaufendes Reagieren auf gewohnte Reize. [Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 9]
Das funktioniert zwar trotzdem wunderbar, läßt jedoch in manchen Fällen das Ergebnis etwas dumpf klingen. [C't, 1998, Nr. 9]
Was einmal die dumpfe Masse war, ist heute die dumpfe aufgeklärte Masse. [Der Spiegel, 08.02.1993]
Zitationshilfe
„dumpf“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dumpf>.

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