dunkel
GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungdun-kel (computergeneriert)
Wortbildung mit ›dunkel‹ als Erstglied: ↗Dunkelarrest · ↗Dunkelbier · ↗Dunkelfeld · ↗Dunkelhaft · ↗Dunkelkammer · ↗Dunkelmann · ↗dunkelblau · ↗dunkelblond · ↗dunkelbraun · ↗dunkeldeutsch · ↗dunkelfarben · ↗dunkelfarbig · ↗dunkelgekleidet · ↗dunkelgelb · ↗dunkelgelockt · ↗dunkelgestreift · ↗dunkelgetäfelt · ↗dunkelgetönt · ↗dunkelglühend · ↗dunkelgrau · ↗dunkelgrün · ↗dunkelhaarig · ↗dunkelhäutig · ↗dunkelrot · ↗dunkeltönend · ↗dunkeläugig
 ·  mit ›dunkel‹ als Letztglied: ↗dämmerdunkel · ↗nachtdunkel · ↗stockdunkel · ↗tiefdunkel
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Gegenwort zu hell
a)
ohne Licht, lichtarm, finster
Beispiele:
ein dunkler Raum, Keller, ein dunkles Gelass
eine dunkle Zelle, Spelunke
dunkle Gassen, Straßen, Höfe
wir standen in der dunklen Nacht, im dunklen Wald
es wurde dunkler und dunkler
im Hause war es angenehm dunkel
wir hockten die ganze Zeit im Dunkeln
mir wurde es dunkel vor den Augen (= ich verlor fast die Besinnung)
im Dunkeln ist gut munkeln scherzhaft, sprichwörtlich
Ich ... machte mein Schlafzimmer dunkel [HesseSteppenw.4,351]
b)
sich im Farbton mehr oder weniger dem Schwarz annähernd, von tiefer Färbung
Beispiele:
ein dunkler Anzug, ein dunkles Kleid
sie hat dunkle Augen, Haar
jmd. hat einen dunklen Teint
er trägt eine dunkle Binde über dem Auge
dunkle Ränder um die Augen haben
dunkles Bier (= Malzbier)
dunkles Brot (= Schwarzbrot)
ein dunkles Blau
dunkles (= tiefes) Rot überzog sein Gesicht
dunkle Wolken zogen über uns hin
ein dunkler Schatten huschte vorüber
sein Gesicht wurde dunkel (= sehr rot) vor Zorn
ein dunkel gehaltenes Ölbild
einen Stoff dunkel färben
Mein Vater war groß, sehr dunkel (= dunkelhaarig) und schön [BöllBillard234]
bildlich
Beispiel:
der dunkle Erdteil (= Afrika)
c)
tief tönend
Beispiele:
ein dunkler Vokal
eine dunkle Aussprache
dunkles Gebrüll drang von der Straße herauf
das dunkle Summen im Bienenstock
die Glocken tönen dunkel durch die Nacht
die Domuhr schlägt dunkel
Dann aber stand er auf und rief mit seiner dunklen Stimme: ... »Freiheit und Gleichheit!« [Feuchtw.Narrenweisheit44]
Nebel lag im Rheintal, dunkel tuteten die Nebelhörner [BöllWaage56]
2.
übertragen unbestimmt, unklar
Beispiele:
eine dunkle Ahnung, Erinnerung, Vorstellung, Empfindung
dunkle Andeutungen, Gerüchte
eine dunkle Sehnsucht ergreift jmdn.
ein dunkler Verdacht stieg in ihm auf gehoben
das ist mir immer noch dunkel
ich erinnere mich dunkel daran
ich ahne, fühle dunkel, wie es ausgehen wird
sich dunkel entsinnen
Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange / Ist sich des rechten Weges wohl bewußt [GoetheFaustI 329]
obgleich er dunkel vermutete, daß er eher störend wirke [Th. MannKönigl. Hoheit7,202]
ungewiss
Beispiele:
im Dunkeln tappen
jmdn. im Dunkeln (über etw.) lassen
der Sprung ins Dunkle
undurchsichtig
Beispiele:
eine dunkle Briefstelle, Textstelle
dunkle Mächte, Götter haben sich gegen mich verschworen gehoben
in diesem Gedicht ist mir einiges dunkel
der Geldgeber hielt sich, blieb im Dunkeln (= blieb anonym)
dunklen Überlieferungen zufolge war Nachtschweiß das sicherste Zeichen für Lungenkrankheit [BöllHaus15]
Ihre rätselhafte und dunkle Reise mit diesem Mann [G. Hauptm.AngermannIV]
»Meister, deine Rede ist dunkel«, sagte der Jüngling: »Ich fasse sie nicht.« [O. M. GrafBolwieser68]
3.
abwertend verdächtig, zweifelhaft
Beispiele:
eine dunkle Gestalt, Existenz
jmd. geht dunkle Wege
dunkle Machenschaften, Geschäfte, Spekulationen, Absichten
seine dunklen Motive habe ich durchschaut
einen dunklen Plan aushecken umgangssprachlich, abwertend
sein Kapital kommt aus dunklen Quellen, Kanälen
das ist ein dunkler Punkt in seinem Leben
endlich kommt Licht in seine dunkle Vergangenheit, Herkunft
Unsichere Existenzen mehren sich, dunkle Ehrenmänner [BrechtTrommelnI]
4.
düster, trübe, unerfreulich
Beispiele:
er hat viele dunkle Stunden erlebt
das war der dunkelste Tag meines Lebens
diese Zeit gehört zu den dunkelsten Kapiteln der Geschichte
jmd. hat, führt ein dunkles Dasein
die Zukunft in den dunkelsten Farben ausmalen
das dunkle (= rückständige) Mittelalter abwertend
die dunkelste (= übelste, extremste) Reaktion gewann vorübergehend die Oberhand abwertend
Eine ... handfeste Jugend, die den dunklen Seiten des Lebens gefaßt ins Auge sieht [Borchert165]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dunkel · Dunkelheit · dunkeln · verdunkeln · Dunkelmann
dunkel Adj. ‘finster, gedämpft, unklar’, ahd. tunkal ‘finster, gedämpft, schwer verständlich’ (8. Jh.), mhd. tunkel, dunkel und mit anderem Suffix asächs. dunkar, mnd. dunker ‘dunkel, blind’, mnl. donker und donkel, nl. donker führen über die schwundstufige Form der Gutturalerweiterung ie. *dheng- auf die Wurzel ie. *dhem(ə)- ‘blasen, dampfen, rauchen, dunkel’ (wozu auch ↗Dampf, s. d.). Zur hochstufigen Form der Gutturalerweiterung gehören anord. døkkr, afries. diunk. Außergerm. verwandt ist kymr. dew m. ‘Nebel, Rauch, Schwüle’. Der dem Nd. entstammende d-Anlaut setzt sich im 18. Jh. endgültig durch. Dunkelheit f. ‘Finsternis, Unverständlichkeit’, mhd. dunkelheit, mnd. dunkerhēt ‘Finsternis, Blindheit’. dunkeln Vb. ‘dunkel werden’, ahd. tunkalēn (9. Jh.), mhd. tunkeln, dunkeln ‘dunkel sein oder werden’. verdunkeln Vb. ‘dunkel, lichtundurchlässig machen’, mhd. vertunkeln. Dunkelmann m. ‘Feind der Aufklärung und des Fortschritts, Finsterling’, meist im Plur. Dunkelmänner, eine Übersetzung von lat. viri obscuri ‘unberühmte, unbekannte Männer’. Der Ausdruck findet sich in der humanistischen satirischen Streitschrift Epistolae obscurorum virorum ‘Briefe unberühmter Männer’ (1516), in dt. Übersetzung dann dunkle Männer und Dunkelmänner (1795). In der Schrift wird die Unwissenheit und Rückschrittlichkeit der noch immer der Scholastik verbundenen Wissenschaftsvertreter verspottet.

Thesaurus

Synonymgruppe
düster · ↗finster · ↗schwarz
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
obskur · ↗schattenhaft · ↗undeutlich · ↗ungefähr · ↗unklar · ↗unscharf
Assoziationen
Synonymgruppe
anrüchig · ↗fragwürdig · nicht (ganz) koscher · nicht vertrauenswürdig · ↗obskur · ↗ominös · ↗undurchsichtig · ↗windig · ↗zweifelhaft · ↗zwielichtig  ●  ↗dubios  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
(völlig) dunkel · ↗stockfinster  ●  ↗stockdunkel  ugs. · ↗zappenduster  ugs.
Synonymgruppe
nicht zu entschlüsseln · schwer auszudeuten · schwer deutbar · ↗unverständlich · verdeckt · verdunkelt  ●  ↗hermetisch  geh. · ↗kryptisch  geh. · ↗unergründlich  geh.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ahnung Anzug Augen Brille Ecke Ecken Farben Fleck Flecken Geheimnis Gestalten Haare Haut Hautfarbe Holz Jahreszeit Kanälen Kapitel Limousinen Locken Machenschaften Materie Raum Schatten Seite Sonnenbrille Teint Wald Wolken hell

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dunkel‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Kopf pocht es dunkel, die Augen fallen manchmal zu.
Die Zeit, 24.09.1998, Nr. 40
Eine dunkle Decke läßt den Raum niedriger erscheinen, sie hängt optisch tiefer.
o. A.: Das Buch vom Wohnen, Hamburg: Orbis GmbH 1977, S. 233
Dies klammert die dunkelsten Jahre nicht aus, sondern bezieht sie ausdrücklich ein.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1971]
Die Haare wirkten weniger dunkel als auf den gestellten Bildern, die Haut weniger glatt.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 816
Sie war selbst beklommen von dieser abseitigen vornehmen Straße, von dieser alten Villa, von diesen schweren dunklen Zimmern.
Wolf, Christa: Der geteilte Himmel, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verl. 1963, S. 26
Zitationshilfe
„dunkel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dunkel>, abgerufen am 20.09.2017.

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