Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

dunsten

Grammatik Verb · dunstet, dunstete, hat gedunstet
Aussprache 
Worttrennung duns-ten
Wortbildung  mit ›dunsten‹ als Letztglied: ausdunsten · eindunsten  ·  mit ›dunsten‹ als Grundform: verdunsten

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. Dunst, Wasserdampf absondern
  2. 2. einen unangenehm riechenden Dunst ausströmen, verbreiten
  3. 3. [österreichisch, umgangssprachlich] ⟨jmdn. dunsten lassen⟩ jmdn. im ungewissen, warten lassen
eWDG

Bedeutungen

1.
Dunst, Wasserdampf absondern
Beispiele:
die feuchte Erde dunstet
dunstende Wiesen
Unsichtbar dunstete der See [ I. SeidelTor531]
2.
einen unangenehm riechenden Dunst ausströmen, verbreiten
Beispiele:
üble Luft dunstet über dem Schlachtfeld
Drinnen [in der Baracke] schnarchen, sägen, dunsten hundertzwanzig Mann [ A. ZweigJunge Frau309]
Man hatte den Ofen zum erstenmal diesen Herbst in Betrieb genommen, und er dunstete noch [ LeipBergung56]
3.
österreichisch, umgangssprachlich jmdn. dunsten lassenjmdn. im ungewissen, warten lassen
Beispiel:
Hätte Herr Rives Verstand im Kopf, würde er deshalb Bernadette und ihre Eltern bis morgen … dunsten lassen [ WerfelBernadette303]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Dunst · dunsten · dünsten · ausdunsten · verdunsten · dunstig · Dunstkreis · Vogeldunst
Dunst m. ‘Lufttrübung, Dampf, feiner Rauch’, ahd. thunst ‘Wind, Sturm’ (10. Jh.), mhd. dunst, tunst ‘Dampf, Dunst’, asächs. thunst ‘Dunst, Streif oder Strahl des Feuers’, mnl. donst ‘Staubmehl’ und mit n-Ausfall und Ersatzdehnung mnd. dūst, dust ‘Staub, Spreu, Hülse’, aengl. dūst ‘Staub’, engl. dust führen auf die s-Erweiterung ie. *dheus-, *dhū̌s- ‘stieben, stäuben, wirbeln’, auch ‘blasen, wehen’ der Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- ‘stieben, wirbeln’, besonders von Staub, Rauch, Dampf (s. Duft). Verwandt ist außergerm. aind. dhváṁsati ‘verfällt, geht zugrunde, zerfällt zu Staub’. Insgesamt weist die zugehörige Wortgruppe aind. dhva(ṁ)s- in ihren ältesten Belegen auf die Bedeutung ‘zerstäuben, verfinstern, rauchen’. dunsten, dünsten Vb. ‘Dunst ausströmen, dampfen, mit Dampf gar kochen’, mhd. dunsten, dünsten. ausdunsten, -dünsten Vb. ‘Dunst, Geruch ausscheiden’, mhd. ūʒdunsten ‘verdunsten’. verdunsten Vb. ‘sich in Dunst auflösen, gasförmig werden’ (17. Jh.); im 18. Jh. fallen ursprünglich geschiedenes intransitives verdunsten und transitives verdünsten zusammen. dunstig Adj. ‘trübe’, ahd. thunstīg ‘stürmisch’ (10. Jh.), mhd. dunstec ‘dampfend’. Dunstkreis m. ‘Lufthülle der Erde, Ausstrahlungsbereich, (geistige) Umgebung’, Übersetzung (17. Jh.) von Atmosphäre (s. d.). Vogeldunst m. feinster Schrot zur Jagd auf kleine Vögel (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Dunst ausströmen · dunsten
Synonymgruppe
dampfen · dunsten

Verwendungsbeispiele für ›dunsten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Erde dunstete, kurzum überall sah man den Winter aus dem Land gehen. [Brief von Irene G. an Ernst G. vom 16.03.1942, Feldpost-Archive mkb-fp-0270]
Unten im Wohnzimmer dunsteten die frisch gefegten Dielen noch von Feuchtigkeit. [Wassermann, Jakob: Caspar Hauser, Berlin: Aufbau-Verl. 1987 [1908], S. 237]
Die Millionen, die die Spieler dieser "Arbeitervereine" verdienen, dunsten nicht nach Dortmunder Bier und riechen nicht nach Nordkurvenschweiß. [Die Welt, 04.05.2002]
Nach Proletarierschweiß muss der Fußball riechen, nach Kohle und Henkelmann, und nach Bierhefe dunsten. [Die Welt, 04.05.2002]
Noch in derselben Woche ritt Theophrastus an einem Nachmittage, der fremd und sommerschwül unter einem bangen Himmel dunstete, durch das Spalentor zurück. [Kolbenheyer, Erwin Guido: Das Gestirn des Paracelsus, München: J.F. Lehmanns 1964 [1921], S. 905]
Zitationshilfe
„dunsten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dunsten>.

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